Der zweite Tag führt uns über ausgiebiges Kurvengeschlängel durch die Marken bis San Marino und wieder zurück, wobei wir reichlich kleine und abgeschiedene Straßen befahren - also genau das machen, was mit dem Moped am meisten Spaß macht. Dazu kündigt uns Giulio vom Il Vigno noch an, dass heute der bisher kälteste Tag im Juni 2017


Land / Region:
Italien / Toskana

Charakter:
Straße

Länge:
310

Reisezeit:
April - Oktober



... angebrochen ist - mit 25° (!) und italienischem Himmel also beste Aussichten auf einen perfekten Bikertag.

Unser Weg führt zunächst unterhalb von Caprese Michelangelo vorbei, dann an der Villa Michelangelo und windet sich schließlich sehr kurvig stetig bergab nach Pieve Santo Stefano - was für ein Sträßchen auf den letzten Kilometern! Zum Zungeschnalzen. Dort queren wir den Tiber, nur um rasch wieder an Höhe zu gewinnen. Über einsame - achwas, verlassene - Straßen kurven wir zunähst bergauf, dann über einen Höhenzug gen Osten, biegen hinter dem Ersten Dorf Arsicci Richtung Norden ab. Nur wenige abgelegene Dörfer begleiten uns auf der Straße durch die Bergwelt, die immer wieder herrliche Ausblicke eröffnet. Bei Balze biegen wir wieder nach Osten ab und stürzen uns in ein kurviges Abenteuer hinunter ins Tal des Bosso.

Im Tal folgen wir eine Weile dem Fluss, biegen bei Ponte Baffoni rechts ab in Richtung Maiolo/San Leo und folgen im stetigen Schräglagenwechsel dem wunderbaren ansteigenden Straßenverlauf, die Aussichten werden zunehmend besser und wenige Kilometer hinter Maiolo werfen wir spontan den Anker: ein atemberaubendes Panorama tut sich auf, welches wir ausgiebig genießen. Schließlich erreichen wir das eindrucksvolle Hügelstädtchen San Leo: schöne Gässchen, eine Basillika aus dem 9. Jh und eine Kathedrale aus dem 12. Jh wissen nicht nur mit ihrer Schlichtheit zu beeindrucken, werden aber locker getoppt von der Festung, die in 600 m Höhe oberhalb des Städtchens auf dem Hügel thront und fantastische Ausblicke u.a. nach San Marino und die Adria garantiert. Beide Kirchen erreicht man nach einem Stadttor und dem Hauptplatz, der Piazza Dante, mit drei Palästen, darunter dem Palazzo Medici. Nach einer Mittagspause im Ortskern (Tipp: Osteria La Corte) war ausgiebiges Bummeln, Bewundern, Gucken, Schauen und das Warmschießen der Kamera angesagt.

Dazu ein Hinweis zu San Leo: die Festung war nur zu Fuß erreichbar, der Fahrweg durch ein Tor versperrt, so dass wir uns entschlossen haben, den Aufstieg bei der Witterung in Mopedklamotten bleiben zu lassen. 

Zu sehen war unser eigentliches Ziel des Tages im Städtchen leider nicht: San Marino, das malerisch auf dem Berg Titano (750 m) liegt. Das historische Stadtzentrum von San Marino wurde zusammen mit eben diesem Monte Titano 2008 als das einziges bis heute fortbestehende Beispiel eines mittelalterlichen italienischen Stadtstaates von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die historische Altstadt von San Marino ist zu jeder Jahreszeit voll von Touristen, besonders an Wochenenden, von denen im Sommer die meisten von den nahe gelegenen Badestränden der Adria kommen (Rimini ist nur 20 km entfernt). Dennoch lohnt sich ein Besuch in dieser Mini-Republik auf jeden Fall. Viele Besucher kommen nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten, sondern auch zum Shopping nach San Marino. In der Tat, in den winkligen Gässchen der Altstadt gibt es zahlreiche Boutiquen, Souvenierläden, Bars und Geschäfte, man sollte allerdings berücksichtigen, dass hier alles etwas teurer ist als anderswo. Zudem sollte sich niemand die vielen grandiosen Ausblicke in die nähere und fernere Umgebung entgehen lassen, wenn das Wetter und die Sicht passen, garantiere ich euch, dass ihr da gar nicht mehr weg wollt.

Tipp: wir haben es uns einfach gemacht und eroberten uns die Stadt mit der Seilbahn, auch weil Bergsteigen in Mopedklamotten nicht wirklich Urlaub ist und die Seibahn direkt oben ins Panorama-Zentrum der Stadt führt.

Am Ende heißt es dann doch: Aufbrechen! Schließlich erwarten uns wieder – was wohl? Kurven! Davon mehr als genug und die noch garniert mit tollen Ausblicken zurück zur Küste und auf das Massiv des Montefeltro. Wenn es auch bei euch so perfekt klappt mit dem Gepäck und hier noch reichlich Platz für den regionalen Schinken aus Carpegna (Prosciutto di Carpegna) ist: zuschlagen! Denn dort kamen wir auf unserer wieder sehr kurvenreichen Rückfahrt vorbei, plünderten eine Metzgerei und tummelten uns ausgiebig am Rande des Parco Regionale di Sasso Simone, wo Carpegna als Zentrum liegt. Auch hier nutzen wir wieder die kleinen, feinen Straßen mit tollen Ausblicken in die Landschaft und fuhren uns dabei wieder richtig schwindelig. 

Bei Goretto di Formole queren wir wieder das Tibertal und kurbeln uns genüßlich zu unserem Quartier zurück.


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