Es beginnt schon vor der Haustüre auf dem Weg nach Bibbiena über Chiusi della Verna: Kurvenspaß der Extraklasse. Und das gibt uns schon direkt nach dem Start einen Vorgeschmack auf den gesamten Tag und Verlauf der Route. Nirgendwo sonst, hab ich in Italien bisher das Schild „Achtung Kurvenreiche Strecke“ mit einer Längenangabe von 15 km


Land / Region:
Italien / Toskana, Marken, Emilia Romagna

Charakter:
Straße

Länge:
235

Reisezeit:
April - Oktober



... entdecken können, auf dem Weg nach Bibiena, steht es alt und verbogen am Straßenrand. Allerdings ist das erst der Anfang, den es geht nach einem kurzen Verschnaufer im Tal des Arno munter weiter, nunmehr in Richtung Florenz zum Passo di Consuma (1025 m). Dabei schlängelt sich die Straße ohne Serpentinen am Berghang stetig auf- und dann später wieder genauso abwärts. 

Wir biegen aber schon recht bald auf eine kleine Straße nach Stia ab. In das Städtchen kommen wir später noch einmal kurz zurück, jetzt halten wir uns aber erst einmal in Richtung Westen nach Londa und berauschen uns an der Straßenführung und an den Ausblicken, die sich uns über den kleinen Pass Valico di Croce a Mori (954 m) bieten. Kurz nach der Passhöhe legen wir eine Pause im Restaurant Mandri ein, herrlich im Wald gelegen, um uns bei Kaffee und diversen Getränken eine kleine Pause zu gönnen und dabei einigen Gedanken über die heutige Tour nachzugehen.

Als Casentino wird eigentlich das Gebirgstal zwischen Florenz und Arezzo bezeichnet. Es wurde vom Oberlauf des Arno geformt, dessen Quelle zuoberst im Tal ganz in der Nähe des Valico di Croce a Mori liegt. Am südlichen Talausgang, wo der Arno eine enge Kurve macht und wieder nach Norden und nach Florenz fließt, liegt die größte Stadt der Region, Arezzo. Die Apenninhügel zu beiden Seiten des oberen Arno-Talrandes sind vorwiegend mit Kastanienwäldern überzogen, wobei die linke, östliche Talseite vor einigen Jahren zum Nationalpark (Parco Nationale delle Foreste Casentinesi Monte Falterona Campigna) erklärt wurde , was besonders im Herbst ein Segen ist, da man dort auf seinen Wanderungen nun keine Angst mehr vor übermütigen Jägern zu haben braucht … Auf der rechten, westlichen Talseite befindet sich der Pratomagno – den haben wir schon ausgiebig umrundet. Aber aupassen: tobende italienische Biker und natürlich die Rennleitung trifft man hier immer an Wochenenden an!

Mir geht es heute um den erwähnten Casentino-Nationalpark, in dem wir uns auf einer wahren Landschafts- und Kurvenrauschorgie bewegen werden; drum rum und mitten durch und ein schönes Picknick ist auch noch geplant.

Genug gequasselt - die Kurven rufen und die gibt es, garniert mit Ausblicken und sogar Lavendel am Wegesrand, nicht zu knapp. Nur kurz dauert die Fahrt im Tal des Sieve bis Dicomano, dann biegen wir schon wieder ab, in ein Seitental durch das wir locker cuisend den kleinen Ort San Godenzo erreichen. Ab jetzt heißt es: Festhalten! Was sich hier an Kurvengeschlängel den Hang hochtobt, sich um den Berg knotet und schließlich auf 1049 m am Passo del Muraglione endet, ist nichts weniger als atemberaubend. Karussellfahren ohne Karussell, Achterbahn zum Schwindelig und Süchtig werden, Schräglage ohne Ende, kratzende Fußrasten an der GS und ein einziger Rausch.

Eine Verschnauf- und Cafepause ist auf der Passhöhe dringend geboten, hier können wir uns entscheiden, ob wir den Rest des Passes in östliche Richtung weiterfahren oder ein kleines Stück hinunter fahren und dann in ein Tal abbiegen, das zwei Dinge zu bieten hat: ein kleines, praktisch unbefahrenes Sträßchen garniert mit Dauerschräglagen – gefühlt mit keinem einzigen geradeaus führenden Meter – das mitten hinein führt in den Parco Nationale. Kurz hinter der alten Ponte Del Gorgolaio biegen wir erneut ab, auf eine noch kleinere Straße, die nun ansteigend echte Mühe hat, den Kurvenspaß noch weiter zu steigern. Wir erreichen schließlich den Passo della Braccina und dort wird es endgültig Zeit, eine lange Verschnauf- und Picknickpause einzulegen. Die Aussicht ist hier kaum mehr zu toppen! Die Einsamkeit auch nicht.

Na, schon schwindelig? Ganz schlecht – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Spaß geht ja noch weiter und ist noch lange nicht zu Ende! Kaum haben wir uns auf der kleinen Straße in die Tiefe gestürzt (hab ich da einen kleinen Begeisterungs-Juchzer gehört?), geht es auch schon wieder hinauf zum Passo della Calla, der durch eine Bilderbuchlandschaft bis auf eine Höhe von fast 1300 m (1297 m) führt, nur um sich auf der Westseite wieder in atemlosem Kurvengeschlängel hinunter ins Arnotal in das schöne, oben schon kurz erwähnte Städtchen Stia, das auf ca. 200 m Höhe liegt, zu stürzen. Pause? Altstadt? Cappu? Aber gerne doch!

Wir sind aber noch lange nicht fertig … es geht wieder aufwärts, mitten hinein in die Berge, Ziel ist diesmal der Passo Fangacci (1228 m), der auf kleiner Straße, welche durch den Nationalpark führt, erreichbar ist. Wer aufgepasst hat, registriert hier, dass wir schon wieder einen Höhenunterschied von über 1000 m bewältigen und wem hier auf der kleinen verkehrsarmen Endloskurvenstraße langweilig wird, dem ist wohl definitiv nicht mehr zu helfen. Ca. 10 km nach dem Pass führt ein Abzweig zum Passo Mandrioli (Tipp! Schlicht grandios!), der in die Emiliana Romagna führt, den wir aber zu unserem Bedauern links liegen lassen und vielmehr die kleine Straße am Rande der Alpe di Serra weiterfahren und über die wir nach einer weiteren schier endlosen Kurven- und Serpentinenorgie nach ca. 21 km Chiusi della Verna erreichen.
 
Die letzten "Meter" sind schon Routine … nach 230 km ist dann jedoch wirklich Schluss und ich vermute mal, selbst hartgesottene Kurvenjäger freuen sich am Ende der (Tor)Tour auf einen gemütlichen Abend mit einem Glas Rotwein in unserem Quartier, am Pool oder am gemütlichen Sitzplatz unter der Kastanie.


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