Schnell noch das Staufach meiner X mit frischen Getränken aufgefüllt – da begrüßen mich auch schon die Gefährten fröhlich am Frühstücksraums. Jetzt aber schnell – sonst bin ich noch der Letzte am Buffet :-) Gute Idee, schon um 7:30 mit dem Frühstück zu beginnen – sonst ist das ja alles nicht zu schaffen.

         


Land / Region:
Österreich, Schweiz, Italien / Tirol

Charakter:
Straße

Länge:
300 km

Reisezeit:
Juni



... Brigitte & SAM und ThomasB fahren heute ihre eigene Tour – Thomas hat noch eine offene Rechnung mit dem Stilfser Joch :-) Bevor er die sehr anspruchsvolle Nordrampe am Freitag mit uns gemeinsam bezwingt, fährt er zum Stilfser Joch erst einmal über den Umbrailpass. Von da aus ist es bis zum Kamm des Stilfser Jochs nur noch ein kleines Stück.

Heute nehmen wir den zweiten von drei Wegen, die aus Nauders herausführen. Dabei geht es über die „Norbertshöhe“ nach Martina im Schweizer Engadin. Mit 11 tollen Kehren geht es die Westrampe hinunter und ruckzuck sind wir, ohne jegliche Kontrolle am Zollgebäude, auch schon in der Schweiz.

Hier treffen wir wieder auf den Inn mit seinem tollen Bergpanorama im Hintergrund. Für etliche Kilometer werden wir heute seinem schnellen Lauf entgegenfahren.

Während wir auf der gut ausgebauten Straße entlanggleiten, gehe ich im Kopf noch einmal das tolle Pässeprogramm durch, das heute vor uns liegt.

Durch den Munt la Schera fahren wir durch den Berg zur zollfreien Zone Livigno und anschließend über den Livignopass. Danach geht es weit nach Süden - nach Tirano. Hier steigen wir auf den Foppapass (Passo del Mortirolo) hinauf – immer noch ein Geheimtipp für ambitionierte Biker. Und dann der Gaviapass – gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht – eine Herausforderung für jeden Alpentourer. Von Bagni de Bormio auf die Südwestrampe des Stilfser Joch, den Umbrailpass hinunter und über den Reschenpass zurück nach Nauders. Nach dem „leichten Einfahren von gestern“ ein anspruchsvolles Vorhaben.

Huch – jetzt hätte ich fast die Abbiegung verpasst. Das sind dann immer die Momente, bei denen Thomas zu Birgit sagt „Jetzt hat er wieder geträumt“ ;-)

Leider geht das Abbiegen auf die Nebenstraße dann doch nicht, die Strecke über Sens ist im Moment wegen Bauarbeiten gesperrt. Macht nichts, die 27 ist ja auch schön zu fahren.

Dafür klappt es dann bei Scuol und wir werden mit einer sehr schönen kleinen Nebenstrecke  mit Blick auf Schloss Tarasp belohnt.

Nachdem wir rechts von uns die Auffahrt zum Flüelapass passiert haben ist es Zeit für einen kleinen Zwischenstopp. Ein ruhiger Platz am Straßenrand mit einer kleinen Quelle und ganz viel Natur ist eine schöne Gelegenheit uns zu erfrischen, etwas zu essen und schon mal die Maut für die  Tunnelpassage einzusammeln. Dann geht das an der Kasse wesentlich schneller als wenn jeder selber absteigt, bezahlt und wieder aufsitzt.

Nach gut einer Stunde Fahrzeit erreichen wir den „Munt La Schera" im Kanton Graubünden. Vor der Zufahrt zum 3385m langen Tunnel, der zur Errichtung der Staumauer auf der anderen Seite des Berges diente, haben sich schon einige Fahrzeuge eingefunden und warten, dass die Ampel auf Grün schaltet. Da der Tunnel nur einspurig befahrbar ist müssen wir erst noch den Gegenverkehr abwarten was schon mal bis zu 15 Minuten dauern kann. Bezahlt werden die 12 € Maut pro Bike nachdem wir auf der anderen Seite die Staumauer „Punt dal Gall“ erreicht haben. Hier befinden wir uns dann auch schon gleich in Italien.

Immer am westlichen Ufer des Stausees „Lago de Livigno“ entlang erreichen wir das in einem weiten Tal gelegene Livigno.

Schon seit Napoleonischen Zeiten ist "Livigno" zollfreie Zone, was sich natürlich nicht nur günstig auf die dortigen Spritpreise auswirkt. Auch bei Latte & Cappu profitiert man bei 2€ pro Tasse eindeutig vom Steuervorteil. Und der Blick über den schönen Lago di Livigno ist  dann ja auch noch völlig kostenlos :-)

Beim niedrigtourigen Bummel durch das Zentrum von Livigno, mit seinen schönen alten Holzhäusern, Geschäften und Gasthäusern, hat man den Eindruck durch einen Wintersportort im Sommerschlaf zu fahren.

Durch das langgezogene, landschaftlich sehr schöne Tal, geht es ohne Schwierigkeiten hinauf zum „Livignopass“.

Nicht schwierig zu fahren und – WOW – was für ein Ausblick als wir um die Kurve kommen!!! Für mich DER Überraschungsausblick unserer Alpentour.

Ganz nebenbei sind wir auch schon wieder von Italien in die Schweiz hinübergewechselt. Rechts ab geht’s zum Berninapass, wir nehmen aber die linke Abzweigung, wir wollen ja noch um einiges weiter Richtung Süden.

In Poschiavo staunen wir dann nicht schlecht. Die Bahnschranke vor uns ist geschlossen, eine gegenüberliegende Schranke ist nicht zu sehen. Nach einiger Zeit kommt uns ein Zug der Rhätischen Bahn auf der Straße zwischen den Häusern entgegen. An der Schranke biegt er rechts ab und lässt uns ungläubig staunend zurück ;-)

Vorbei am Lago di Poschiavo erleben wir bei Brusio eine weitere Überraschung, das „Brusio Viadukt“. Hier dreht sich die Bahn im wahrsten Sinne des Wortes „im Kreise“. Was für ein toller Moment, als sich vor unseren Augen ein Zug der Berninabahn in einem 70 Meter Radius auf dem Kreisviadukt hinunterschraubt. Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und Teil des UNESKO Welterbes.

Wieder überqueren wir unbeachtet die Schweiz - Italienische Grenze  und kommen zu unserem weitest südlich gelegenen Tourort, nach „Tirano“. Das südliches Flair und  die milde Luft lassen Erinnerungen an Meran aufkommen – da kommen wir ja bald auch noch hin.

Einige Kilometer hinter Tirano geht es auf die Auffahrt zum „Foppapass“ (Passo del Mortorolo), den südlichsten Pass unserer Reise. Hier sind wir auf einem der spektakulärsten einspurigen Alpensträßchen. Einsam, kurvig und sehr natürlich ist die anspruchsvolle Auffahrt von Piazzola aus - in gutem Zustand und immer noch ein Geheimtipp. Kurvig - mit 33 Kehren - geht es, teilweise recht steil, mit atemberaubenden Blicken hinunter ins Addertal, bis zum Scheitel hinauf.

Nach rechts fällt uns beim Blick ins Tal eine Berghütte mit einer besonderen Ausstrahlung auf. Die Hütte, das Tal, die Berge rundum und das Läuten der Kuhglocken auf der Alm – fast schon zu romantisch um wahr zu sein :-) Hier oben haben drei Generationen etwas Tolles geschaffen. Nach einer angenehmen Stunde mit einer deftigen Brotzeit und einem glücklich wiedergefundenen Zündschlüssel geht es an die Abfahrt, die auf der anderen Seite um einiges einfacher verläuft.

Bis zum Städtchen Monno. Hier führt mich TT, im Öko-Modus, eine Abkürzung in den Ort hinunter, der mir nur noch Thomas & Birgit folgen möchte. Einmal in das enge, steil abfallende Gässchen Via Mortirolo eingetaucht, bleibt uns keine andere Wahl, als ihm bis zu seinem Ende zu folgen. Eine atemberaubende Abfahrt – an deren glücklichem Ende wir noch etwas Zeit haben um auf die Gefährten zu warten, die zum Glück die Hauptstraße durch den Ort gewählt haben.

Eigentlich haben wir für einen Tourtag schon genügend Abenteuerliches erlebt – wäre da nicht noch der Gaviapass, der sich nun mächtig vor uns aufbaut. Nicht nur, dass er als besonders anspruchsvoll gilt, ist er auch erst vor ein paar Tagen aus dem Winterschlaf erwacht und demzufolge bestimmt noch etwas mürrisch.

Am "Gaviapass" – wird’s dann noch einmal richtig anspruchsvoll. Gut, dass wir schon etwas geübt haben ;-) Hier erwartet uns eine landschaftlich sehr schöne und abwechslungsreiche Strecke. Die Südrampe ist auf weiten Bereichen so schmal, dass selbst zwei Motorräder nur vorsichtig aneinander vorbei kommen. Mehrmals geht es durch stockdunkle Tunnel, an deren Wänden das Schmelzwasser in Bächen herunterläuft und das Licht meiner „X“ einfach mit sich fortspült. In einer dieser finsteren Höhlen kommt mir in einer Rechtskurve ein Cabrio ambitioniert entgegen – wenn es nicht so bitterkalt wäre, wäre ich glatt ins Schwitzen gekommen.

Für uns aber alles kein Problem - auf der Passhöhe an der „Rifugio Bonetta“ wird schon wieder gelacht, gescherzt, sich im Schnee gewälzt oder mit ihm beworfen – es ist ja genügend da :-)

Bei der Abfahrt über die „nur“ mittelschwere Nordrampe fahren wir in eine schwarze Wolkenwand hinein, Regen setzt ein und Bäche, die unsere Fahrbahn queren, fließen mit uns zu Tal. Aufnahmen gibt es von dieser Passage keine, wir hatten einfach mehr damit zu tun, heil wieder hinunter zu kommen.

Bei Worms in Veltin scheint dann wieder die Sonne, dass es einem schon fast zu warm wird :-) Tatsächlich fahren hier die Rollerfahrer mit T-Shirts und Flipflops durch die Gegend.

Nachdem wir bei Bagni de Bormio auf die Südwestrampe des Passo del Stelvio aufgestiegen sind fängt es auch schon wieder an zu regnen. Das macht uns aber inzwischen schon gar nichts mehr, zu atemberaubend sind die Landschaft, die kurvenreiche Strecke und die Lust am Fahren.

Den Kamm des Stilvserjoch vor Augen zweigt nun der schöne "Umbrailpass" nach Norden ab und wir sind wieder in der Schweiz. Eine kurze Regenpause wird spontan für einen kurzen Zwischenstopp genutzt und ein Betonmischer hält uns und eine andere Bikergruppe noch einige Zeit mit seinen Betonarbeiten am Passende auf. Im Gespräch mit den Fahrern vor uns erfahren wir, dass bei diesen Wetterverhältnissen ein Biker ihrer Gruppe gestürzt ist, er aber ohne weitere Blessuren seine Fahrt fortsetzen kann.

Uns bleibt noch, bei nächster Gelegenheit an ihnen vorbeizuziehen - Motottadwandern ist nicht so unser Ding ;-)

Taufers im Münstertal liegt dann wieder in Italien, den Kirchturm im Reschensee nehmen wir noch schwach auf der linken Seite wahr, dann sind wir auch schon über der Reschenpass hinüber und wieder in Österreich – Nauders und ein tolles Abendessen haben uns wieder ;-)

Gefahren: 300 km von 9:00 bis 18:30 Uhr

Fahrtrichtung der Tour: Die war perfekt und einfach nur grandios

Schwierigkeit: Anspruchsvoll, sein Motorrad muss man schon beherrschen

Einen Bericht zu dieser und weiteren Touren findest du auch im: WestwardBlog

Viel Spaß & tolle Touren wünscht HerBert ;-)

 


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