Start mit dem Autozug nach Alessandria. Von dort die Cote tangierend zum Verdontal, über diverse Pässe entlang der italienisch-französischen Grenze und durch die Schweiz zurück nach Köln


Land / Region:
Italien, Frankreich, Schweiz, Deutschland / Seealpen

Charakter:
Straße

Länge:
2200

Reisezeit:
Juni - September



Am 1. August war es endlich soweit: bei schwülen 23°C starteten wir voll bepackt von Köln nach Düsseldorf zum Autozug-Terminal. Unser Zug nach Alessandria sollte um 17h losfahren, die Moped-Verladung war für 15:30-15:40h angesetzt. Aber hier klappte heute gar nichts. Da ein Teil des Zuges nach Narbonne fuhr und später in Frankfurt mit einem Zug aus Hamburg mit eben diesen 2 Zielen umgekoppelt wurde, war das eine logistische Herausforderung, der das Verladepersonal nicht wirklich gewachsen war. 1,5 Stunden später kletterten wir verschwitzt mit unseren Helmen, Tankrucksäcken und einer 30l-Tasche von dem hintersten Waggon auf den Bahnsteig und machten uns gefühlte 10 km auf den Weg zu unserem Abteil, das sich – Murphys Law – im ersten Waggon direkt hinter der Lok befand. Liebe DB: Ver-schattungen in der Wartezone und Gepäckkarren auf dem Bahnsteig wären echt nett! Mit 20 Minuten Verspätung ging die Reise dann los und lässt sich wie folgt zusammenfassen: angenehmer lassen sich 1.000 km Transfer mit dem Motorrad kaum überwinden, aber die Bahn hat Nachholbedarf: Ziehe ich die Moped-Kosten für 2x 1000 km und 2 Flugtickets von dem Fahrpreis ab, bleiben über 200€ für die Übernachtung mit Frühstück übrig. Für das Geld habe ich schon deutlich besser geschlafen und gegessen. Zudem war das freundliche Zugpersonal hoffnungslos überlastet, Abteilservice nicht möglich, Wartezeiten im total überfüllten Speisewagen lagen über 30 Minuten und warme Speisen wurden mangels Zeit erst gar nicht zubereitet.

Ausgeruht erreichten wir am nächsten Morgen Alessandria, wo der ganz normale Abladewahnsinn im Tempo italienischer Beschaulichkeit seinen Gang nahm. In Düsseldorf träumte ich noch von Gepäckkarren auf dem Bahnsteig, hier gab es gar keinen. Mit dem Tankrucksack bewaffnet mussten wir uns unter dem „Befehl“ einer wild in der Mittlersprache gestikulierenden hochhackigen Italienerin auf dem train an den cars vorbeihangeln, die Dank der logistischen Meisterleistung in D’dorf natürlich alle vor den Mopeds standen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Kratzer so an den Autos entstanden sind. Dann begann endlich unsere Tour: Alessandria schnell hinter uns lassend führte der Weg bergauf und -ab durch nicht enden wollende Weinberge köstlichster Trauben mit Namen wie Barolo, Nebiolo, Dolcetto oder Barbera nach Alba. Das Piemont ist schön und hat schöne Sträßchen, aber Temperatu-ren über 35°C waren kaum rollend zu ertragen. So fuhren wir entgegen der ursprünglichen Planung zügig an Cuneo vorbei durch den Tendetunnel nach Frankreich. Herrliche Kehren und guter Asphalt entschädigten für die Hitzeschlacht in der Ebene des Piemont und mit jedem gewonnenen Höhenmeter sank die Temperatur dankbar. Die Stadt Tende liegt gleich einem Krokant-Ei ganz bizarr auf einen Hügel geklatscht in diesem Tal, noch bizarrer ist die Streckenführung der Eisenbahn, die immer wieder um Hügel kreiselnd Höhe gewinnt oder verliert. Kurz nach Tende bogen wir rechts ab auf die wunderschöne D91 Richtung Mercantour-Nationalpark, die uns zu unserem auf 1.600 m liegenden http://www.hotelchamoisdor.net führte. Die Mopeds durften wir in der hauseigenen Garage abstellen. Tolles großes Zimmer, richtig lecker Essen, super Wein aus einer o.g. Traube – wir waren voll zufrieden und kommen wieder.

Am nächsten Tag ging es nach einem ausgiebigen Frühstück den Berg aus dem Sacktal wieder runter und auf der N204 Richtung Mittelmeer. Außerhalb der Saison ist die Abfahrt nach Ventimiglia sicher ein Genuss, bei uns reihten sich LKW, Gespanne und PKW wie auf der Perlenschnur gezogen aneinander und überholen war kaum möglich. In Breil-Sur-Roya fuhren wir deshalb auf die N2204 über den Col de Bruis und weiter auf der D2566 über den Castillionpass über wenig befahrene, wunderschöne und sehr gute Straßen nach Menton. An dieser Stelle sei neidvoll erwähnt, dass sich selbst die von uns in Frankreich befahrenen Nebenstraßen in einem Zustand befinden, von dem wir in Deutschland nur träumen können. Bis wir in Menton dann endlich das Meer sahen mussten wir uns in dem üblichen Verkehr erst in Geduld üben, während Roller und Mofas an uns vorbei waghalsig durch den Stau trieben. Von hier ging es an der Küste entlang des mit knusprigen Touristen belegten schmalen Strandstreifens nach Monaco. Geplant war die Umfahrung des Fürstentums über die D2564, aber ich verpasste den Abzweig und Monaco hatte uns in seinen Klauen. Bedingt durch die eng aneinander verlaufenden und mit wunderschönen Altbauten gesäumten Straßen verbunden mit den starken Steigungen spielte mein Garmin komplett verrückt und ich musste die gute alte Karte zücken, um aus diesem Labyrinth hinauszufinden. Endlich die Umfahrung erreicht wurden wir belohnt mit herrlichen Panoramen auf die weit unter uns liegende Küste und das Mittelmeer und landeten schließlich in Nizza. Diese Großstadt hat sicher einiges zu bieten. Viele Baustellen, Verkehr und die Hitze trieben uns jedoch in die Flucht und wir erreichten am Ende unserer kürzesten Etappe nach der längsten Fahrzeit St.-Paul-de-Vence. Liebhaber der Modernen Kunst müssen einen Besuch der Foundation Maeght, einem Museum mit einzigartigen Bildern und Skulpturen u.a. von Miro, Chagall und Giacometti, einplanen. Wir hatten bereits vor 2 Jahren das Vergnügen und zogen deshalb nach einer Dusche in unserem kleinen aber feinen Hotel http://www.hotel-marc-hely.com direkt in die bildschöne Altstadt St-Pauls mit seinen verwinkelten Gässchen. Künstler wie Picasso zahlten hier ehemals Kost & Logis mit Gemälden oder Skulpturen und bescherten so einigen Gastronomen ungeahnte Reichtümer. Heute müssen mangels Picasso & Co die Touris ran, was wir beim Zahlen der Restaurantrechnung schmerzhaft zu spüren bekamen.

Am nächsten Tag ging es nach dem petit dejeuner über Vence auf der D2 in die Provence. Das war einer der schönsten und facettenreichsten Abschnitte unserer Tour: Karge Hochebenen, grüne Täler und eine traumhafte Straßenführung entlang schroffer Hügelketten ließen uns vor lauter Glotzen häufig nur im „Schleichmodus“ über die einsame Straße rollen, obwohl diese durchaus eine zügige Fahrweise verdient hätte. Nach zig traumhaften km bogen wir für ein paar Meter kurz nach links auf die Route Napoleon, um diese dann Richtung Verdon-Tal sofort wieder zu verlassen. Nach etwa 2 km ging es auf tadellosem Asphalt der D52 rechts links rauf runter einsam über Chateauvieux und Jabron und auf der D90 an Trigance vorbei zu einer unserer Hauptattraktionen: Grand Canyon du Verdon - Whow, was für eine Kulisse! Nach einem kurzen Snack am ersten Aussichtspunkt führte uns der Weg über die angeblich höchste Brücke Europas (wenn nicht sogar Frankreichs), die einen Zufluss des Verdon in 182m Höhe überspannt. Mitten auf der etwa 100m langen Brücke erkannte ich näherkommend eine Menschentraube unter einem großen Sonnen-Pavillon. Ich dachte schon Maut zahlen zu müssen und wollte stoppen, als ich noch gerade aus dem Augenwinkel heraus einen Wahnsinnigen erkennen konnte, der sich unter aufbrausendem Gejohle der Menge vom Geländer in die Tiefe stürzte – Ich habe mich noch nie gerne auf Gummis verlassen und mir hat die später teilweise am Rand des ganz schön tiefen Abgrunds vorbeiführende Straße vollkommen gereicht, um Adrenalinschübe zu aktivieren. Jede Angst weggefegt hat dann aber der Anblick des Verdons und des sich plötzlich hinter einer Kurve weit unter uns öffnenden Lac de Sainte Croix. So eine türkise Farbe, verursacht durch Ton-Partikel im Wasser, habe ich selbst in der Karibik noch nicht gesehen – Atemberaubend! Über schöne Kehren schraubten wir uns bergab und fuhren schließlich über eine Brücke, unter der der Verdon in den Stausee mündet. Über 50 Tret- und Schlauchboote schipperten hier flankiert von den steil aus dem Wasser wachsenden Felsen auf dem Fluss entlang und ließen sich wieder in den Stausee treiben, Kinder sprangen von Felsen ins Wasser oder man lag einfach nur faul auf den Sandbänken in der Sonne. Schweren Herzens trennten wir uns von diesem Anblick und fuhren die letzten km zu unserem nächsten Ziel, dem Hotel http://www.bastide-moustiers.com. Nach Kontakt über die videogesicherte Einfahrt öffnete sich ein feudales Tor und wir folgten dem Weg an einem Hubschrauberlandeplatz vorbei zu dem Haupthaus des Geländes, einer restaurierten Hofanlage. Nach einem Hugo aufs Haus bezogen wir unser Zimmer für die nächsten 2 Tage, ließen abends beim Sterne-Menü die Eindrücke des Tages sacken und stellten fest, das ein Leben wie Gott in Frankreich in der Provence seinen Ursprung haben muss. Welches Motorrad er wohl fuhr?

Der mopedfreie Tag stand ganz im Zeichen von Moustiers-Sainte-Marie, einem traumhaft unterhalb einer Felsenkette gelegenen mittelalterlichen Bergdorf, das offiziell zu den schönsten Frankreichs zählt. Bereits im 5. Jahrhundert aus einem Kloster entstanden wurde es im Mittelalter bekannt durch seine Töpferkunst. Wir durchstreiften die Gassen, bestiegen die kleine Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir über den steilen Kreuzweg, genossen von dort den Blick auf den Lac de Sainte Croix, aßen in einer kleinen Schlucht, durch die ein Gebirgsbach das Dorf trennt, zu Abend und sanken mit den schönsten Träumen in die Kissen.

Am 6. Tag unserer Reise trieb uns die Wettervorhersage früh aus den Federn. Moustiers den Rücken kehrend machten wir uns über die D952 an der Ostseite des Verdontals entlang auf den Weg. Noch mal beeindruckte uns die Schlucht durch ihre schroffe Schönheit und führte uns später am Flussbett entlang bis nach Castellane, wo wir einen kurzen Imbiss einlegten. Eigentlich war der Col Allos geplant. Aber dunkle Wolken verdeckten die Berge und es begann leicht zu tröpfeln, weshalb wir den Weg über die N85 Richtung Gap einschlugen. Die Route Napoleon ist eine stark befahrene Straße, die aber an den meisten Stellen so übersichtlich ist, dass sich selbst in vielen Kurven und Kehren gefahrlos überholen lässt und wir nach dem „Gegurke“ der vergangen Tage die zügige Fahrweise durchaus genossen. An dieser Stelle sei die Motorradfreundlichkeit der französischen Autofahrer angemerkt, die immer Platz machten und häufig sogar Blinker setzten. Die einzigen 2 Autofahrer, die uns auf der ganzen Reise beim Überholen an- bzw. lichthupten, waren ein Deutscher und ein Holländer, pfui. In Digne-Les-Bains verließen wir die N85 rechts auf die D900. Diese Straße führte uns entlang des Mardaric durch ein Flusstal, dessen Schönheit atemberaubend ist. Unter Felsüberhängen windet sich die Straße um riesige Flussbettkiesel herum. Als der Zwang permanent für Photos anzuhalten lästig wurde ging es zügig weiter über eine Hochebene, von der sich plötzlich der Blick auf den majestätisch tief unter uns liegenden Lac de Serre-Poncon auftat. Nicht ganz so königlich war der gleichzeitig einsetzende Regen, der uns das einzige Mal zwang das wasserdichte Innenfutter anzulegen und uns die nächsten 20 km bis Barcelonette vor sich her trieb. Wir folgten der Empfehlung des Regenradars und verweilten für die nächsten 2,5 Stunden in einem Cafe im Zentrum. Als endlich der Himmel aufriss und die Bouler mit Ihren Kugeln den Marktplatz wieder in Beschlag nahmen, machten wir uns bei abtrocknender Straße auf den Weg zum Col de Vars. Und der war herrlich zu fahren. Herrlich war nach dem Pass auch die Aussicht von einem Parkplatz auf die unter uns liegende Ebene von Guilestre und der alten Fort-Anlage Risoul-Station, während sich die restlichen Wolken durch die Intensität der Sonne in Luft auflösten und den Blick frei gaben auf die dahinter liegenden schneebedeckten Berggipfel – was für ein Spektakel! Zügig ging es ins Tal zu unserer Herberge, wo wir leider eine herbe Überraschung erleben mussten: Wir hatten alle Übernachtungen im Voraus gebucht, hier war allerdings etwas schief gelaufen und man hatte kein Zimmer für uns. Was tun? Aus Angst mich bei allen folgenden Übernachtungen um einen Tag vertan zu haben blieb uns nichts anderes übrig als auf dem schnellsten Weg das nächste Ziel, Chalet su lago in Moncenisio, anzusteuern. Leider mussten wir deshalb den Col d Izoard schlabbern. Hinter dem schönen Briancon ging es über den stark befahrenen Col de Montegenevre nach Italien und wir erreichten nach einem kurzen Stück Autobahn Susa. Mein Navi zeigte noch 12 km bis zum Ziel und wir folgten einer Nebenstraße über Novalesa, um auf den 5 folgenden km in endlosen engsten Kehren (Gegenverkehr wäre hier nicht möglich gewesen) etwa 800 Höhenmeter zu gewinnen. Im Büchsenlicht angekommen stolperten wir gegen 20:40h endlich ins Hotel. Hier mussten wir jedoch erfahren, dass ich richtig gebucht hatte, wir entsprechend für den nächsten Tag eingeplant waren und – was auch sonst - kein Zimmer mehr frei sei. Sehr freundlich besorgte man uns ein Hotel in der Nähe. Einziger Wehrmutstropfen: wir mussten wieder den Berg runter nach Novalesa. Erschöpft stellten wir nach über 400km in der Dunkelheit unsere Mopeds im Hotel La Posta ab, was ohne Zweifel schon bessere Zeiten gesehen hat. Im großen Zimmer stand ein Federklappbett mit orange-blau-gestreiftem Bettzeug und nahezu überall entdeckten wir Stockflecken, was uns den Inhalt unserer bisher unangetasteten Flasche Sagrotan kostete. Die Familie des Betriebs war aber sehr freundlich und man hatte extra die Küche für uns offen gelassen. Nach einem Kotelett mit Pommes und viel Alkohol wurde alles erträglicher und wir rauschten unter dem Getöse eines durch das Tal fegenden Sturmes so schnell wie noch nie ins Reich der Träume.

Das Frühstück am nächsten Morgen war kaum der Rede wert (abgepacktes Mini-Zwieback und Marmelade), einzig der Kaffee war italienisch perfekt. Nach einem kurzen Abstecher ins überfüllte Susa nahmen wir Kurs Richtung Mont Cenis. Nach etwa 10 km knickt eine kleine Straße Richtung Moncenisio ab und führte uns am Rand des Berges, den wir tags zuvor über die engen Serpentinen rauf und wieder runter gefahren sind, zum http://www.chaletsullago.it. Eine wunderschöne Unterkunft direkt am See mit Blick ins Tal erwartete uns. Wir genossen den „gewonnenen“ Gammeltag, aßen am Abend eine perfekte Forelle aus hauseigener Zucht, tranken einen wunderbaren Barbera und fanden, dass Gott es auch mit Italien ganz gut gemeint hat.

Unsere Königsetappe sollte am nächsten Tag starten. Den Mont Cenis hatten wir ja schon zum Großteil erklommen, aber die abgemauerten Kehren, die alten Festungsanlagen, natürlich der höchste Stausee Europas und schließlich die Abfahrt waren sowohl fahrerisch als auch landschaftlich ein Gedicht. Durch diverse Wintersportorte ging es dann langsam wieder Höhe gewinnend zu dem (eigentlich) höchsten Alpenpass, dem Col de la Iseran. Unspektakulär erreichten wir eine erste Hochebene in Höhe der Baumgrenze, um uns entlang schroffer Felsen weiter bis zum Pass zu schrauben. Natürlich haben wir das obligatorische Photo von uns vor dem Passkreuz schießen lassen und sowohl die Aussicht als auch die Abfahrt nach Val D’ Isere waren nett, wir hatten aber Schöneres gefahren und gesehen. So z.B. unseren nächsten Pass. Eigentlich hatten wir die Klassiker Kleinen und Großen St. Bernhard auf dem Programm, aber ein Schweizer „alter Hase“ empfahl uns den anderen Weg um den Mont Blanc herum. Herzlichen Dank an dieser Stelle, der Roselend war ein Traum. Nach schier endlosen Mickey-Mouse-Kehren durch den Wald öffnete sich vor uns plötzlich eine grün-graue Mondlandschaft. Um kleine Bauerhäuser tummelten sich Fahrräder, Autos und Mopeds, deren Piloten sich auf den Terrassen im T-Shirt auf knapp 2000m über den Beau-fort-Käse, einer regionalen Köstlichkeit, in sämtlichen Variationen hermachten. Wir machten mit und genossen den Ausblick. Am schönen Lac Roseland vorbei zirkelten wir uns dann über eine tolle Straße den Berg runter (das wäre noch schöner gewesen, wenn der vor uns fahrende Italiener mit seiner neuen BMW-V6 nicht immer nur auf den Geraden Gas gegeben hätte) und bogen nach Norden ab, um bei der Anfahrt zum Col des Saisies ein großes Tal zu durchfahren, in dem es aussah wie im Voralpenland des Chiemgau, hätte nicht der Mont Blanc im Hintergrund sein eisbedecktes Haupt empor gestreckt. Über die N212 ging es im dichter werdenden Verkehr (wir waren echt nichts mehr gewohnt) ins L’ Avre-Tal nach Charmonix, wo wir uns im putzigen und liebevoll geführten http://www.lacremerieduglacier.com nach Zielbier und leckerem Abendessen mit Blick auf einen gigantischen Gletscher zur Nachtruhe betteten.

Moloch Charmonix: Hier endet der Mont-Blanc-Tunnel und ab 9h quillt der Transitverkehr aus der Röhre. Direkt am Ausgang befindet sich die einzige Tankstelle weit und breit, wir hatten ausgeschlafen und die Tanks waren trocken. Das kostete uns etwa 1 Stunde. Für die Zukunft: entwerder abends tanken oder morgens früher los. Je weiter wir uns von Charmonix entfernten, umso besser kamen wir voran und in der Schweiz hatten wir den schön zu fahrenden Col de la Forclaz fast für uns alleine. In einer der ersten Kehren der Abfahrt auf einem Parkplatz genossen wir eine Zigarettenlänge den Blick in das Rhonetal. Was von oben hübsch anmutete, war es unten dann nicht mehr. Wir besaßen (natürlich!) keine Vignette für die Autobahn. So gondelten wir etwa 80 km von einem Straßendorf durch das nächste und hielten uns wie alle anderen aus Angst vor drakonischen Strafen sklavisch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen (50, 60, 80, 60, 50, 60, 50, ...). Erst kurz nach Ende der parallel laufenden Autobahn mit Beginn der Furkastraße machte das Fahren wieder Spaß, hier mussten wir aber auch bald rechts ab zu unserem nächsten Ziel http://www.ofenhorn.ch. Der Weg nach Binn schlängelt sich durch ein Seitental der Rhone schmal am Berg entlang. Nach einer scharfen Links führt er urplötzlich in einen ca. 3 km langen schnurgeraden Tunnel oder besser: Feuchtgrotte - mit dem Auto hätte der Scheibenwischer die ganze Durchfahrt auf Intervall gestanden - und mündet direkt in Binn, dessen Kulisse durch unser Hotel beherrscht wird. Tatsächlich wurde dies vor über 150 Jahren für englische Gäste gebaut, ging vor kurzem in das Eigentum einer Genossenschaft über und wurde mit sehr viel Aufwand liebevoll restauriert. Der Service der Genossen war allerdings nicht wirklich hotelgerecht. Ein paar Floskeln wie „Herzlich willkommen“, „Gute Nacht“, Guten Morgen“, „Hatten sie einen schönen Aufenthalt?“ oder einfach nur „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ müssten noch einstudiert, verinnerlicht und der Service-Blick geschult werden. Ansonsten hatte dieser Ort am Ende der Welt schon ziemliches Alm-Flair und dadurch seinen Reiz, zumindest ich verstehe die Engländer.

Unser letzter „Pässe-Tag“ brach an und uns fehlte die rechte Lust. Geplant waren Nufen, alter Gotthard und Susten. Wir entschieden uns kurzerhand für die Abkürzung Grimsel, die wir nicht bereuten. Die Anfahrt über die Furkastraße ist fahrerisch ein Gedicht und es ließ sich immer wieder gut überholen. So auch eine Kolonne von 6 Trupps mit jeweils einem Duzend Gebirgsjägern an Bord, die ein derartiges Tempo an den Tag legten, dass wir und die Jungs jede Menge Spaß hatten. Auch der Grimselpass war toll zu fahren mit seinen großzügigen schön abgemauerten Kehren, LKWs und Busse leichte Beute auf den Geraden dazwischen. Auf dem Pass selbst ging es zu wie auf Schloss Neuschwanstein, so dass wir schnell die Flucht ergriffen bis zur nächsten Kurve, nach der uns ein imposantes Panorama in die Bremsen zwang: Zwei übereinanderliegende Stauseen lagen milchig grün unter uns und die Berge drum herum hatten die Farbe wie ein englischer Schimmelkäse – was für ein einzigartiger Anblick! Genug geglotzt ging es runter ins Tal durch Meiringen und über den Brünnigpass Richtung Vierwaldstättersee nach Flüeli, unserem letzten Ziel in den Alpen, an dem wir 2 Tage verweilten.

Beim Buchen unseres Hotels http://www.paxmontana.ch war ich mir der Bedeutung dieses Ortes nicht bewusst gewesen. Flüeli liegt am Jakobsweg und der heilige Bruder Klaus, der u.a. für das Nichtauseinanderbrechen der Schweizer Kantone verantwortlich gemacht und verehrt wird, hat dort gelebt und dominiert das Geschehen. Christliche Jugendgruppen, Ordensschwestern und Pilger machten die Mehrzahl der Hotelgäste aus, der Rest bestand aus solventen Asiaten. Auch wir pilgerten an unserem „freien“ Tag ein Stück entlang des Ranft und gaben uns den Rest des Tages ohne Buße der Muße hin.

Früh brachen wir am nächsten Morgen vorbei am Vierwaldstättersee Richtung Heimat auf und genossen das gute Gefühl beim Überqueren des Rheins. Da wir in der Nähe Freiburgs im wirklich empfehlenswerten http://www.goldener-Adler-oberried.de gebucht hatten, war natürlich ein kurzer Abstecher Schauinsland Pflicht. Wir trafen auf die alte ADAC-Bergrennstrecke auf etwas mehr als halber Höhe und zirkelten die herrlichen Kurven ins Tal, aber irgendetwas stimmte nicht: Wir sahen kein einziges Moped. So langsam dämmerte es uns: wir hatten anscheinend Sonntag, und da ist diese Straße für Mopeds gesperrt. Was tun? Der Umweg über Freiburg wäre groß gewesen und 15 Minuten Karusselfahren auf der Kirmes kosten auch 15€ (das ist der zumindest mir bekannte Kurs für ein solches Vergehen). Also stürzten wir uns nahezu ohne Verkehr mit einem breiten Grinsen den Berg wieder rauf und erreichten glücklich ohne Stopp durch „Wegelagerer“ in Oberried unsere schöne Unterkunft, wo wir bei „Wine & Dine“ einen herrlichen Abend verbrachten.

Unter Mitnahme vieler „grüner“ Straßen ging es durch den Schwarzwald auf den Heimweg. Wir übernachteten noch im herrschaftlichen http://www.schlosseberstein.com mitten in den Weinbergen oberhalb von Gernsbach und nach Durchqueren der strukturschwachen Pfalz im immer wieder gerne besuchten http://www.weinromantikhotel.de an der Mosel, um nach zwei Wochen und knapp 2.500 km tiefenentspannt und durch traumhafte Eindrücke berauscht „endlich“ wieder zu Hause anzukommen.

Text und Tourplanung: Volker Schütte
Bilder: Sandra & Volker Schütte


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