Seit die Rosamunde Pilcher Filme im Fernsehen laufen, zieht es viele Deutsche nach Cornwall. Ist Südengland wirklich so schön, wie es in den Filmen immer zu sehen ist? Auch wir wollen es wissen und haben uns entschlossen, in diesem Jahr Südengland und Cornwall mit dem Motorrad zu erkunden, von Dover bis Land’s End und


Land / Region:
England / Südengland Devon Cornwall Somerset Dorset

Charakter:
Straße

Länge:
alle Routen zusammen circa 2000 Km

Reisezeit:
Juni



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Vorwort:
Da ein kompletter Bericht der Reise zu lang wäre beschränken wir uns auf die wesentlichen Punkte unserer Tour.  Zum besseren Verständnis fügen wir Filmausschnitte aus unserer Videoreportage diesem Bericht bei. 
Möchtest Du den Blockbuster sehen, dann klicke hier: → Südengland 

Um sich vorzustellen, wohin die Reise geht, lade Dir am besten die Routen herunter, importiere sie ins BaseCamp und schon hast Du den genauen Routenverlauf vor Augen.
Noch ein Hinweis: Wenn Du die POI's doppelt anklickst und dann auf den Reiter "Hinweise" gehst, findest Du i.d.R. eine Kurzbeschreibung des POI's und einen Web-Link.
Falls Du die Touren nachfahren möchtest, können wir Dir noch "Mini-Roadbooks" zur Verfügung stellen. Es besteht für jede Route aus zwei Seiten.
Siehe hier: → Roadbook Seite 1 
und → Roadbook Seite 2

Alle Unterkünfte haben wir circa 6 Monate vorher gebucht. Man fährt hier durch die "englische Riviera", die bei den Briten sehr beliebt ist. In einigen Orten, die wir ursprünglich ausgesucht hatten, waren schon keine Zimmer mehr zu bekommen.
Die Fährtickets sollten ebenfalls sehr früh geordert werden, denn je näher der Überfahrtstermin rückt, desto teurer werden die Tickets. Als ADAC Mitglied, direkt beim ADAC buchen, das spart schon mal 10%. Britische £ tauscht man am besten in England, indem man mit seiner Kreditkarte (mit PIN) das Geld am Geldautomaten holt. Die Kreditkarte hat gegenüber der EC-Karte den Vorteil der geringeren Gebühren und der Kurs ist auch besser.

Und nun der Bericht:
Wir lenken unsere Maschinen zunächst nach Calais und übernachten dort im Hotel De La Plage.
Nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum Fähranleger. Wir benötigen für die Strecke knapp 10 Minuten. Es ist Montagmorgen und noch nicht viel los. Unsere Motorräder dürfen vor allen Autos auf das Schiff der P&O Ferries rollen. Gurte zum Sichern der Maschinen gibt es auch. Alles ist schnell erledigt und wir können es uns an Bord bequem machen. Schon nach kurzer Zeit tauchen in der Ferne die „White Cliffs of Dover“ auf.  Nach 90 Minuten Fahrtzeit ist das englische Eiland erreicht und die Ausschiffung kann beginnen. Im Hafen von Dover sind mehrere Schiffe angekommen und von überall her drängen sich die Lkws auf unsere Fahrspur. Zudem scheint der Hafen eine einzige Baustelle zu sein, so dass man nicht mehr weiß, wo man eigentlich fahren soll. Wir verlassen uns auf das Auto vor uns und folgen so der Schlange bis zu der Straße, die uns aus dem Hafen und aus Dover herausführt. Achtung: von jetzt an heißt es „links fahren“. 

Unser heutiges Tagesziel ist Worthing an der Küste von West Sussex. Von Dover aus fahren wir immer an der Küste entlang nach Westen. Über Folkstone mit dem Eurotunnel, Hastings, den beliebten Badeort und viele kleine Küstenorte kommen wir nach Eastbourne, einem beliebten Bade-ort am Ärmelkanal. Nicht weit von Eastbourne entfernt, liegt Beachy Head. Der Kreidefelsen, Teil der South Downs, ist mit 162 m über dem Meeresspiegel der höchste in Großbritannien. Weiter entlang der Küste durch verschiedene kleine Badeorte und das berühmte Seebad Brighton erreichen wir am Nachmittag unser heutiges Ziel, den Badeort Worthing. Hier haben wir Zimmer im Hotel The Grand Victorian gebucht. Das Haus jedenfalls sieht gut aus. Es ist eine Villa im viktorianischen Stil aus dem späten 19. Jahrhundert. 
Unser heutiges Ziel heißt Dorchester. Aber bis dahin liegt noch ein hoffentlich schöner Tag mit vielen neuen Eindrücken vor uns. Wir verlassen die Küste und wenden uns heute dem Landesinneren zu. Enge unübersichtliche Straßen, die zu beiden Seiten mit Feldsteinmauern eingefasst sind und auf denen sich nicht zwei Autos begegnen können, führen durch malerische Dörfer und kleine Städtchen und immer wieder durch eine atemberaubende hügelige Landschaft. Wir erfahren, dass die Engländer rücksichtsvolle Autofahrer sind und uns immer den Vortritt lassen. Wenn wir Ihnen an einer engen Stelle begegnen, halten sie an oder fahren auch zurück zur letzten Ausweichstelle. Die vorchristlichen Steinkreise von Avebury und Stonehenge stehen heute auf unserem Programm, aber zunächst machen wir einen Abstecher nach Midhurst zu den Ruinen von Cowdray House, einst eines der wichtigsten frühen Tudor Häuser Englands.
Schon bevor wir Avebury erreichen, reihen sich die Megalithen der vorchristlichen Steinkreise auf den Feldern neben der Straße aneinander und begleiten uns bis in den Ort. Das Dorf Avebury liegt in der Grafschaft Wiltshire östlich von Bath.  Im Gegensatz zu Stonehenge, das teuer vermarktet wird, kann man die Steinkreise von Avebury, die größten prähistorischen Steinkreise der Welt, kostenlos besichtigen und auch noch mit den Megalithen auf Tuchfühlung gehen. Keine Zäune behindern dies, sogar ein Picknick ist auf der Wiese zwischen den Steinen möglich, wenn man denn möchte. Zudem ist Avebury ein sehenswertes Dorf, das noch nicht von Touristen überlaufen ist. 
Von hier sind es nur ca. 40 km bis StoneHenge. Schon von weitem sehen wir die Menschenmassen aus aller Welt, die hier mit Bussen und Autos anreisen. Das große Empfangsgebäude mit mehreren Kassen, Café, Toiletten und Souvenirshop sticht sofort ins Auge, von Stonehenge aber keine Spur. Ohne Zahlung des Eintrittspreises von ₤ 17,50 kann man nicht einmal aus der Ferne einen Blick darauf werfen. 
Bis Dorchester sind es noch 80 Km, wir erreichen die Stadt und unser erstes Bed & Breakfast „BayTree House“ am späten Nachmittag.

Gut gestärkt starten wir unsere Tour, die uns auch heute wieder durch wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften führt und interessante Besichtigungspunkte für uns bereithält. Wie gestern schon,  touren wir auch heute durch das Landesinnere. Nach ca. 60 km erreichen wir Glastonbury, eine Kleinstadt in Somerset mit nur 8.800 Einwohnern. Aufgrund der sich hier befindenden Ruinen von Glastonbury Abbey und der Mythen und Legenden um den Hügel Glastonbury Tor erhebt der Ort Anspruch, das sagenhafte Avalon zu sein. 
Dann machen wir uns auf den Weg nach Wells und besichtigen die Kathedrale. Eine gute halbe Stunde später erreichen wir Shaftesbury, einen kleinen Marktflecken in Dorset, aber dieser kleine Ort birgt eine kleine Sensation. Den „Gold Hill“. Nach ein paar Schritten eröffnet sich uns ein fantastischer Ausblick, der als einer der romantischsten Sehenswürdigkeiten Englands beschrieben wurde. Gold Hill ist eine enge, steile Straße mit Kopfsteinpflaster, an einer Seite flankiert von alten Cottages. Von hier oben haben wir eine wunderbare Aussicht auf das Blackmore Tal. Dann geht es weiter zum Cerne Gigant, einem riesenhaften Scharrbild. Der Cerne Abbas Giant ist ein durch Freilegen einer Kalkschicht in den Boden gegrabenes Bild eines Mannes. Der Riese ist 55 m groß, hält eine Keule in der rechten Hand. Sein Phallus ist 7 m lang.

Von Dorchester aus fahren wir wieder in Richtung Küste. Blauer Himmel, grüne Wiesen, ein blaues Meer und immer wieder malerische, typisch englische Dörfer – Rosamunde Pilcher lässt grüßen. Steigungen und Gefälle von über 20 % sind keine Seltenheit und immer wieder eröffnen sich uns fantastische Panoramen. Über kleine Küstenorte, wie Portesham, Chideock und Beer nähern wir uns nach ca. 65 km Branscombe Beach. Am langen Kiesstrand unterhalb des malerischen Dorfes Branscombe soll es ein Café geben, wo wir eine kleine Pause einlegen wollen. Der Weg dorthin ist jedoch etwas abenteuerlich. Die Straße ist schmal und hat ein Gefälle bis zu 30 %. Es gibt einen Parkplatz und bis zum Sea Shanty Beach Café sind es nur ein paar Schritte. Bei diesem schönen Wetter suchen wir uns einen Platz vor dem Café und fantastischem Blick über den Strand. Wir würden gern noch länger an diesem schönen Ort verweilen, aber wir müssen weiter, denn unser heutiges Endziel heißt Dartmouth und das ist noch über 100 km entfernt.  Dann geht es weiter nach Bixham. Im Hafen der kleinen Stadt Brixham im Südwesten Englands erwartet uns Sir Francis Drake persönlich auf seiner „Golden Hinde“, mit der er, vielleicht sogar im Auftrag ihrer Majestät Königin Elisabeth I.,  zahlreiche Kaperfahrten unternahm. Das heutige Schiff ist nur ein Nachbau und Sir Francis Drake ein Museumsangestellter, der allenfalls zahlungskräftige Touristen für eine Besichtigung kapert. Bis nach Dartmouth ist es nicht mehr weit und schon bald wird unsere Fahrt je gestoppt. Um die Seite von Dartmouth zu erreichen, auf der unser nächstes Bed & Breakfast liegt, müssen wir die kleine Fähre nehmen, auf die wir jetzt warten. Auch diese Überfahrt ist kostenlos und dauert nur ein paar Minuten. 

Am nächsten Morgen erwartet uns in  der großen Küche dann das Frühstück. Alle Gäste sitzen um einen großen Tisch herum, der reich gedeckt ist. Am anderen Ende der Küche werkeln Justine und ihr Mann Roger und bereiten das warme Frühstück für jeden Gast nach Wunsch frisch zu. Gut gestärkt geht es auf unsere heutige Tour. Wir wollen das bekannte Dartmoor erkunden.
Schon nach 30 Minuten erreichen wir unser erstes Ziel, Buckfast Abbey. Die Benediktinerabtei ist ein noch aktives Kloster. 2018 wird man hier das 1000jährige Bestehen feiern. Nach der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII im Jahre 1539 zerfiel das Kloster und bestand nur noch aus Ruinen, bis sich 1882 hier eine Gruppe aus Frankreich verbannter Benediktiner Mönche niederließ. Dreißig Jahre lang bauten nur 4 bis 6 Mönche mit ihrer Hände Arbeit die Abteikirche wieder auf.
Das berühmt, berüchtigte Dartmoor, das in vielen Krimis und Gruselfilmen eine Rolle spielt, ist eine Hügellandschaft auf einem etwa 954 qkm großen Granitmassiv in der englischen Grafschaft Devon, dessen vornehmlich Moor und Heide tragenden Verebnungsflächen von einer Vielzahl sogenannter Tors überragt werden. Durch diese beeindruckende Landschaft, die Steigungen und Gefälle über 20 %, Kurven ohne Ende aufweist und immer wieder gigantische Ausblicke bietet, erreichen wir mitten in der Einsamkeit des Nationalparks die Powder Mills Pottery, eine Töpferei, die in den Granitsteingebäuden einer ehemaligen Schießpulverfabrik aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Hier kann man den Töpfern bei der Arbeit zuschauen, etwas Getöpfertes für zuhause kaufen oder, wie wir, einfach bei einem Pott Kaffee und „Trudy`s Homemade Cake of the Day“, Trudys hausgemachtem Kuchen, bei sonnigem Wetter die Landschaft genießen.
Wir machen einen Abstecher zum Miniature Pony Centre in Newton Abbot und erhaschen einen Blick auf die Minipferde, die auf der Weide grasen. Vorbei am Castle Drogo, dessen Bau erst 1910 begann und 1930 in Folge von Geldmangel erst einmal gestoppt wurde, fahren wir weiter in Richtung Lydford Castle. Da das Dorf so klein ist, fahren wir zuerst an der Burg vorbei und müssen wieder umdrehen. Gegenüber des Castle Inn, einem traditionellen Gasthaus aus dem 16. Jhd, finden wir einen Parkplatz für unsere Maschinen. Es sind so gut wie keine Touristen hier und in der Burg sind wir sogar alleine. Die Burg in Form eines Turmes mit mehr als 3 Meter dicken Mauern hatte wahrscheinlich mindestens zwei Stockwerke, sie wurde 1195 erbaut und diente vermutlich als Gefängnis. Heute gehört die Anlage zum English Heritage und ist Besuchern frei zugänglich und kostenlos. In aller Ruhe können wir uns umsehen.

Nach einem wieder einmal leckeren Frühstück brechen wir auf zu unserem nächsten Ziel immer gen Westen. Heute werden wir Cornwall erreichen und sind gespannt, was uns hier erwartet. Hat Rosamunde Pilcher Recht?? Um Dartmouth in westlicher Richtung zu verlassen müssen wir wieder eine sehr steile Straße hinauf. Dann führt der Weg immer wieder an der Küste entlang mit fantastischen Ausblicken. Bald schon liegt Plymouth vor uns. Wir wählen  für die Überquerung des River Tamar die Tamar Brigde. Diese Hängebrücke wurde 1959-1961 erbaut und verbindet die Städte Plymouth in Devon mit Saltash in Cornwall. Die Gesamtlänge beträgt 563 m. Für Autos fällt eine Gebühr an, Motorräder fahren kostenlos. In der Mitte der Brücke weist uns ein Schild darauf hin, dass wir nun die Grenze zu Cornwall überschritten haben. Parallel zur Tamar Bridge verläuft die alte Royal Albert Bridge, die 1853 bis 1859 erbaut wurde und heute die Eisenbahn über den River Tamar bringt. Cornwall empfängt uns mit Wolken, die Sonne macht sich rar. Auch die Landschaft ist nicht mehr so abwechslungsreich wie bisher. Die Straßen sind breiter, nicht mehr so idyllisch und die Gegend ist flacher. Wir sind ein wenig enttäuscht. Das ist kein Rosamunde Pilcher Feeling!! Dieses ergreift uns erst wieder, als wir abbiegen und die schmale Straße bergab zum Hafenstädtchen Looe entlang fahren. Auch wenn die Sonne nicht scheint und es so aussieht, als ob es jeden Moment regnen wollte, zieht uns dieser malerische Ort in seinen Bann. Looe ist ein besonders bei Familien beliebter Ferienort im Südosten von Cornwall. Er hat rund 5000 Einwohner und besteht aus zwei Ortsteilen, Ost- und West Looe, verbunden durch eine siebenbogige Steinbrücke aus viktorianischer Zeit. Ost-Looe ist das Touristenzentrum mit engen Straßen, die von Läden, Cafés und Pubs gesäumt werden und die zum Hauptstrand führen. Wir kehren zu unseren Maschinen zurück und setzen unseren Weg fort. Unser heutiges Ziel, das Mandalay Hotel im kleinen Fischerort Mevagissey, erreichen wir schon am frühen Nachmittag. Eine kurze, steile Auffahrt führt uns zu dem kleinen Parkplatz vor dem Hotel. Wir trinken noch einen Kaffee, bringen unsere Sachen auf die Zimmer und wollen dann, da es noch früh am Nachmittag ist, zu den Lost Gardens of Heligan, die sich nur 4 km von unserem Hotel entfernt befinden. Es ist warm geworden und die Sonne ist auch wieder da. Die schriftlich dokumentierte Geschichte Heligans reicht zurück bis ins 12. Jhd. Zweimal wechselte das Anwesen den Besitzer, bis es in der Tudorzeit in den Besitz der Familie Tremayne kam, die es über 400 Jahre lang bewirtschaften ließ. Die Lost Gardens of Heligan sind über 300.000 Besuchern im Jahr der meistbesuchte Garten Englands. Eigentlich besteht Heligan aber aus mehreren Gärten: Es gibt einen Ziergarten, einen Nutzgarten, den Dschungel und das Verlorene Tal. Wir wollen zuerst den Dschungel erforschen und fühlen uns hier wie in das Amazonasgebiet versetzt. Es gibt schmale Wege durch den Dschungel, eine Hängebrücke über künstlich angelegte Flussläufe und Riesenrhabarber, der so groß ist, dass ich mich bequem darunter stellen kann. Der bot. Name ist Gunnera manicata, auch Mammutblatt oder Chile-Rhabarber genannt. Auf diesem riesigen Gelände kann man sicher einen ganzen Tag verbringen, ohne wirklich alles gesehen zu haben. Soviel gibt es hier zu sehen, man bräuchte nur leichtere Kleidung bei diesem Wetter.............. Am späten Nachmittag sind wir so geschlaucht, dass wir beschließen, nach Mevagissey zurück zu fahren.

Heute ist Sonntag und es stehen wieder einige sehenswerte Punkte auf unserem Programm. Während der Fahrt zum Lizard Point müssen wir wieder feststellen, dass die Landschaft in Cornwall abseits der Küsten doch etwas eintönig ist. Das haben wir uns doch etwas anders vorgestellt. Doch dann fahren wir einen schmalen Weg hinunter bis an die Steilküste von Lizard Point. Der freundliche Parkwächter dirigiert uns sofort auf die Seite und bittet uns, dort stehen zu bleiben. So nehmen wir den Autos keinen Parkraum weg und er hat die Maschinen im Blick. Einmal mehr erfahren wir die Freundlichkeit der Engländer.  Lizard Point ist der südlichste Punkt Englands und markiert gleichzeitig die nördliche Einfahrt in den Ärmelkanal. An der Spitze ragt das Lizard Lighthouse empor, zwei Leuchttürme, von denen heute nur noch einer in Betrieb ist. Ein schmaler Pfad führt an der Steilküste entlang bis an das andere Ende, wo sich natürlich auch ein Café befindet. Es ist fast Mittag und eine Kleinigkeit zu essen wäre nicht schlecht. Auf der kleinen Terrasse mit Blick auf das Meer finden wir noch einen Tisch. Wir bestellen uns ein  Sandwich und genießen die Aussicht. Mit etwas Glück erfahren wir, dass man (ein Fernglas wäre nicht schlecht) hier auch Wale und Delphine beobachten können.
Frisch gestärkt steigen wir wieder zu unseren Maschinen empor. Unser nächstes Ziel ist St. Michael‘s Mount. Die Wolken kehren zurück und die Sonne macht Pause. Es ist Sonntag und im kleinen Ort Marazion wimmelt es von Touristen. Parkplätze gibt es kaum noch. Wir haben Glück, ein netter Parkwächter erlaubt uns, für eine halbe Stunde auf einem eigentlich abge-sperrten Parkplatz zu bleiben. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Strand, von wo aus wir einen freien Blick auf diese kleine Gezeiteninsel haben. Es ist gerade Ebbe und die Touristen strömen über den schmalen Damm auf die Insel. Bei Flut verkehr eine kleine Fähre zwischen Marazion und dem St. Michael’s Mount. Die kegelförmige Insel ähnelt dem Mont St. Michel in der Normandie, ist jedoch kleiner. Die Kapelle auf dem Berg wurde im 15. Jhd. errichtet und befindet sich wie das Schloss unter privater Leitung. Wir bedanken uns noch einmal bei dem netten Parkwächter und setzen unsere Fahrt fort in Richtung Land’s End.
Unterwegs treffen wir immer wieder auf die gemauerten Schornsteine der alten Zinnminen, die das flache Land wie erhobene Zeigefinger überragen. Bis zum Ende des 19. Jhd. deckte Cornwall mehr als die Hälfte des Weltbedarfs an Zinn. Auch Kupfer wurde in großem Maßstab hier abgebaut. Heute lebt Cornwall von der Landwirtschaft und vom Tourismus, ist aber dennoch immer noch die ärmste Region im Vereinigten Königreich.
Land’s End, der westlichste Punkt Cornwalls, ist heute in Privatbesitz. Das große Empfangsgebäude mit der Aufschrift „Land’s End“ über dem mit Säulen versehenen Eingangstor sieht man schon von weitem, die wartende Autoschlange auch. Es gibt hier ein Hotel, Läden und Restaurants. Es sieht aus, als wäre man auf einem Jahrmarkt oder Rummelplatz. Für uns ist das nichts. Kommerzialisierung nein danke! Wir fahren ein paar Kilometer weiter nach Sennen Cove, einer ruhigen, idyllischen Bucht, wo nur ein paar Surfer mit ihren Brettern über die Wellen reiten. Von hier ist der Blick genauso schön. 
So, weiter geht es nun nicht mehr nach Westen. Jetzt geht es an der Küste entlang in nordöstlicher Richtung bis nach St. Ives. Dieser Küstenabschnitt ist kurvenreich und wunderschön, aber auch wieder mehr befahren. Alle scheinen ihren Sonntagsausflug nach St. Ives zu machen. Vor uns fährt ein VW Bus aus Italien, dessen Fahrer uns den letzten Nerv raubt. Mit 30 Stundenkilometern ist er unterwegs. Überholen ist auch nicht möglich. Endlich, kurz vor St. Ives ist die Straße übersichtlich und wir können das Hindernis überholen. St. Ives ist ein bekannter Ferienort mit weißen, feinen Sandstränden. Viele Künstler haben sich hier niedergelassen. Wir fahren nur mal kurz an die Strandpromenade, der Ort ist heute von Touristen überlaufen und Parkmöglichkeiten sind nicht zu finden. St. Ives sollte man nicht an einem Sonntag besuchen und wir brechen wieder auf in Richtung Mevagissey.

Ab heute beginnt der Rückweg nach Dover.
Nachts fängt es an zu regnen, ich höre es durch das geöffnete Fenster. Auch am nächsten Morgen ist es nicht besser. Der Blick aus dem Fenster des Speiseraumes ist nicht sehr einladend. Es ist diesig und nieselt. Entweder Cornwall mag uns nicht, oder es weint, weil wir abreisen. Da bin ich mir nicht sicher. Wir ziehen lieber gleich die Regensachen an. Bald wird sich herausstellen, dass dieses eine gute Idee war. Der Regen wird stärker und als wir das Jamaica Inn erreichen, regnet es Bindfäden.
Das Jamaica Inn ist ein Gasthaus in der Nähe des Dorfes Bolventor im dünn besiedelten Bodmin Moor, das seit dem 18. Jhd. besteht und heute unter Denkmalschutz steht. Bei einem Aufenthalt hier ließ sich Daphne du Maurier zu Ihrem Buch „Jamaica Inn“ inspirieren, das im Strandräuber- und Schmugglermilieu der 1820er Jahre spielt. Tatsächlich diente das Jamaica Inn im späten 18. Jhd. und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jhd, als die Küste Cornwalls stark von Strandraub betroffen war, als Lager für die geraubte Schmuggelware.
Da es immer noch stark regnet und bis zu unserem heutigen Ziel, Bournemouth, noch ein weiter Weg ist, fahren wir zunächst einmal auf großen Straßen. Kaum haben wir Cornwall verlassen, wird das Wetter langsam wieder besser. Wir fahren an der nördlichen Grenze des Dartmoor entlang. Es ist bald Mittag und zwischen Honiton und Axminster in der Nähe von Kilmington direkt an der A 35 liegt das Old Inn, ein altes Gasthaus, das uns dazu verführt, eine Pause einzulegen. Auch im Innern hält das Old Inn, was es von außen verspricht, niedrige Decken, gemütliche Einrichtung und eine typisch englische Atmosphäre. Wir suchen uns einen Tisch und bestellen uns einen Kaffee.  Wir erreichen Bournemouth gegen 17 Uhr.  Dann schlendern wie noch ein wenig auf der Strandpromenade und am Pier.

Der letzte Rückreisetag führt uns direkt nach Dover. Ein kleinen Zwischenstopp legen wir noch bei Arundle Castle, das wegen seiner Gartenanlagen berühmt ist, ein. Nach gut einer Stunde geht's weiter in Richtung Dover. Durch ein paar Straßensperrungen sind wir zwar gezwungen unsere geplante Route zu verlassen, aber wir erreichen unser Hotel, das Premier Inn-Dover Central, gegen 18 Uhr. Unsere Motorräder dürfen wir direkt von dem Eingang abstellen, damit der Nachtportier sie im Auge hat.

Am 24.6.2015 nehmen wir die Fähre nach Calais und am späten Nachmittag erreichen wir wieder unser zu Hause. Es war eine sehr schöne Reise, die wir wirklich empfehlen können............

 

 


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