Montag im Juni 2018 – Nach unserer gestrigen Anfahrt in die französischen Alpen starten wir heute in unseren ersten TourTag  - Allez La Bonette

Das kennen wir ja schon von unseren Motorradreisen – 7:00 aufstehen, 8:00 frühstücken und um 9:00 starten wir unsere Tagestour. Nur ... der Chef des La Lauzetane bietet uns - auf Birgits


Land / Region:
Frankreich / Provence-Alpes-Côte d'Azur

Charakter:
Passstraßen

Länge:
270

Reisezeit:
Juni - August



... Nachfrage - auch schon 7:30 für unser Frühstück an. Das heißt zwar - noch eine halbe Stunde früher aufstehen - wir sind dann aber - auch nicht schlecht - die Ersten und erst einmal die Einzigen an den beiden Kaffeeautomaten. Und das ist ein bedeutender Vorteil bei ca. 50 italienischen, französischen, schweizer und deutschen Bikerinnen und Bikern, die so nach und nach zum Frühstück erscheinen.

Beim ersten Frühstück sucht man ja noch nach seinen lieblings- Backwaren, Aufstrichen und Getränken - in den nächsten Tagen navigiert man dann auf seiner Buffet-Route schon professioneller und effektiver.

Das Angebot ist wirklich etwas für Feinschmecker - alles ist da, was das Herz begehrt. All die leckeren Dinge - die man sich Zuhause - wegen der enormen Kalorien - lieber nicht genehmigt - landet hier auf dem Teller und werden mit großem Appetit in  lautstarker und fröhlicher Runde verspeist. Der Tourtag ist lang und bis zum Abendessen gibt's ja nur die Kleinigkeiten, die das Topcase so hergibt.

Eigentlich eine Schande - mitten im schönsten Frühstück einfach aufzuhören - aber die Arbeit ruft. Wir sind ja den weiten Weg hierher nicht zum Schlemmen gekommen - sondern wegen der tollen Pässe und Touren die ab heute auf uns warten.

Ein bisschen nervös ist wohl jeder von uns - nach unserer tollen Schottland-Tour im vergangenen Jahr geht es nun an die höchsten Pässe der französischen Alpen.

Unsere erste Tour führt uns gleich zu einem Höhepunkt der französischen Alpen – zum „Col de la Bonette“

Die Passstraße ist die höchstbefahrbare Transitstrecke der Alpen, die normalerweise von Juli bis November geöffnet ist. Zum Glück für uns wurde sie, durch die günstigen Wetterverhältnisse in diesem Jahr, schon kurz vor unserer Anreise freigegeben.

Am Ufer der wild schäumenden Ubaye entlang geht es, an Barcelonette vorbei, auf der Route des Grandes Alpes in Richtung Jausiers.

Im kleinen Ort Jausiers angekommen versucht nun TomTom mich mit einem gemeinen kleinen Trick reinzulegen. Einmal rechts abbiegen, über ein paar Hinterhöfe und eine kleine Brücke - und schon sind wir auf der feinsten Schotterstrecke. Jetzt nur nicht noch einmal "Augen zu und durch" und "Es wird schon gutgehen". Meine rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger geht kreisend hoch über den Helm - wir wenden. Schnell sind wir wieder auf dem richtigen Weg - und TomTom tut so, als wenn nichts gewesen wäre.

Wir beginnen die anspruchsvolle Auffahrt hinter Jausiers und befinden uns nach einer begeisternden Auffahrt in den Resten ehemaliger Militäranlagen und Kasernen am „Col de Restefond“ 2678m, 14% / **** / SG2-3.

Platz 2 in der Top 10 der französischen Alpenpässe - Der Col de la Bonette - Der höchste Alpenpass überhaupt

Es wäre einfacher und flacher gegangen, aber um sich den Titel „höchste Alpenstraße“ zu sichern, ließ die französische Regierung die Verbindung des Ubaye-Tals mit dem Tal der Tinée statt über den Col de la Moutière über den höheren Bonette bauen. Die Straße ist breit, in gutem Zustand und in der hochalpinen, offenen Landschaft meist gut einsehbar.

Der Bonette bietet auf 49 Kilometern jede Art von Kurven – und das äußerst abwechslungsreich. Hat man den Col de Restefond (2676 Meter) passiert, kommt man kurz darauf zur Passhöhe. Dort bietet sich ein grandioses Panorama mit 270 Grad Blickwinkel. Von hier aus lassen sich an klaren Tagen die gesamten Bergmassive der Südalpen bewundern.

Den vollen Rundumblick bietet der 60 Meter hohe Aufstieg auf den Cime de la Bonette.

Nachdem wir den Scheitelpunkt des Restefond in 2678m erreicht haben, geht es auch schon gleich in Richtung „Col de la Bonette“ 2715m, 14% / **** / SG3

Die Rauchsignale, die am Col de Restefond und am Col de la Bonette gezündet werden und durch deren roten Rauch wir den Gipfel erreichen, gelten leider nicht uns, sondern den Radrennfahrern eines belgischen Teams, die mit uns den Gipfel bezwungen haben. Alle Achtung vor dieser Leistung - die sind aber auch ganz schön ko, als sie oben ankommen.

Den Col de la Bonette erreichen wir auf 2715m Höhe. Am Wegweiser zum Aussichtspunkt "Cime de la Bonette" geht es eigentlich noch weiter zum Rundkurs um den Gipfel, bis zum höchsten asphaltierten Punkt der Alpen mit 2802m. Aber die Strecke ist leider gesperrt - die Räumfahrzeuge sind noch unermüdlich damit beschäftigt, den Schnee von der Piste zu räumen. Wie ich später erfahre ist die Durchfahrt erst am Sonntag frei - da sind wir dann leider schon wieder auf dem Weg nach Hause. Sollte ich also noch einmal hierhergekommen, dann geht es noch einmal höher hinauf – ein 15-minütiger Fußmarsch führt auf den Gipfel mit 2862m – Höhenrekord! Dort wird man dann mit einem endlosen Rundumblick über die französischen Alpen belohnt.

Einen tollen Ausblick haben wir auf dem Col de la Bonette natürlich auch so. Das Panorama über die grandiose Bergwelt ist wunderschön und ergreifend. Als wir wieder aufsitzen trennen wir uns nur schwer von diesem besonderen Ort.

Eines beunruhigt mich jetzt doch etwas - ThomasK hat sein Portemonnaie im Hotel vergessen - und ich dummerweise auch. Die Papiere und das Geld schwirren mir jetzt natürlich für den Rest der Tour im Kopf herum. Aber jetzt stehen wir erst einmal hier oben auf dem Bonette und genießen diesen tollen Moment.

Die Südseite des Col de la Bonette führt uns durch ein verfallenes Militärlager Napoleons nach St. Etienne de Tinee.

Während wir unsere 200-250 Kilogramm schweren Bikes in eher touristischem Tempo den Berg hinunter durch die Kurven bewegen - werden wir - todesmutig oder im Rausch - von den Bikern OHNE Schutzkleidung - die oben noch nach Luft schnappten - in rasender Geschwindigkeit überholt. 80 km/h wie nichts. Ist wohl der Lohn für die Quälerei bei der Auffahrt.

Immer entlang des rauschenden Flusses Tinée passieren wir - ebenfalls in rauschender Abfahrt - Isola und Saint-Sauveur-sur Tinée.

Kurz vor La Bollinette überqueren wir auf einer abenteuerlichen Brücke die tief unter uns fließende Tinée und klettern nun wieder über kurvige und kleinste Wege hinauf zum "Col de la Sinne". 1438m, / **** / SG3

Bei der Weiterfahrt vom Col de la Sinne beeindrucken tolle Ausblicke auf Pierlas - pittoresk in die Landschaft gebaut. Die Strecke ist mittlerweile durchgehend asphaltiert. So sehen wir immer wieder Geröll und Steine auf der Fahrbahn liegen, die als Steinschläge von den Hängen abgehen. Eng am Fels entlang schrauben wir uns, mal rechts, mal links, vorsichtig hinunter ins Tal.

Bei Pra d'Astier haben wir dann das Ende dieser beeindruckenden, sehr engen, schmalen und teilweise unübersichtlichen Ost-West-Passage erreicht. Ein Motorrad - oder ein anderes Fahrzeug - ist uns seit einer guten Stunde hier nicht mehr begegnet.

Nachdem wir nun auf der D28 in nördlicher Richtung unterwegs sind, verändert sich das Gestein um uns von leuchtend hell in ein sehr beeindruckendes Dunkelrot.

Mit staunenden Blicken geht es durch den „Gorges du Cians“, 1440m / **** / SG2, ein erster Vorgeschmack auf weitere tolle Canyons in dieser Region. Die recht breit ausgebaute, immer wieder von kurzen, aber zum Teil engen Tunneln unterbrochene Straße durch die obere Cians-Schlucht ist ein landschaftliches Highlight der besonderen Art. Der Kontrast zwischen dem dunkelroten Gestein und der grünen Vegetation machen die Strecke zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Am Ende der Schlucht liegt der kleine Ort Beuil. Mitten in der Kurve liegt das Le Relais du Mercontour an dem wir uns mit einem Heiß- oder Kaltgetränk erfrischen, den vorbeikommenden Fahrzeugen zusehen und uns über die tollen Erlebnisse unserer bisherigen Tour austauschen.

Kurz nach unserer Weiterfahrt geht es über den Col de Sainte Anne - den merkt man kaum.

Der nun folgende Ort Valberg lebt eindeutig von seinen Wintersportgästen und wirkt im Moment etwas leblos. Auch der zum Ort gehörende „Col de Valberg“, 1669m, 12% / *** / SG2 ist eher harmlos - aber mit schöner Aussicht.

Vom Col de Valberg geht es hinunter nach Guillaumes - ein ansprechender kleiner Ort - für eine Rast bestens geeignet.

In Saint-Martin-d'Entraunes nehmen wir die linke Abzweigung zum Col des Champs - rechts fahren wir ein paar Tage später zum Col de la Cayolle.

Die Auffahrt zum „Col des Champs“, 2087m, 14% / *** / SG3, ist wieder so richtig schön und der Ausblick vom Scheitelpunkt lohnt unbedingt für eine Pause mit Weitblick. Schmal, kurvenreich und landschaftlich sehr beeindruckend - auch wenn er es nicht bis in die Top 10 der beliebtesten französischen Alpenpässe geschafft - der Col des Champs ist ein Top Pass.

Die Abfahrt zum Festungsstädtchen „Colmars“ führt durch schöne Waldstrecken und ist sehr angenehm zu fahren. Unten warten Heike & Helmut - sie waren schon mal vorgefahren und warten mit der Kamera auf uns.

Jetzt liegt nur noch der Col d'Allos zwischen uns und einem tollen Abendbuffet im Hotel. Aber zunächst gilt es noch die Tanks unserer Bikes wieder aufzufüllen. Eine geeignete Tankstelle findet sich in Allos. Hier ist Christine meine Retterin :) Sie füllt den Tank meiner "X" mit ihrem Zapfschlauch - denn nur "zusammen" ist man nicht allein :)

Auch ThomasK - der genauso mittellos wie ich vor der Zapfsäule steht - findet seine Retterin in Ute - das Märchen vom Ritter in der silbernen Rüstung mal andersherum :)

Meine Geldbörse findet sich später im Hotel unbeschadet in meiner "Frühstückshose" wieder. Auch für ThomasK gibt's Entwarnung - so findet sich dann alles glücklich wieder.

Der Wintersportort La Foux d'Allos ist jetzt eine rechte Geisterstadt. Die Fenster der Retortenhotels sind verbrettert und außer einigen wenigen Handwerkern bei ihren Wartungsarbeiten sehen wir hier keine Menschenseele.

Die Auffahrt zum „Col d’Allos“ 2250m, 11% / *** / SG3, macht dann wieder so richtig Spaß. Kurve um Kurve schrauben wir uns immer höher und genießen dabei die schöne, weite Aussicht. Wir halten am Passschild - auf dem man vor lauter Aufkleben kaum etwas lesen kann - bevor wir uns auf der anderen Seite wieder an die Abfahrt machen.

Platz Nr. 5 in der Bestenliste der französischen Alpenpässe geht an den Col d'Allos. Wunderbare Landschaften auf gut fahrbaren Kurven - schmal und eng - aber spaßig. Nur bei Gegenverkehr wird man ganz schnell wieder ernst, denn der Weg ist gerade mal etwas breiter als einspurig. In schönstem Rhythmus geht es vom Skigebiet hinauf auf den Gipfel, dann durch den Hochwald, zwischen Felswand und lächerlich niedrigen „Schutzmäuerchen“ hinunter nach Barcelonette.

Eine Kurve hinter dem Pass liegt die "Refuge du Col d'Allos" sehr schön am Berg. Morgen kommen wir, auf unserem Weg zum Grand Canyon du Verdon, noch einmal hier vorbei und schauen dann mal kurz hinein.

Auch die Abfahrt vom Allos ist wieder ein tolles Erlebnis. Es geht über mehrere Brücken und an manchen Stellen drücken wir uns eng am Fels vorbei - dabei unbedingt den Blick hinunter in die Tiefe vermeidend. Nur Birgit - unsere Tour-Fotografin - schießt während der Fahrt - in jeder Situation und aus jeder Lage - ihre tollen Bilder.

Bevor wir Barcelonette erreichen biegen wir nach links auf die D109 ab. Die Strecke ist teilweise ein wenig buckelig, aber das stecken unsere Federungen locker weg. An einzelnen kleinen Ansiedlungen vorbei erreichen wir bei Les Thuiles wieder das Tal der Ubaye und wechseln dort auf die D900. Auf den letzten Kilometern zum Hotel geben wir unseren mechanischen Rössern noch einmal die Zügel frei - noch sind in Frankreich 90 km/h - und etwas mehr – erlaubt. Tempo 80 gilt erst in knapp zwei Wochen.

 

Gefahren TourTag 1: 270 km von 9:00 bis 18:00 Uhr

Einen Bericht zu dieser und weiteren Touren findest du auch im: WestwardBlog

Viel Spaß & tolle Touren wünscht HerBert


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