Diese Etappe ist die längste der gesamten Reise. Ranhalten ist angesagt und deshalb frühstückten wir auch schon um 7.00 Uhr, damit wir um 8.00 Uhr starten können. Haha – reingefallen – langsam, net überreagieren...
 
Also los ging’s, wann auch immer, mehr oder weniger an der Österreichischen Grenze


Land / Region:
Deutschland / Bayern

Charakter:
Straße

Länge:
295

Reisezeit:
Mai - Oktober



... entlang, die sich da so schludrig dahinschlängelt, dass der Bundeshorstl sich genötigt fühlte, sie glattziehen zu wollen, was aber nicht so richtig gelingen mag. Wie dem auch sei - wir betätigten uns die ersten Km zunächst einmal als Lonesome-Rider entlang der Ostgrenze unseres schönen Landes – Gänswies, K(l)afferstraß, Spießbrunn – viele malerische Dörfer säumten unseren Weg. Mit Wegscheid (35 km) liegt eine erste größere Gemeinde mitten auf der Straße rum, gemeinsam räumten wir das weg und cuisten nach 40 km am Rannasee vorbei, mit 20 ha immerhin der größte Badesee des Bayerischen Waldes. Sehenswürdigkeiten? Hallooo? Wir sind im tiefsten bayerischen Wald! Was erwartest Du? Den Louvre? Schöne Landschaften sind doch auch mal was.

 
Erleichtert treffen wir nach einer kleinen Serpentinenorgie bei Jochenstein (53 km) schließlich auf DEN europäischen Fluss schlechthin: die Donau. Damit steigt dann auch die Chance auf kulturelle Erhellung und richtig, schon bald erreichen wir …
 
Passau (80 km), die Stadt der drei Flüsse, das bayerische Venedig oder das Atlantis an der Donau genannt, ist eine Stadt, die so viele Flüsse hat, dass jeder weitere überflüssig wäre. Hier am Zusammenfluss von Inn, Donau und Ilz, diesseits der deutschen Landes- und jenseits der deutschen Sprachgrenze gelegen, leben Biertrinker, Studenten, Flussschifffahrer und Touristen ein wunderbares Leben. Vor allem, wenn sie eine Wohnung im dritten Stock oder höher ergattert haben oder gerade Ebbe herrscht. Da man sich in Passau aber seiner schönen Altstadt rühmt und noch nicht von himmelschreienden Hochhäusern verschandelt ist, müsste man sich für solch eine Wohnung schon fast ein Zimmer in einem der Domtürme mieten. Dafür kann man in den malerischen, engen Gassen der Altstadt immer wieder mal Kanu fahren und in der restlichen Zeit herrlich schlendern.
 
Schon kurz nach Passau könnten wir die Mopeds durch das Ausklappen der Seitenständer daran hindern einfach umzufallen. Das Kloster Fürstenzell (90 km), immerhin fast 900 Jahre alt (1130), ist ebenfalls einen längeren kulturellen Stopp wert. Willich aber net. Warum? Das erste was mensch auf deren Homepage zu lesen bekommt, ist die Androhung einer Abmahnung - weiterfahren ist angesagt, da freuten wir uns doch lieber auf St. Salvator (106 km) und umkurvten den Klosterberg (522 m) und anschließend auch noch Griesbach.
 
Wir querten das Rotttal, ließen uns von Maria Heimsuchen und landeten schließlich in Simbach (145 km). Ja, genau DIESES Simbach, bei dem vor zwei Jahren noch jemand versuchte, das zumindest teilweise in den Inn, den wir nun querten, zu spülen. Wir landen aber schneller als uns lieb ist in Braunau. Mal davon abgesehen, dass der Name schon grenzwertig ist und die Stadt auch noch Geburtsort eines wenig glorreichen Österreichers ist – aber halt, Österreich auf der MSD? Häääh? Neue Perspektiven … Durch den Wechsel auf die östliche Seite des Inns hatten wir die Chance bei Überackern in den Genuss des Inn-Salzach-Blicks zu kommen. Wer’s fotographieren mag …
 
Da ist die Stadt Burghausen (170 km) schon viel interessanter, hat sie doch die weltlängste Burg zu bieten, die auf einem Hügel über der Stadt thront. Na, wenn das kein Anlass ist, im Burgcafe eine längere und ausgiebige späte (Mittags-)Pause einzulegen? An- und Aussichten gibt es jedenfalls genug und wer will und kann, darf sich sogar kleine und große Löcher in die Socken latschen, geht auch durchaus prima, bei einer Burglänge von schlappen 1050 m.
 
Das nächste Highlight ist nach weiteren 65 km zweifellos der Chiemsee, der sich geradezu unverschämt romantisch vor die Bayerischen Alpen hingeräkelt hat. Abermals Zeit für eine Pause, abermals konnten wir leider nur Ausblicke genießen, Fraueninsel und Herrenchiemsee lockten durchaus verführerisch, aber … leider keine Zeit!
 
Wobei ich mit dem Pausieren ein wenig in Konflikt gekommen bin: nehmen wir schon in Truchtlaching in der Biererlebniswelt (230 km)  ein alkoholfreies Weizen zu uns oder pausieren wir lieber direkt am Chiemsee in Gstadt im Seehäusl (245 km) (der Hafenwirt in Seebruck hat – richtig – Dienstags Ruhetag)? Wir haben uns für Gstadt entschieden.
 
Panoramareich geht es schließlich die restlichen 50 km per Endspurt weiter nach Inzell, wo unser Quartier schon wartet. Endlich richtige Berge! Endlich Bayerische Alpen! Endlich richtige Kurven! Die werden wir aber erst am folgenden Tag genießen, für heute war erstmal Feierabend.

 


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