Eine Tour von Füssen im Allgäu das Lechtal hinauf, über Warth in das Tal der Bregenzer Ach, den Riedbergpass, das Oberjoch und den Haldensee im Tannheimer Tal, weiter über Pfronten zurück nach Füssen.


Land / Region:
Deutschland, Österreich / Allgäu, Tirol, Vorarlberg

Charakter:
Gut ausgebaute Landstraßen

Länge:
ca. 221 Km

Reisezeit:
Ende Mai



  

Es ergab sich im letzten Jahr, dass mir eine weiß blaue Kuh aus München zugelaufen ist.

So eine Gummikuh wo man früher immer sagte: „ Wenn ich mal alt bin, dann…“

Das scheint bei mir jetzt wohl der Fall zu sein, denn die Kinder kommen nur noch wenn sie etwas wollen nach Hause.

In den Jahren der Kindererziehung haben wir unseren Urlaub öfter in den bayerischen Alpen verbracht.

Was liegt da näher als die Kuh durch ihre heimatlichen Gefilde zu treiben?

Ein kurzer Anruf, der mit einem netten „Grüß Gott“ begann und mit einem „Pfiat Di“ endete, schon hatte ich ein Zimmer, und für das Motorrad einen Unterstand gebucht.

Also, ab ins Voralpenland.

Da ich mich im Bereich Füssen und Umgebung ein wenig auskenne ist es nicht leicht eine Tour zusammen zu stellen, die ich als Lieblingsrunde bezeichnen kann. Die Gegend ist irgendwie besonders und überall schön.

Ich lasse mich jetzt auch nicht darüber aus, wie imposant die Sehenswürdigkeiten in Füssen und Umgebung sind. Wir wollen Motorradfahren, uns an Landschafen ergötzen und nicht gemauerte Steine ansehen.

Hier nun beschrieben, eine Tour die für jeden etwas hat.

Nach einem guten Frühstück mit „Semmeln“ und „Wurscht“ haben wir, meine Lieblingssozia und ich, uns in die Motorradklamotten gezwängt und die Kuh gesattelt.

Von Füssen aus über die B17 am Lechfall vorbei Richtung Vils in Tirol. Die Ehemalige Grenze zwischen Deutschland und Österreich bei Weißhaus ist nicht spürbar überquert, da muss man schon eine Entscheidung treffen. Nach Reute gibt es zwei Möglichkeiten, die Schnellstraße für eilige oder den langsameren Weg über die Dörfer. Da wir im Urlaub sind und nicht auf der Flucht genießen wir die langsamere Stecke auf der L 69.

Die Sonne scheint recht kräftig, und es beginnt warm zu werden in den Anzügen.

Hinter Reute schlängeln wir uns über langgezogene Kurven das Lechtal hinauf immer Richtung Arlberg. Am Fluss gibt es öfter Stellen wo man kurz halten kann, dem Wasser lauschen, Wellen zählen oder ein paar Steine versenken.

OK, man kann auch nur einen Kaffee trinken und den körpereigenen Südpol wieder durchbluten lassen.

Rechts und links gehen so namhafte wie schöne Wege ab. So zum Beispiel ins Tannheimer Tal, oder Richtung Namlos und natürlich das Highlight Hahntennjoch. Ein absolutes Muss für jeden, der hier Motorrad fährt. Dementsprechend ist es auch besucht, besonders an Wochenenden.

Bevor es den Arlberg hinauf geht, muss ich die Kuh erst einmal an die Tränke führen.

Ein Einheimischer aus dem österreichischen Bergvolk sagte mir mal, dass das Benzin hier extra stark ist, damit die Fahrzeuge besser die Berge hinauf kommen. Entweder lehnt der immer noch am Baum und hält sich den Bauch vor Lachen, weil er es dem Piefke gegeben hat, oder … nicht!

Das Panorama im Lechtal ist einmalig. Es ist Ende Mai. Rechts und links die Bergspitzen sind noch schneebedeckt. Die Wiesen strahlen in einem kräftigen grün. Dazu der berühmte weißblaue Himmel. Die Kuh trabt gemütlich über die geteerte Weide, und wir genießen den Moment.

Weiter geht es auf Warth zu. Inzwischen hat sich das Verhältnis Fluss zu Straße gewandelt. Am Anfang war der Lech breiter als die Straße, nun ist es umgekehrt.

An einigen Stellen kann man noch den Verlauf der alten Straße sehen, die erscheint so schmal, wenn sich da zwei Goldwinger begegnen, muss einer ausweichen.

In Warth biegen wir ab auf die L 200. Am Hochkrummbach liegt noch Schnee bis an die Straße. Also anhalten, Fotos machen, Schneebälle werfen, weiterfahren, Griffheizung an, Finger wieder aufwärmen. So ein Luxus. Das hatten wir damals nicht am Motorrad. Älterwerden lohnt sich doch!

Über sehr gut ausgebaute und langgezogene Serpentinen geht es wieder bergab. Ein herrliches Fahren. Kurven naschen, die Landschaft genießen. Gibt es schöneres?

Ja, doch, aber nicht sehr viel.

Im Tal der Bregenzer Ach wird es mal wieder Zeit für einen Koffeinkick.

An einem einladenden Lokal mit Parkplatz, Biergarten und freiem Blick auf die Berge machen wir halt.

Ein Cappuccino ist schnell bestellt und im noch warmen Zustand geliefert. Derweil gesellte sich auch noch ein Pärchen Motorradfahrer in das Lokal. Sie fuhr so was Chopper Ähnliches und er so einen Kurvenhetzer. Da sprudelte es aus meiner Frau heraus, „ Wenn man vorne auf dem Motorrad sitzt, sieht man viel mehr. Es gibt doch sehr viele Frauen die selber fahren“.

Hmm, selber fahren, Führerschein machen, eigenes Motorrad für sie, warum nicht!

Weiter geht es über Egg und Hitisau zum Riedbergpass.

Am Riedberg wurde der Teer an den richtigen Stellen verbaut. Die Straße ist ein „Schmankerl“ für Kurvennascher. Und damit es auch so bleibt ist dort eine gar schnuckelige Baustelle die einem den Schwung total raubt. So hatten wir auf dieser Tour auch unser Schotterabenteuer. Man kann ja mal Pech haben.

Dann eben hier nicht! Es ist ja noch das Oberjoch auf der Karte.

Inzwischen haben sich die Wolken am Himmel ziemlich addiert und es wird so wie so Zeit den Heimweg zu planen.

Die B 308 bei Hindelang ist eine optisch sehr schön in die Natur eingepasste Bergstraße zum Oberjochpass hinauf. Dort ist Überholverbot und es gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Km/h. Was auch von der Gardetruppe gerne überwacht wird. Eigentlich wird dieses Tempo in den engen Kurven von normalfahrenden Motorradfahrern nicht erreicht. Es sei denn, man rubbelt sich das profilierte Gummi gerne von den Felgen. Wer sportlich diese Straße fahren möchte, muss sich schon vorher den berganfahrenden Verkehr zurechtlegen.

Hinter einem Bus her zu fahren macht wenig Laune. Genauso hinter einem Touristen der die Strecke nicht kennt.

Ich habe Glück. Vor mir ein Einheimischer, der die Straße kennt wie ich meinen Tankinhalt.

Hinterher! Der Kollege in der überdachten Zündkerze scheint Zweiradblut zu haben. Es wurde mir nicht langweilig, und ihm sicher auch nicht. Als wir so einige Kurven bergan gewedelt waren, sah ich tropfenweise Feuchtigkeit auf meinem Visier. Ruck zuck war die Straße nass. Also, Ende der Hatz und schön vorsichtig mit wenig Schräglage weiter.

Ein paar Kurven später kam der absolute Gau in Form eines Reisebusses vor uns. Mit etwas über Umfallgeschwindigkeit, ohne jegliche Schräglage und im inzwischen strömenden Regen kriechen wir zum Oberjochpass hinauf. Es gibt wirklich noch eine Steigerung zum begossenen Pudel. Bei den uns entgegenkommenden Autofahrern konnte ich deutlich deren Zähne sehen. Dieses fiese Grinsen was bedeutet: ich sitze im Trockenen und die Motorradfahrer nicht.

So schnell weichen gute Motorradklamotten nicht durch, also weiter ins Tannheimer Tal.

Es hört auf zu Regnen. War nur ein kräftiger Schauer, ausgerechnet am Oberjoch!

Die Wetterpropheten nennen so etwas „Strichweise Regen“. Wieso ist der Strich immer bei uns?  

Wir fahren zum Haldensee, genießen den Blick auf den ruhig da liegenden See und schlürfen noch ein koffeinhaltiges Heißgetränk. Dann richten wir die Kuh auf Pfronten und danach auf Füssen aus.

Das war eine sehr schöne Tagestour. Für einen Wiedereinsteiger mit Sozia kein schlechter Ritt.

Beim Abendessen und einem ordentlichen Glas Weizenbier haben wir uns dann noch über die Sichtverhältnisse vorn auf dem Motorrad unterhalten.

 

Nachsatz:

Meine Lieblingssozia fährt inzwischen selber.  Sie hat den Führerschein gemacht und ist begeistert über den Panoramablick. Eines ist uns sonnenklar: diese Tour fahren wir noch mal, nur jeder auf seinem eigenen Motorrad.


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