Die Route führt zunächst wieder Richtung Norden und findet später auf der CV-800 den Kurs Richtung Ziel. Diese begeistert mit Km* bis Kl* und es läuft wie geschmiert. Wir haben einen mords Verkehr und müssen auf einem Anstieg von ca. 10km Länge ca. 10 PKW überholen. Gut dass die Spanier ob solcher Verkehrsdichte gleich 2 Spuren bergauf geplant haben.


Land / Region:
Spanien / Andalusien

Charakter:
Straße

Länge:
444 + 460

Reisezeit:
Mai



Tag 5

In der Früh wache ich schon um 5 Uhr auf und kann den Sonnenaufgang über der Bucht und der Skyline von Benidorm genießen (Lü*). Nach weiterem kurzem Schlaf machen wir Frühstück, welches wie beschrieben reichhaltig, aber nicht gut war. Wir satteln und machen uns über unzählige Kreisverkehre auf den Weg nochmals ins Hinterland zur CV-770. Die Straße schlingelt sich (Ke* bis Km*, Lü*) auf eine Höhe von über 1000m und ist für Frühsport genau die richtige Wahl. Die Route führt zunächst wieder Richtung Norden und findet später auf der CV-800  den Kurs Richtung Ziel. Diese begeistert mit Km* bis Kl* und es läuft wie geschmiert. Wir haben einen mords Verkehr und müssen auf einem Anstieg von ca. 10km Länge ca. 10 PKW überholen. Gut dass die Spanier ob solcher Verkehrsdichte gleich 2 Spuren bergauf geplant haben. Bevor es wieder bergab geht zollen wir auf einer Höhe von 1024m einem überwältigendem Anblick Tribut und machen einen kurzen Stopp, um das abzulichten. Weit unter uns erstreckt sich eine grün-braune Ebene, dahinter schimmert tiefblau das Meer und Erhöhungen zu unserer linken rahmen das alles ab. In weiter Ferne kann man das ganze Ausmaß Alicantes erkennen. Unsere Route macht eine großen Bogen um die Stadt, um dann wieder in die A-7 zu münden. Auf ca. 240km müssen wir auf 4-spurigen Bahnen verweilen, um die Etappe von ca. 444km und einer Fahrzeit von 5 Std 50 Min laut Navi, bewältigen zu können. Wir passieren die Provinz Murcia mit der gleichnamigen Hauptstadt, die als eine der wenigen spanischen Regionen nur aus einer Provinz besteht. Die Region liegt tief, ist eben, gilt als einer der trockensten Europas und leidet deshalb unter Wasserknappheit. Unmerklich fahren wir in die Region Andalusien, welche aus 8 Provinzen, z.B. Almeria, Granada, Malaga und Sevilla, besteht. Andalusien stand am längsten unter arabischer Herrschaft. Die Einflüsse der Muslime sind noch in der Architektur zu sehen. Wir haben 35°C und rasten nochmal an einer Tankstelle, trinken Wasser, Cola und cafè con leche. Eine Holländerin, die gerade ihren Wagen betankt, frägt interessiert wie wir den hierher kommen und wo wir hin wollen. Sie selbst ist nach Ableben ihres Mannes hierher gezogen in die Einsamkeit Rambla des Zambra´s. Ihr gefällt diese einfache Art des Lebens und gibt einigen streunenden Hunden, die hier nicht von Wert sind, ein Zuhause. Ihre englische Freundin läuft zielstrebig auf Mannes Dukati St4s zu und streichelt freudig die Verkleidung. Sie erklärt, dass sie dieses Motorrad liebe. Das „s“ in der Bezeichnung steht dafür, dass der Desmoquatro Motor der 996er hier verbaut ist. Dukati führt diesen Sporttourer 2002 ein und beschließt 2005, dass der Motor mit 115PS und 100Nm nicht geeignet wäre für einen Sporttourer (?). Manne nennt die St4s „Jaqueline“, wobei die Aussprache eher wie „Schackeline“ klingt, so wie das der Benno aus der Serie die Camper ausspricht. Seit ein paar Tagen beunruhigt uns Jaqueline jedoch mit extremen, weißen Rauchschwaden nach jedem Start. Manne ist jetzt der Meinung, es wäre nach den Streicheleinheiten besser.

Wir beenden diese stumpfsinnige Fahrt und biegen auf die A-1100 wieder in landschaftliche Gefilde der Sierra los Filabres ein. Wir durchfahren eine gepflegt erscheinende Ortschaft namens Almanzora, wie der gleichnamige Fluss, der über 90km ins Mittelmeer fließt. Die Häuser sind in heller weißer Farbe gehalten und die Dächer in hellem rot gedeckt. Wir passieren einladende Lokale. Der ganze Ort scheint beinhahe peinlich geradlinig angelegt. Der Verlauf über Al-5100 führt uns wieder bergauf (Ke* bis Km*, Lü*) durch eine kahle Felslandschaft. Ringsum nur beige bis grauer Fels und mittendrin Kurvengeschlängel. Ein guter Platz eine Mondlandung nachzuspielen. Plötzlich finden wir uns auf der D-349. Auf ca 12km steigen wir um ca. 400m auf eine Höhe von 1240m (Kl*). Wir überholen dabei ein Auto und diesmal erkennen wir wirklich nicht, warum 2 Spuren bergauf vorhanden sind. Nur für uns? Jürgen überholt nun doch mit seiner Dukati , Seppe und ich hängen uns in einer 3er Formation dran und setzen uns leicht ab. Manne war wohl mehr mit der Umgebung beschäftigt, meinte aber beim nächsten Stopp, dass das fantastisch ausgesehen hat, wie wir uns immer gleichzeitig in die Kurven abgewinkelt haben. Neben einer Tankstelle lädt eine Bar zu einem weiteren Kaffee ein. Im Schatten ziehen wir jetzt gerne wieder unsere Jacken über. Wir sind frech, packen unserer letzten 2 Dosen Wurst aus und die 6 Semmeln, welche Seppe und Jürgen beim Frühstück entliehen haben. Auch die Landschaft hat sich wieder erstaunlich geändert. Die Hügel sind wieder grün und Ackerbau  und Viehzucht scheinen hier möglich. In der Bar hängen von der Decke mal richtig mächtige Serrano-Schinken, den man häufig in der Sierra Nevada feilgeboten bekommt. Bekannt für die luftgetrocknete schinkenreife ist der Ort Trevelez in der Provinz Granada. Der junge Kellner bringt gerne noch eine Runde Kaffee. Sein Blick schweift eher traurig über unsere Maschinen. Seinem Dasein wird er wohl kaum entkommen und den Freuden motorisierter 2-Räder frönen können. Die Fahrt geht dann flott voran. Wir passieren bald Almeria und erreichen unseren Zielort Roquet de Mar pünktlich um 18 Uhr. Unsere Angst wieder in so einer Betonbunkerstadt zu landen verfliegt schnell. Der Empfang im ausgewählten Hotel Don Angel ist freundlich. Wir bekommen Halbpension zum Preis von 37€ / Person. Nach Beziehen der Zimmer begeben wir uns an den nahen Strand, testen das kühle Wasser des Mittelmeers und trinken gemütlich ein Bier an der nächsten Strandbar. Am Strand sind nur wenig badende Gäste. Es gibt hier feinen braunen Kies, den ich dem Sand eh vorziehe. Für Kinder ist das weniger geeignet, was vielleicht erklärt, dass der Tourismus hier nicht so ausgeprägt ist. Das Abendessen im Hotel, das uns effektiv 4€ kostet, stellt sich als vielfältig und kulinarisch wertvoll heraus, ganz im Gegensatz zum Hotelmonster Bali. Zur Verdauung spazieren wir noch entlang der Strandpromenade und wollen noch ein Bierchen an einer Bar zu uns nehmen. Dieses Unterfangen gelingt uns allerdings nur mit Hilfe einer jungen Russin, die sich hier ansässig gemacht hat. Zu dieser frühen Jahreszeit haben hier nur wenige Lokale geöffnet, wir müssen noch knapp einen km laufen und sind um die Führung echt dankbar.

Tag 6

Auch das Frühstück kann sich sehen und genießen lassen. Gestärkt beginnen wir gegen 9:15 die 4. Etappe auf spanischem Boden. Wir nehmen die ca. 17 Kreisel, die in Spanien sehr angesagt zu sein scheinen, in nunmehr perfektionierter Manier. An 17 Ampeln würden wir geschätzt 5 mal länger brauchen, erreichen bald wieder die A-7, der wir zunächst ca 50km nach Westen folgen. Wir wundern uns über die unglaubliche Menge an Gewächshäusern, die primitiv mit Folie bedeckt sind, das ganze Land überziehen soweit das Auge reicht. Es werden Tomaten, Pfeffer, Bohnen und Zucchini angebaut, vermutlich alle gespeist von den Lagunen Las Norias. Eigentlich ist jetzt Halbzeit der Tour und die Strecke dreht in Richtung Nordost. Aber alles ist so ereignisreich und spannend und es liegen noch einige, ganz unterschiedliche Etappen und Orte vor uns, dass daran zu denken erst gar keine Zeit ist. Wir befahren die breit ausgebaute Al-437 (Kl*) als wir eine Anhöhe passieren und die Aussicht zu unserer Linken uns zum Anhalten zwingt. Das muss in die Memiorenkiste. Direkt vor uns sehen wir die schneebedeckten Kuppen der Sierra Nevada (spanisch für „schneebedecktes Gebirge“), welches mit 3482m (Mulhacén) das höchste Gebirge der Iberischen Halbinsel ist. Es trägt in der Regel jährlich von November bis Mai eine Schneehaube und auch im Juni macht es seinem Namen noch alle Ehre. Auch die Ebene vor uns beeindruckt mit ihren Farben. In kargen Brauntönen finden sich grüne Punkte. Teilweise ist das  Land zerklüftet wie eine Mondlandschaft. Mit steigender Höhe wird alles grün, man erkennt die Grenze, wo das Baumwachstum beginnt und auch wieder endet. Und darüber Fels und Schnee (Lü*).

Wir biegen auf die von Ulf empfohlene Al-3404 ab. In einem unglaublichen Kurvensgewusel (Ke*) steigen wir mal schnell um 500m. Kurzweilig geht es 20km (Km*) ohne nennenswerten Verkehr weiter. Wir sind auf einer Höhe von knapp 1400m. Die Landschaft (Lü*) ist bewaldet, auch in den fernen Tälern ist alles grün. Eine Batterie von Windrädern ist zu sehen und Warnschilder mit Kühen und Schneeflocken (!) säumen den Straßenrand. Nach passieren dieser grandiosen Straße geht es über die A-92 weiter zum nächsten absoluten Highlight der Tour. Wir haben mit dem Velefique eine der schönsten Pässe Europas im Visier, der sich über eine Länge von fast 60 km erstreckt. Auf Höhe von ca. 500m geht es auf einer geraden Route, die langsam in beschwingte Radien übergeht, Richtung dem Dorf Velefique, welches auf 940m liegt, um dann serpentinisch auf bestem Asphalt eine Höhe von ca. 1900m zu erreichen. Schraubkurs für Fortgeschrittene. Beim Halt an höchster Stelle begegnen uns noch 2 Motorradfahrer und 3 Radfahrer. An ein Auto kann ich mich nicht erinnern. Der Blick von der felsigen Bergregion ins Tal und die dahinter sich ausbreitende Wüste von Tabernas ist gigantisch. Zwischen 2 Höhenzügen ist im tiefen Blau das inzwischen weit entfernte Meer zu erkennen. Ich finde die anschließende Abfahrt über gefühlte 5000 Kurven in das  Almazora Tal noch schöner als die steile Auffahrt.

Um die 465km der heutigen Etappe vernünftig erfüllen zu können, nehmen wir die schnell zu fahrende A-304 und anschließend die A-7. Wir durchfahren wieder die Provinz Murcia und folgen den Autovias A-30 und A-33 zum Zielort Jumilla. Ich kann nicht erklären, warum die geschätzten 260km Autobahnen heute nicht schwer fallen. Vielleicht wegen der moderaten Temperatur von ca. 30°C. Es ist gut, dass auch mein Navi die max. erlaubte  Geschwindigkeit weiß, dies über blaue Zähne an mein Ohr vermeldet, und die Blitzer wohl namentlich zu kennen scheint. Gegen 18 Uhr, mittlerweile eine Sache der Selbstverständlichkeit, erreichen wir das Hotel Monreal in der Weinstadt Jumilla, welches noch in der Provinz Murcia liegt. Auf einem Hügel hoch über der Stadt thront eine Burg. Der Turm einer interessanten Kirche ist noch zu sehen, aber ansonsten scheint sich hier alles um Weine zu drehen. Im Hotel werden wir von einer jungen Dame freundlich empfangen, alles klappt prima und das zu Preisen von 55€ DZ incl. Frühstück. Gleich neben dem Hotel liegen mehrere Bars und Lokale. Das gefällt den Jungs. Zunächst ein Bier an der Bar, dann über die Straße stolpern ins Restaurant. 17€ für ein gutes und reichhaltiges Menu mit Spezialtäten der lokalen Küche. Heute gibt es natürlich Wein zum Mahl. Die 2. Flasche ist ein typisch schwerer, spanischer Wein. Wir leeren 3 von diesem Bodegas Luzon mit 14,7% vol. Den Preis von 28€ / Flasche präsentiert uns der Kellner erst mit der Rechnung. Egal, Jürgen und ich befinden den Wein als besten, den wir je getrunken haben. Am nächsten Morgen wache ich erst um 7:45 auf und bin mir nicht sicher, ob ich extrem gut geschlafen habe oder ohne Bewusstsein war.


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