Ungläubig starre ich auf die Temperaturanzeige der GS und frage mich unwillkürlich, ob wir in den letzten Tagen in die falsche Richtung gefahren sind. Doch das Ortschild belehrt mich so umgehend wie geschwind eines besseren: "Kristiansand" prangt uns da durchaus gut lesbar entgegen. Also schwingen wir uns bei italienischem Himmel und


Land / Region:
Norwegen / Vest-Agder

Charakter:
Asphalt, Naturstraße

Länge:
170

Reisezeit:
Mai - September



... ebensolchen 32° zum Endspurt auf unsere Mopeds, nicht unfroh, dass wir die Membranen aus unseren Kombis pulen konnten. Nach 1430 km Anreise quer durch die Republik und Dänemark wollten wir endlich ankommen, ein paar Tage entspannen und hatten uns dafür die Halbinsel Lindesnes ausgesucht. Schon auf den ersten Kilometern spüren wir den tiefenentspannten norwegischen Verkehr. Gut so. Der to-do-Urlaubszettel mit "Relaxen" grinst sich einen von Eselsohr zu Eselsohr.

Am Camping Lindesnes (sehr empfehlenswert!) beziehen wir nach den ersten knapp 80 km auf norwegischen Straßen unsere rote Hütte mit weißen Fenstern (to-do-Zettel: "erledigt"), richten uns zunächst gemütlich ein und nach einem kleinen Plünderfest im nächsten Supermarkt (8 km bis Spangereid) genießen wir einen völlig entspannten Abend auf unserer kleinen Terrasse. Wir sind angekommen, unser Norwegenurlaub beginnt genau hier, jetzt und für den nächsten Tag haben auch die Bikes erst einmal Pause. Abhängen, akklimatisieren und ein wenig Fußeln ist angesagt (nein, nicht Fuseln. Viel zu teuer hier). Schöne Ecken gibt es in der Nähe mehr als genug, das haben wir bereits bei der Anfahrt von Kristiansand staunend und begeistert festgestellt.

... Nun ist aber genug entspannt, das Entdecker-Gen setzt sich nach einem richtig gemütlichen Faulenzer-Tag energisch zeigefingerhebend durch, somit starten wir zunächst einmal in Richtung Süden zum Lindesnes Fyr und damit zum südlichsten Festlandpunkt von Norwegen. Ab hier sind es sagenhafte 2538 km bis zum Nordkap; zum Vergleich: nach Neapel ist es auch nicht weiter. Ok, verstanden - braucht mensch beides nicht unbedingt. Erstaunlich wenige andere Besucher tummeln sich mit uns durch das Gelände, dabei ist der Leuchturm doch ein Touristensammelpunkt. Wir bebummeln das ausgiebig bei bestem Wetter ohne uns allzusehr vom Touristennepp verführen zu lassen. Was dort zur Hauptsaison abgeht wollen wir jedoch erst gar nicht wissen.

Am Nachmittag entschließen wir uns kurzfristig zu einem Ausflug nach Mandal, dem südlichsten Städtchen Norwegens, welches mit 650 denkmalgeschützten meist weißen Holzhäusern aufwarten kann. Einen Spaziergang durch das alte Stadtviertel sollte mensch sich nicht entgehen lassen, ebenso die Mandal Bru, welche sich beeindruckend über den Fluss Mandalselva buckelt ist durchaus sehenswert und gibt sich auch noch weithin sichtbar die rote Kugel. An den Elvepromenaden genießen wir ausgeschländert im Abendlicht ein erstes Urlaubs-Abendessen und machen uns schließlich auf den Weg zu unserem Holzhäuschen. Parken sollte man übrigens unbedingt im Parkhaus Uranienborg, welches aus Tunneln in einem Berg besteht und der ein bekannter Aussichtsplatz aus der Hochzeit der Segelschifferei ist.

Nach diesem ausgedehnten Schnupperkurs in dem schönen Städtchen kann ich mir auf der Rückfahrt aber trotz fortgeschrittener Stunde einen kleinen zusätzlichen Abstecher nicht verkneifen, zu sehr lockt ein unscheinbarer Abzweig und nach einigen Kilometern auf unbefestigter Straße landen wir in einer traumhaften Bucht mit einigen bunt hingetupften Fischerhäuschen. Die Sonne steht schon tief über dem Meer und zaubert uns ein phänomenales Licht vor die Linsen. Ein Fleckchen Erde zum Niederknien, eingehüllt in eine makellose Stille. Wir können uns von der Farbenpracht kaum losreisen, genießen ausgiebigst diese absolute Stille und saugen das ganze Arrangement um uns herum für die Ewigkeit auf. Schließlich erreichen wir kurz nach 22.00 Uhr doch noch unsere kleine Hütte, wo die Sonne noch lange nicht untergehen wird.

Am dritten Tag steht Halbinselhüpfen und eine Rundtour zum Leuchtturm von Lista auf dem Plan. Dabei wollen wir wieder einige abseitige Wege erkunden. Wir fahren zunächst bei erneut strahlend blauem italienischen Himmel nach Spangereid und folgen dort in nördlicher Richtung den Hinweisen nach Lyngdal. Schicke Ecke, kann ich nur sagen, denn auf diesem Streckenabschnitt werden wir überaus angenehm mit vielen Kurven, einer spannenden Streckenführung und zahlreichen Ausblicken sowie einer überaus reizvollen Landschaft überrascht. So langsam dämmert uns: irgendwie typisch Norwegen. Da wir jetzt schon wissen, dass wir den Abschnitt später wieder in der Gegenrichtung zurück fahren, steigert das die Vorfreude entsprechend.

Weiter geht es nach Svenevik, welches in einer bezaubernden Bucht am Rosfjord liegt und kurz danach werden erstmal anständig Naturstraßen erkundet. Vorläufiges Ziel ist die Seeräuberstadt Farsund, wo wir eine ausgiebige und gemütliche Kaffepause genießen. Bis zum Lista Fyr ist es quasi nur noch ein Katzensprung, im Gegensatz zu den 132 Stufen, die erklommen werden wollen, wenn mensch den fantastischen Ausblick über die zerklüftete Küste genießen möchte. In dem Leuchtturm kann mensch sogar in zwei Apartments übernachten und wer sich für die Geschichte des zweiten Weltkriegs interessiert, kann reichlich neues Wissen erwerben.

Den Rückweg wählen wir vorbei am Lista Flughafen am Ufer des Sellegrodsfjorden entlang und anschließend durch das Sellegrod Naturreservat. Achtung! Vor dem Tunnel den Abzweig rechts nicht verpassen, insbesondere wegen des kleinen Aussichtspunktes Ingersja mit seinem überwältigenden Ausblick nach Farsund. Damit lässt sich der Tunnel auf der alten Route prima umfahren und zum in die Röhre gucken gibt es eine viel schönere Alternative, welche einen erneut die Landschaft genießen lässt, da die Straße später auch noch ein gutes Stück direkt am Aptafjord entlang führt.

Ab Apta wird mal wieder Naturbelag gesucht und gefunden, die Straße (FV653) führt ein gutes Stück am Drangsfjord entlang. Auch hier gibt es wieder herrliche Landschaft und wunderschöne Ecken zu entdecken. Erst kurz vor Lyngdal gibt es nach 22 km wieder Asphalt unter die Räder. Herrlich!

Nach einem kurzen Einkauf wedeln wir wieder die bereits oben erwähnte Strecke nach Spangereid und zu unserem Häuschen zurück.


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