Im Teil 2 fahren wir vom Col Forclaz am Mont Blanc vorbei bis zum Lac du Sierres Proncon. Nach einer Nacht mit Aussicht auf den See, erreichen wir Anderntags bereits Menton. Den Tourbericht mit weiteren Fotos findet ihr auch unter: http://www.mfst-indersdorf.de


Land / Region:
Frankreich / Alpen - West

Charakter:
Straße

Länge:
2700 km gesamt

Reisezeit:
Juni



Westalpen 2012 - Teil 2

Freitag 22.06. - 373km

Der mit 4810m (mit Eiskappe) höchste Berg der Alpen ruft!  Der Mont Blanc!  Schon vor dem Frühstück sind die Motorräder gepackt so dass es nach den letzten Bissen und dem Bezahlen der Rechnung losgehen kann. Seltsamerweise ist mit den neuen EC-Karten weder an Tankstellen noch in Hotels eine Rechnung zu bezahlen, lediglich Barabhebung an den Geltautomaten funktioniert problemlos. Gut dass wir unsere Kreditkarten dabei habe.

Also wer heute auf Tour geht bitte unbedingt bei seiner Bank erkundigen wie weit das Bargeldlose Bezahlen abgedeckt ist!

Die Nacht war kalt und entsprechend träge lässt sich meine „R“ durch die ersten Kehren hinab zur französischen Grenze wedeln. Doch schon nach wenigen hundert Metern erreicht der Michelin Pilot Road 3 selbst bei kalter Straße eine brauchbare Betriebstemperatur.

Der Grenzübergang nach Frankreich bei le Chatelard hat etwas Beeindruckendes. Zwischen Felswänden duckt sich die Grenzstation in die Straße. Weder Schweizer noch Französische Grenzbeamte kümmern sich aber um uns.

Die hier angesiedelte, mit 87% Steigung steilste Doppel-Standseilbahn der Welt, schenken wir uns heute auch. Es ist einfach noch zu früh für ausgedehnte Sightseeing Pausen und die Gashand juckt zudem gewaltig.

Zweifelsohne ist der Wechsel der Staatsgrenzen auch an dem Fahrbahn Belag  erkenntlich.

Fortan holpern wir auf von wechselnden Reibwerten und Schlaglöchern übersäter „Piste“ gen Süden. Trotzdem macht es Spaß! Morgendliche Nebelschwaden und das warme Licht der frühen Sonne verleihen dem Wald durch den wir fahren einen ganz besonderen Reiz.

In  Argentiere machen wir die erste Fotopause um den Mont Blanc für unsere Foto Sammlungen zu verewigen. Doch der Große Weiße Riese zickt und versteckt sich immer wieder hinter den vorbeiziehenden Wolken ….aber warte nur ….. wir kommen wieder, auf dem Rückweg von der anderen Seite bei dir vorbei!  

Schnell durch Chamonix  Mont Blanc , dann die kurvige A40 welche wir auch gleich bei Le Abbaye zur „Route des Amerandes“ Richtung Megeve verlassen. Wir fahren durch  Notre Dame de Bellecombe, zum Col de Seisies (1650m) und erreichen über Beauford den Cormet de Roselend (1967m). Nach der Auffahrt durch die imposante Gebirgskulisse gönnen wir uns auf der Passhöhe erst einmal eine typische Baguette-Brotzeit und lassen das Panorama auf uns wirken. Ab Bourg St.Maurice  folgen wir der N90 bis  Moutiers. Dort biegen bei nächstmöglicher Gelegenheit auf die D94 ein. Ab Hier beginnt wieder das Motorradfahrerherz höher zu schlagen! Kleine knackige Kurven reihen sich vor uns auf und schnell sind die Km zum Col de Madeleine (1993m) abgespult.

In  Saint Jean de Maurienne treffen wir auf eine Gruppe Alpine Renault A110. Was für ein Sportwagen, klein leicht und mit der großen 1,6ltr Variante selbst heute noch ausreichend motorisiert. Die Alpines fahren Richtung Col d Glandon, wir jedoch nach Saint Martin d Arc zur D902, der Route de Galibiere.

Gleich nach dem Abzweig windet sich das Sträßchen bergauf. Die Kehren eng und teils unübersichtlich schlängeln wir uns zur Passhöhe auf 2646m empor. Hier wieder anstellen zum üblichen Passfoto, ein paar Radfahrer führ ihr Fotoalbum verewigt und dann dürfen auch wir. Nun drängt aber ein bisschen die Zeit, möchte ich doch am Lac du Sierre Proncon Übernachten. Je später wir ankommen werden, desto geringer ist ja die Chance auf ein Zimmer. Zügig stürzen wir den Berg hinunter und  dienen daher als Fotomodel geschäftstüchtiger Minipaparazzis, die die Fotos von uns später im Internet zu gesalzenen Preisen anbieten werden.  

Bei Briancon zweigen wir auf die N94 ab und „brennen“ an Embrun vorbei nach Savines le Lac. Nach kurzer Suche finden wir im Hotel Eden Lac eine annehmbare Unterkunft zu annehmbaren Preisen. Der Service des Restaurant jedoch lässt zu wünschen übrig. Mir gelingt es nicht ein Bier (Uli hat schon eines) geschweige denn ein Abendessen zu Ordern. In dem Grillrestaurant, an der Straßengabelung zur Bücke ,werden wir hingegen bestens bedient.

Das Absackerbier im Hotel entfällt nach kurzer Wartezeit aus demselben Grund wie das Abendessen dort. Das Personal nimmt uns einfach nicht war. Also lassen wir das und werden wohl auch hier kein Frühstück ordern. Morgen ja noch nach Menton….

 

Samstag 23.06. – 314km

…. Den Abzweig nach Pontis hätte ich ums Haar verpasst so unscheinbar ist das Sträßlein das da scharf links abgeht. So verflixt eng, steil und in schlechtem Zustand ist der Weg, dass ich schon meine mich verfahren zu haben. Aber das Örtchen Pontis kommt tatsächlich nach einem Waldstück zum Vorschein. Ein paar hundert Meter nach dem Ort wird die (erträgliche) Mühe mit einem unbeschreiblich schönen Ausblick auf den Lac belohnt.

Die westliche Abfahrt sollte aber mit Bedacht angegangen werden. Rollsplitt und Ölverseuchte Kehren reihen sich an der einspurigen Straße aneinander. Dafür kreuzen Greifvögel unseren Blick und die in Morgenlicht getauchte Landschaft lässt das Auge immer wieder von  der Straße abschweifen.  Auf er der D954 und D900 schwingen wir in weiten Bögen dahin bis ich wieder auf eine Alpine A110 stoße. Ich lasse mich auf eine kleine Hatz mit dem Metallic Blauen Exemplar deutscher Zulassung ein. Hochachtungsvoll ziehe den Hut vor dem, was dieses kleine Auto heute noch zu leisten vermag. Ich muss schon heftig am Gasgriff drehen um den Sound des Motörchens nicht aus Hörweite zu lassen. Ein Genuss der besonderen Art, auch wenn das vorgelegte Tempo auch nicht ganz legal gewesen sein kann.

In Les Thuiles trennen sich dann unsere Wege und das ist wohl auch gut so. Über den  Col de Cayolle (2326m) kommen wir nach St Martin Entraunes, Guillaumes. Folgen der  – D28 nach Valberg und Beuil.

Bei Puget Theniers schwenken wir auf ein ganz besonderes Schmankerl, die D27. Unscheinbar und eng schlängelt sich die einspurige Nebenstraße teils spektakulär am Hang entlang. Nach einer gemütlichen Salami Brotzeit in Toudon versuchen wir nach Nizza zu kommen. Doch immer an derselben Stelle versagt mein Navi  seinen Dienst. Nach der Einen und Anderen Ehrenrunde müssen wir uns erst einmal auf unseren eigenen Orientierungssinn verlassen. Man glaubt es kaum aber trotzdem finden wir die Uferpromenade von Nizza, gönnen uns die Aussicht auf das allgegenwärtige Schaulaufen der „Jungs und Mädels“ und verlassen die Szene durch den etwas verwirrenden Straßentunnel. Wohl eher intuitiv finden wir dann wohl die richtige Ausfahrt und gelangen über Laghet tatsächlich nach Menton.

Wir haben einen denkbar schlechten Zeitpunkt gewählt um in Menton ein Zimmer zu suchen. Zum einen wird Uli um Haaresbreite von einem suizidösen Scooterfahrer abgeschossen, zum anderen ist just an diesem Wochenende ein Pferdefestival im Ort und daher kein Zimmer zu bekommen.  Der freundliche Besitzer des „le Richelieu“ telefoniert für uns alle möglichen Hotels durch und kann uns tatsächlich zwei Zimmer im Hotel  Le Saint Yves in St. Agnes buchen. Am Ende entschuldigt sich der nette Herr auch noch für sein schlechtes Deutsch! Auf dem Weg von Menton nach Sainte Agnes merken wir dass Zeit für Feierabend ist. Ein Fahrfehler wird jetzt schon von dem Nächsten ersetzt.

Sainte Agnes ist für Kraftfahrzeuge gesperrt – oder besser es gibt gar keine befahrbaren Straßen. So bleiben die Bikes draußen vor den „Toren“ und wir schleppen unser Gepäck schwitzend zu den Unterkünften die vom Restaurant  Le Saint Yves doch noch ein paar hundert Meter entfernt sind. Die schönen Zimmer und der mittelalterliche Flair von  Sainte Agnes entschädigen für alles!

 

Nach einem Erholungstag in St. Agnes und Menton beginnen wir im Teil 3 etwas staubig die Rückreise.


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