Aber auch die letzte Etappe, die 615km misst, hat noch einiges für uns zu bieten. Es stehen über 400km Landstraße auf dem Plan. Zunächst durchfahren wir das nördliche Jura. Wir kommen zügig voran und Asphalt (Kl* bis Km*) und Landschaft (Lü*) sorgen für absolute Kurzweile. Der Gedanke bald zu Hause anzukommen rückt in weite Ferne. Wir streifen Höhen von knapp 1000m


Land / Region:
Frankreich / Jura

Charakter:
Straße

Länge:
620 + 615

Reisezeit:
Juni



Tag 9

Kurz nach 8 Uhr haben wir unsere Motorräder gesattelt und starten die 620km messende Etappe durch Frankreich Richtung Heimat. Wir folgen noch ein Stück der N116 Richtung Perpignan und biegen links ab ins Hinterland und folgen fast 70km der D-611. Wir hegen immer noch die Befürchtung keinen Sprit zu erhalten und machen an einer Tankstelle in Estagel schon früh einen Stopp. Unsere Befürchtungen waren umsonst gewesen. Am Supermarkt gegenüber versorgen wir uns mit Getränken, an der Tanke nehmen wir zum Frühstück noch Kaffee und essen ein paar Kekse dazu. Wir sind diese Landstraße auf einer Pyrenäentour schon einmal gefahren und meine Erinnerung trügt mich nicht. Es geht kurzweilig auf gutem Belag voran mal bergauf, mal bergab und später folgen wir in langgezogenen Bögen dem Verlauf des kleinen Flusses La Berre.  Das ist übrigens der Grund, warum ich tags zuvor den Weg durch die Pyrenäen gewählt habe. Wir hätten dieses Stück nicht unter die Räder nehmen können und müssten noch mehr Autobahnkilometer bewältigen. Vor Narbonne biegen wir ab auf die A9 und verlassen diese nach ca. 180km hinter Nimes wieder.

Nach der Zahlstelle dort wählen wir die Nummer einer kleinen Pension bei Oyonnax, die wir schon einmal aufgesucht haben. Es wird uns auf Englisch eine Nummer der Tür genannt und wir sollen die Zimmer 10 bis 12 beziehen. Übernachtung gebongt – Wir folgen ca. 75km der D6086 und N7 und kürzen so die stupide Autobahnfahrt nochmals ab. Nach weiteren 260km Autobahn erreichen wir dann das Ziel Oyonnax, welches am Westfuß der Waldhöhen des Hochjuras liegt. Wir befinden uns noch im Department d´Ain ca. 40km Luftlinie vom schweizerischen Genf entfernt. Das mit der Nummer an der Tür funktioniert tatsächlich. Wir beziehen die Zimmer. Es ist niemand vor Ort. Wir telefonieren nochmal mit dem Besitzer der Pension wegen des Dinners. Dieser nennt uns eine Adresse, wo wir via WhatsApp Pizza bestellen können. Klaus und ich fahren derweil in einen Supermarkt, besorgen Dosenbier und Rotwein. Wir fahren fast 5km bis wir ein Einkaufszentrum erreichen und erkennen die Größe dieser Stadt, welche 22500 Einwohner beherbergt. Oyonnax ist eine florierende Industriestadt, wobei die wichtigste und technologisch fortschrittlichste die Kunststoffindustrie ist. Als wir zurückkommen meint Seppe, das mit der Bestellung kriegt er nicht hin. Wir telefonieren nochmals. Die Bestellung wird für uns erledigt und nach 20 Minuten fährt tatsächlich ein Lieferservice mit 6 verschiedenen Pizzen vor. Für französische Verhältnisse sind die wirklich hervorragend und die 60€ dafür gut angelegt. Wir sitzen gemütlich auf der abgelegenen Terrasse, speisen und trinken fürstlich und können nebenbei die Höhen des Jura bestaunen.

Tag 10

 

Sonntagmorgen, als wir gegen 7:30 schon mal unser Gepäck zu den Motorrädern tragen, ist auch Valerie vor Ort, die wir vom letzten Besuch kennen. Sie entsorgt die leeren Pizzakartons, Bierdosen und Weinflachen und ist über die Hinterlassenschaften des gestrigen Abends nicht amüsiert. Ich versuche freundlich mein minimales Französisch einzusetzen: „Tu connais me?“ und tatsächlich erinnert sie sich und erzählt irgendwas von vor 2 Jahren. Ok, die Situation ist entspannt und es gelingt uns noch Kaffee zu ordern. Valerie weist darauf hin, dass noch weitere schlafende Gäste in der Pension wären und so schieben wir unsere Motorräder die ersten Meter, bevor wir die Motoren zum Leben erwecken. Vielleicht wollen wir ja mal wieder die Gastfreundschaft hier in Anspruch nehmen.

Nun ist es tatsächlich soweit. Wir starten Richtung Heimat. Aber auch die letzte Etappe, die 615km misst, hat noch einiges für uns zu bieten. Es stehen über 400km Landstraße auf dem Plan. Zunächst durchfahren wir das nördliche Jura. Wir kommen zügig voran und Asphalt (Kl* bis Km*) und Landschaft (Lü*) sorgen für absolute Kurzweile. Der Gedanke bald zu Hause anzukommen rückt in weite Ferne. Wir streifen Höhen von knapp 1000m, haben gut daran getan uns warm anzuziehen. Das Thermometer zeigt 12 Grad, obwohl sich die Sonne immer mehr durch die Wolken brennt. Die grün bewaldeten Hügel des Hochjura, die Täler und darin liegenden Seen sind einfach schön anzusehen. Wir fahren entlang einem kleinen Fluss durch eine Art Schlucht mit Felswänden auf einer Seite, die durch Maschendrahtzaun gegen herabfallende Steine gesichert sind. Auf der Straße vor uns stehen 2 Gämsen, die in den Wald springen, als wir uns nähern. Wenn Autos zu überholen sind, machen diese bereitwillig Platz. Ich erinnere mich an Berichte über genau diese französischen Verhaltensweisen. Hier sind unseresgleichen eingeladen den Leidenschaften zu frönen. Unmerklich haben wir 180km auf Straßen namens D27, D471, N5, N57 und D50 zurückgelegt und biegen bei Baume-les-Dames auf die Autobahn ein.

Nach der ersten Zahlstelle machen wir Rast. Klaus kann sich irgendwie mit den Dingern hier nicht anfreunden. Er redet etwas von Essen und Fröschen, das hier nicht näher erläutert wird. Im Topcase finde ich Hartwurst, die Seppe im Hotel Don Angel mitgenommen hat. So gibt es zu Mittag für jeden 2 Scheiben und Tommy steuert noch seine letzte Tüte Studentenfutter als Nachtisch bei. In der Folge passieren wir Freiburg und fahren weiter auf der B31 als dunkle Wolken sich vor uns auftürmen. Kurz vor dem Titisee nimmt die Regenwand dramatische Farben an. Gut dass wir gleich eine Tankstelle erreichen. Als ich tanke fliegt eine Gischt aus Wasser an mir vorbei, obwohl ich tief unter Dach stehe, dass ich Angst habe zu viel davon in den Tank zu bekommen. An der Theke drinnen gibt es belegte Brötchen und Kaffee. Es ist genügend Zeit uns zu stärken, denn es dauert gut 30 Minuten ehe der starke Regen nachlässt. Gegen 14:30 nehmen wir die letzten ca. 250km in Angriff. Die A81 und B27 befördern und schnell auf Landstraßen der schwäbischen Alb vorbei an Gomadingen und Münsingen und somit fast Luftlinie Richtung nach Hause. Dunkle Wolken drohen immer wieder mit Regen, aber unseren Weg kreuzen die nicht mehr direkt. Vor der A8 bei Merklingen füllen wir ein letztes Mal Treibstoff nach und beschließen auch noch die Ecke A8 – A7 Richtung Ulm auf Landstraßen über Amstetten abzukürzen. Da Heute  wenig Verkehr zu sein scheint, ist das erstens schöner und zweitens ebenso schnell wie auf der Bahn. Um pünktlich ans Ziel zu kommen nutzen wir noch einige Kilometer der A7. Und das ist dann auch der Grund, warum wir heute nicht pünktlich sind. 2 km vor der Ausfahrt stehen wir im Stau, weil es die letzten 10 Tage hier so viel geregnet hat, dass der Hang neben der Straße abgerutscht ist. Es ist 18:11 als wir vor Seppes Haus in Dischingen vorfahren, wo die Mädels schon warten. Im Garten ist ein Tisch gedeckt, ein paar kühle Biere werden bereits eingeschenkt. Beim Vesper gibt es viel zu erzählen von sonnigen Tagen, einsamen Straßen, immerzu wechselnden Landschaften, und einer Tour, die kaum zu toppen ist. Eine geballte Ladung schöner Erinnerungen hat sich schon jetzt für immer im Gedächtnis festgesetzt.

PS: Einen Bericht zu dieser Tour zu schreiben, habe ich erst während der Fahrt beschlossen. Es war bald klar, dass diese einzigartig ist und dieser Eindruck für uns so bleiben wird. Ein Ziel dieser Veröffentlichung hier ist, euch daran teilhaben zu lassen und Inspiration zu geben, diese einmaligen Straßen und Landschaften Spaniens selbst zu besuchen und zu genießen. Bei Interesse kann ich euch noch wertvolle Tipps und alternative Streckenführungen per email (Sponze @ gmx) zukommen lassen oder weitere Fragen beantworten.

 


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