Sep 162014
 

Ende August, unsere Reisezeit.

Nach Dolomiten, Toskana, Oberitalienischen Seen, Lago Maggiore und zuletzt Ligurien und Cinque Terre, sollen es nun die Abruzzen, das wilde Herz Italiens, sein. Wälder, Bergmassive und mit die schönsten Strände der Adria.

Noch nicht überall voll touristisch erschlossen, bietet die Mitte


Land / Region:
Italien / Abruzzen

Charakter:
Straße / oft schlechter Zustand

Länge:
240

Reisezeit:
Mai-Oktober



... Italiens grandiose Aussichten - es ist aber auch ein etwas anderes Stück Italien.

Wir hatten uns bei Collecorvino ein Appartement auf einem Olivengut angemietet. Nette Wohnung, kleiner Pool und sozusagen mittendrin. Bis zur Adria nur 30 Km, bis in die Berge auch nur etwas mehr. Der kleine Ort liegt zwischen den Nationalparks Gran Sasso de Monti della Laga, Majella und d'Abruzzo.

Dass es so mittendrin für den "Normal-Touristen“ noch nicht ganz so komfortabel ist, merkt man spätestens dann, wenn man die obligatorische Eisdiele oder Pizzeria sucht. Dünn gesät sind diese Lokale. Wenn man dann schon mal an einem vorbeikommt, ist es entweder grade keine Zeit für Pizza, denn der Ofen wird in Italien ja im Normalfall erst am Abend angefeuert, oder es ist zu früh für die Gelateria, obwohl für ein Eis in Italien immer Zeit sein sollte.

Angeboten wird sehr oft in Rosticcerien oder Tavola Calda's (so ein Mittelding zwischen Garküche und Imbiss) das abbruzzesische Nationalgericht Arrosticini.

Das sind kleine Fleischspieße vom Lamm mit Speck. Also das was wir probiert haben, war wohl ein etwas älteres Tier … wir waren davon nicht so begeistert, aber wer´s mag … Kosten pro Stück ab 70 Cent aufwärts und werden meist in so ab 10 Stück verkauft.

Von Schafhirten wird auch schon mal am Straßenrand eine andere Spezialität der Abruzzen angeboten: der Pecorino. Das ist ein würziger Schafkäse. Lecker! Und für die Freunde der süßen Sachen: Unbedingt probieren sollte man dann den Pan del´Orso (Bärenbrot - Kuchen mit Mandeln und Honig dick mit Schokolade überzogen). Und für den Abend auf der Terrasse den  Montepulciano d'Abruzzo, einen leckeren Rotwein. Direkt beim Weingut gekauft.

Die Strassen sind überwiegend von einer Art, die im Navi als kurvenreiche Strecke angeboten wird. Leider sind sie aber auch oft in einem Zustand, der im gleichen Navi durchaus als "unbefestigte Strasse" durchgehen könnte, wenn diese nicht zwischen den Bodenwellen, Schlaglöchern und Abrissen von mehr oder weniger Asphalt durchbrochen würden. Über diese fährt man zwischen Ortschaften, deren Häuser sich eng auf Bergrücken oder Hängen aneinander schmiegen

Auf der Anfahrt zum Campo Imperatore, aus Richtung Penne / Farindola kommend, musste es der Rücken der Sozia und das Federbein der Suzuki oft schmerzhaft erfahren. Aufsetzen funktioniert problemlos. Aber dafür wird man oben auf dem Campo Imperatore mit einem überwältigenden Anblick belohnt. Eine anscheinend unendliche Fläche erstreckt sich vor den höchsten Bergen des Apennin. Ohne Fahrbahnbegrenzungen und Markierungsstöcke die dort stehen, würde man durchaus an Hochebenen in Tibet erinnert oder an die weiten Flächen in Feuerland.

Hier oben trifft man neben Wohnmobilen und Radfahrern auch den Pastore Abruzzese, einen riesigen Hütehund, der zum Schutz vor Wölfen mit Schaf- und Kuhherden zieht. Meist sind gleich mehrere von diesen Aufpassern bei der Herde und da die Tiere alle freilaufen, kann es durchaus sein, dass diese einfach mal auf der Strasse stehen.

Oben auf dem Campo Imperatore ist auch noch das Hotel, in dem die Italiener ihren Duce mal zwangsweise untergebracht hatten, bis deutsche Fallschirmjäger ihn dort "befreiten" - aber das nur am Rande. In einem Refugio kurz unterhalb des Gipfelplateaus kann man sich mit Verpflegung eindecken und dann zum Beispiel seine Arrosticini draußen selber grillen.

Sehenswert ist auch das Örtchen Castel del Monte (hier wurde The American gedreht) - nicht zu verwechseln mit dem Castel del Monte in Apulien - sowie Rocca Calascio mit den Resten einer der ältesten Burganlagen in den Abruzzen. Wenn man den Ort betritt, kann man sich nicht vorstellen, dass dort noch Menschen wohnen könnten oder man gar ein Restaurant vorfinden könnte. Gleich neben der schon gut verfallenen Burganlage liegt einfach tollen Landschaft und Lage, eine der schönsten Kirchen des Landes.

Am Rande des Gran Sasso liegt L'Aquila, die Stadt, die, neben anderen Orten im Umkreis, auch vom Erdbeben 2009 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und obwohl nun schon einige Jahre ins Land gezogen sind, gibt es immer noch die Zona Rossa, Straßenzüge, die nicht betreten werden dürfen. Eingerüstet und abgestützt scheinen viele Gebäude einfach vergessen worden zu sein.

Doch auch inmitten dieses Chaos geht das Leben irgendwie weiter und so haben wir  zwischen den Ruinen und Baustellenabsperrungen auch improvisiertes Kino und Restaurants entdeckt.

Aber schlimm zu sehen, dass anscheinend viele Gelder, die dringend für den Wiederaufbau oder die Erhaltung der einst prachtvollen Altstadt gebraucht würden, nicht angekommen sind …

Wer hübsche Altstädte mag, der sollte sich dann aber unbedingt auch Civitella del Tronto mit seinen kleinen Gassen anschauen. Das über allem trohnende Fortezza Spagnola konnten wir leider nicht mehr besichtigen, da wir einfach zu lange im Ort umhergeschlendert sind. Auf dem Weg dorthin kann man in Teramo, am Platz vor der Cattedrale (Piazza Ercole Vincenco Orsini) abhalten um ein Eis zu genießen. Dazwischen lohnt dann auch ein Abstecher nach Campli, netter kleiner Ort, mit einem Centro storico aus der Renaissance, und in einer der Kirchen die Heilige Treppe (Scala Santa), diese wird auf Knien emporgegangen.

Raus aus den Bergen und runter zur Küste, durch die Anbaugebiete für Olivenöl und Wein, geht es zur Adria. Das sind laut Reiseführer fast 130 km Strände zwischen Pescara und Ancona. Hier gibt es fast alles, was das maritime Herz erfreut – übrigens auch Pizzerien und Eisdielen. Von Hotelburgen und typischen Badeorten, bis hin zu tatsächlich noch freien Stränden fürs Volk. Wir selber haben den Strand in einem Bagno / Strandbad in Pineto ausprobiert. Für 15 Euro gibt es zwei Liegen oder Liegestühle und einen Sonnenschirm. Strände, die zudem mit blauen Flaggen gekennzeichnet sind, haben eine gute Wasserqualität. Hier trifft man auch auf die anscheinend „obligatorischen“ Verkäufer am Strand, doch ein einfaches „no crazie“ reicht immer aus und sie ziehen weiter.

Da wir zu der Zeit dort waren, in der Italien schon fast mit den Ferien durch ist, war es auch schön ruhig. An den Wochenenden ist es jedoch voll, denn dann geht der Italiener ans Wasser -  nun ja, zum Teil auch ins Wasser. Die ganze Familie - und wirklich die ganze Familie - macht dann bella Figura im Bagno und wie immer und überall dabei: das Cellulare (Handy) … Was hat der Italiener überhaupt gemacht, als es noch kein Handy gab? Keine Ahnung, aber ihn dabei zu beobachten, wie er beim telefonieren die Hände einsetzt, als stünde sein Gesprächspartner gleich gegenüber, das ist auch ein Teil von dem, was dieses Land so attraktiv für uns macht. Lebensfreude pur.

Als Karte für das Gebiet empfiehlt sich die Michelin 361/Abruzzen-Molise und als Reiseführer der Abruzzen Reiseführer vom MM Verlag.

Unterkünfte:

Selbstversorger / Appartment in der Villa Elster (Contrada Valle Lupo – Collecorvoino). Über Casamundo zu buchen, oder aber selber dort anfragen. Wir konnten dort gute Konditionen aushandeln.

Hotel:
Zwar nur dort gegessen, das aber das sehr lecker und mit einer freundlichen Bedienung. La Bilancia an der SP 4 kurz vor Passo Cordone. Contrada Palazzo, 11Loreto Aprutino.

 Fragen zur Region oder Unterkunft, einfach melden.


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