Barcelona

Am Abend erreichte ich den Campingplatz „Tres Estellas“. Der Platz ist der einzige, den ich kenne, der eine eigene Autobahnanbindung hat. Direkt am Meer unweit des Flughafens gelegen, ist dies der einzige Campingplatz in Stadtnähe. Die City ist dennoch eine gute halbe Stunde mit dem Bus von hier


Land / Region:
Deutschland, Frankreich, Andorra, Spanien, Italien, Österreich / Mitteleuropa

Charakter:
Straße

Länge:
4800 km

Reisezeit:
Mai - Oktober



... entfernt.

Am folgenden Morgen machte ich mich auf den Weg, ohne dass ich auch nur ansatzweise wußte, was mich erwarten würde. Ich wurde auf ganzer Linie positiv überrascht. Bar­celona raubte mir einige Male den Atem und ich kam aus dem Staunen nicht mehr her­aus. Der Kontrast zwischen alt und neu, modern und historisch war überall zu entdec­ken. Dies konnte ich sehr deutlich auf dem kleinen Platz Placa del Pi beo­bachten: Ein Ghettoblaster plärrte vor sich hin und ein Mann machte Verrenkungen, dass ich dachte, er würde jeden Moment mit Tai Chi - Übungen beginnen. Aber weit ge­fehlt: es waren nur Dehnübungen. Als die Musik lauter gedreht wurde, begannen er und seine Partnerin, die ich nicht gesehen hatte, mit einer klassischen Tanzdarbietung. Gleichzeitig konnte ich ein Schlagzeug hören. Ich ging zur anderen Seite der Kirche um nachzuschauen. Dort musizierten, mit einer Bananenkiste und einer akustischen Gitarre bewaffnet zwei Pun­ker, die die Gäste eines Cafes mehr oder weniger überzeugend unterhielten.

Drei Tage bin ich durch die Stadt gelaufen und wusste die meiste Zeit nicht wo ich zuerst hinschauen sollte. Das jüdische Viertel, die Ramblas, die Parks, die Marina, der Stadt­strand die außergewöhnlichen Bauwerke und vieles mehr. Wochen könnte man hier verbringen und würde immer wieder Neues entdecken. Die Vielfältigkeit dieser Stadt ist wirklich beeindruckend.

Erwartungsgemäß war die Stadt voll mit Touristen und ich möchte nicht wissen, was hier während der Hauptsaison los ist. Es waren wahnsinnig viele Touristen unterwegs, und so beschloss ich die Stadt von einem zu befreien und machte mich auf den Weg zu­rück Richtung Pyrenäen.

Mein nächstes Ziel hieß Carcassone in Frankreich. Ich hatte eine weitere, sehr schöne Fahrt durch die Pyrenäen vor mir. Gut geteerte, kurvige Bergstrassen luden zum Fahren ein. Es war nur wenig Verkehr auf der Straße und nach den Menschenmassen in Barce­lona war diese Menschenleere wie eine Erholung für mich.

"Barcelona - Reise ohne Plan" - Trailer

Carcassone

ist bekannt durch seine Zitadelle in deren mächtigen Befestigungsmauern eine wahnsinnig gut erhaltene mittelalterliche Stadt befindet.

Ich schlenderte durch die engen Gassen vorbei an Souvenirläden, kleinen Geschäften und Restaurants, genoss die Aussicht und die untergehende Sonne. Da ich noch nichts gegessen hatte, ging ich hier oben essen. Das es et­was teurer sein würde, war mir schon bewusst und als ich dann für ein schales 0,5l Bier 6,20 € bezahlen musste, war ich wie­der in der französischen Realität angekommen.

Weiter ging es über Frontignan und (mal wieder) Avignon in Richtung Seealpen und Ita­lien. Früh am Morgen verließ ich Avignon und machte ich mich auf den Weg zum Mont Ventoux. Die Anfahrt von Westen war 24 km lang bei einer durchschnittlichen Steigung von mindestens 10%. Dennoch waren hunderte von Fahrradfahrer unterwegs. Ich mochte es kaum glauben.

Die nächsten Stunden waren bestimmt von leeren Strassen mit vielen schönen Kurven und Panoramen. Da es ein Samstag war, waren gelegentlich einige Dorfdurchfahrten ge­sperrt, da dort der örtliche Wochenmarkt abgehalten wurde. Mein Navi führte mich in der Folge manchmal über sehr kleine Straßen abseits der Hauptstraße.

Gelegentlich stellte ich meine Videokamera auf und machte ein paar Fahraufnahmen. Häufig war dies aber nicht einfach, da es oft kilometerlang keine Möglichkeit gab um zu wenden. Zwar waren so gut wie keine anderen Autos unterwegs, aber wie das nun mal so ist: Bei einer schönen Kurvenfolge stand dann auch ein Auto an der Stelle, wo ich die Kamera aufgebaut hatte. Der Fahrer hatte sie in der Hand und war hoch erfreut sie mir auszuhändigen. Wahrscheinlich fragte er sich wie blöde die Touristen sein müssen, dass sie sogar ihre Videokameras vergessen.

Die Rückfahrt

führte mich nach Italien. Langsam rollte über die Landstrassen. Diese waren geprägt durch 50 km/h Begrenzungen und so musste ich schließlich doch auf die Autobahn, da­mit ich nicht zu spät am Lago Majore ankommen würde. Autobahnfahren ist häufig nicht gerade aufregend, aber die Bahn von Turin nach Mailand war so ziemlich das Langwei­ligste, was mir bisher unter die Räder kam.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zum Stelvio. Allerdings musste ich mich erst durch die Ebene des Alpenvorlandes kämpfen. Gefühlte 200 Geschwindig­keitsbeschränkungen von 50 km/h ließen mich nicht wirklich vorankommen. Nach ei­ner Ewigweit ging es endlich Richtung Bormio. Die Kehren zum Stilfersjoch sind durch­nummeriert: fast 40 hoch und ein paar mehr wieder runter. Die Sonne schien und es wa­ren sehr viel Motorradfahrer unterwegs. Aber was für eine Aussicht, und dies bei strah­lendem Sonnenschein!

Weiter ging es durch die Alpen Richtung Reutte. Auf ca. 20 km war Stopp and Go ange­sagt, wobei das Stopp eindeutig überwog, so dass ich die meiste Zeit auf der linken Spur oder in der Mitte an sehr vielen genervten Autofahrern vorbeirollte.

Abends erreichte ich die A7 bei Füssen. Hatte ich morgens noch vorgehabt mir hier ei­nen Campingplatz zu suchen und am nächsten Tag weiter durch das Mittelrheintal lang­sam heimwärts zu fahren, so beschloss ich dann doch ein paar mehr Kilometer mehr dranzuhängen und nach Hause zu fahren, da der Wetterbericht nicht gerade Motor­rad­fahrer freundliches Wetter vorher sagte. Um 02.00 Uhr nachts kam ich schließlich zu Hause an.

Fazit

Es hat Spaß gemacht mit diesem Motorrad zu fahren. Ich war es nie leid, sondern hatte immer Lust zu fahren. Leider bin ich nicht zur Ruhe gekommen. Ständig fühlte ich mich getrieben und rastlos. Auch wenn diese Reise nicht zu einer meiner schönsten Touren gehören wird, bin froh sie unternommen zu haben. Ich bin ohne einen wirklichen Plan losgefahren. Lediglich Barcelona als Ziel stand fest.


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