Heute verlassen wir ein wenig wehmütig unseren norwegischen Hüttentraum in Rot und Weiss. Vater Ungeduld quängelt aber so ausgiebig penedrant, dass die Weiterfahrt unverschiebbar ist. Über Flekkefjord und Egersund wollen wir einen Teil des Nordseewegs fahrten, der auf der RV44 zwischen eben den genannten Orten teilweise über gebirgiges


Land / Region:
Norwegen / Vest-Agder, Rogaland

Charakter:
Straße

Länge:
225

Reisezeit:
Mai - September



... Gebiet (naja, hügelig) und oft auch an der Küste entlang führt. Die RV 44 braucht auf jeden Fall Zeit, weil man immer wieder Orte entdeckt, an denen man absteigt und die beeindruckende Landschaft länger als einen Huscher genießt.

Wir fahren aber zunächst noch einmal nach Lyndal - damit war's nach dem dritten Mal aber auch gut mit dem Sträßchen - und auf der "39" bis Flekkefjord, wunderschön gelegen am Byfjorden, wobei die Anfahrt aus südlichen Gefilden tolle Panoramen bereithällt. Hier gibt es wie in den meisten südnorwegischen Städten erneut kleine weiße Holzhäuser, die dicht nebeneinander stehen und die engen, gepflasterten Gassen säumen. Wer will kann auch vom Motorrad auf die Draisine umsteigen, die Zylinder gegen Oberschenkel tauschen und 17 km auf einer stillgelegten Bahnstrecke am Fjord entlang fahren. Wir gönnen uns lieber am Hafen in der Tollboden Bakeri eine ausgiebige Kaffeepause.

Die Anfahrt auf Flekkefjord bot ja bereits einige wunderschöne Aussichten, von denen es dann auf der nun kommenden und oben bereits angekündigten RV44 noch einiges mehr geben sollte. Dieser Straßenabschnitt ist ein Muss für Landschaftsgenießer und solche, die es werden sollen/wollen, denn die Straße durchschneidet in ständiger Berg- und Talfahrt eine Landschaft, wie man sie ähnlich wild an der Südküste Norwegens noch nicht gesehen hat und auch anderswo nicht sehen wird.

Wir können uns so ganz und gar nicht satt gucken an den hingetupften Seen und Tümpeln, den in die Landschaft geworfenen Hügeln und Felsen und satt fahren am ständigen Auf und ab und unzähligen Kurven will auch nicht so recht klappen. In dem ganzen landschaftlichen Overkill wird uns zum ersten Mal klar: die Beschränkung auf Tempo 80 auf den Landstraßen Norwegens macht durchaus Sinn. Meist geht auch gar nicht mehr auf der schmalen, immer wieder mal einspurigen Straße und neben dem vielen Staunen ist ein hoher Konzentrationslevel gefragt.

Nach 30 km Landschaftsrausch erreichen wir Helleren, zwei sich unter dem gleichnamigen Felsen wegduckende Häuser als Überreste einer alten norwegischen Behausung und in jedem Fall einen weiteren kurzen Stop wert, nicht nur wegen der senkrechten Wände am Ende des Fjordes. Anschließend schraubt sich die Straße zum Ende des Jössingfjord abenteuerlich durch die Felswände in die Höhe und nach dem Tunnel und vor der abschließenden Serpentine kann man von einem kleinen Parkplatz aus bei einem weiteren Stopp einen phantastischen Blick in den Fjord genießen.

Mit dauernd anhalten kommt keiner so recht weiter, weshalb wir die nächsten km durchfahren und bald wir Egersund erreichen. Eine zu Unrecht häufig übersehene Stadt, denn die Häuser im Stadtkern gehören zu den besterhaltensten Holzhausvierteln Norwegens und viele davon stehen unter Denkmalschutz. Aber wie so viele huschen wir auch nur durch die Stadt weiter in nördlicher Richtung - siehe Absatzanfang.

Zunächst am Fotlandsvatnet entlang biegen wir bei Vikesa auf die FV503 in östliche Richtung ab. Vorbei an zahlreichen Seen vorbei führt sie uns durch das Hunnedalen zum Gloppedalsura Magma Geopark, der aus Lawinenflusssteinen besteht, die auf einer Endenmoraine angehäuft wurden. Eine Landschaft, die aussieht, als hätten hier Trolle ihren Kegelabend verbracht und das Aufräumen vergessen.

Der Magma UNESCO Geopark ist ein geologisches Phänomen, welches so nirgendwo anders in Europa zu entdecken ist und einer von nur zwei Geoparks in Norwegen. Tolle Landschaftseindrücke, verfeinert von der Sonne, welche zahlriche Spotlights durch die Wolken schickt, dazu der Ausblick auf den Indra Vinjavatnet - Landschaftsglanz, was willst du mehr? Ein lohnender Zwischenstopp ist auch dies unbedingt.

In Sinnes/Tjörhom suchen wir uns schließlich wieder für kleines Geld eine ebensolche Hütte für die Übernachtung und erkunden nach einem gemütlichen Abendessen in der untergehenden (?) Sonne die nähere Umgebung ein wenig zu Fuß.

 


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