Nach einem langen Abend am Vøringsfossen lassen wir uns morgens, bei erneut bestem Wetter, Zeit mit Packen und Aufbrechen. Der Plan ist, über die Hardangervidda, mit 9000 km² Europas größtes Hochfjellplateau, nach Geilo und von dort zum Aurlandsfjord zu fahren. Eine unvergessliche Fahrt, denn "droben im Ödland hat jede Jahreszeit ihre


Land / Region:
Norwegen / Hordaland/Buskerud/Fjordane

Charakter:
Asphaltstraße

Länge:
180

Reisezeit:
Mai - September



... Wunder" (Knut Hamsun).

Zunächst geht es das Bjoreidalen hoch, wobei anfangs nur sanft ansteigt. Erst nach passieren der Staumauer des Sysenvatn wird die Route steiler, die Ausblicke beeindrucken bis hinüber zum Hardangerjökulen, dem Gletscher der Hardangervidda, und wir erreichen schließlich den Skiftessjøen, immerhin mehr als 1250 m hoch gelegen. Auf einem Schotterparkplatz genießen wir eine ganze Weile die tollen Ausblicke über die Hochebene, den Gletscher und die hingetupften Schneefelder.

Eine gute Weile später geht es durch die Hochebene weiter und dann wieder ins Tal nach Geilo, einer der bekanntesten Wintersportorte des Landes. In Sachen Outdoor-Aktivitäten gibt es landesweit kaum ein Pedant, das nur annähernd mithalten kann. Von dort fahren wir direkt weiter nach Hol, wo wir an der Gamle Kyrkje eine nicht nur unwillkommene Zwangspause einlegen, denn die Stabkirche liegt landschaftlich eindruckvoll am See. Kaum zu fassen - aber es regnet doch, kaum dass die Mopeds abgestellt sind, tatsächlich wie aus Eimern. Ok, dann eben ein Picknick, ist eh an der Zeit, der Magen knurrt und mit der durchaus reichlichen Nässe von oben wollen wir uns auch nicht zufrieden geben. Eine kleine Pause einzulegen, die nun allerdings länger wird als gedacht, ist also durchaus willkommen. Nach 1 1/2 Stunden ist der Spuk vorbei, der Himmel klart langsam auf und wir starten gut verpflegt zur Weiterfahrt in Richtung Aurland. 

Erneut steigt die Straße an, was sonst auch, inmitten dieser Berglandschaften. In 950 m Höhe präsentiert sich der See Strandavatn und die umliegenden Berge der Kältesteppe des Hallingskarvet-Nationalparks optisch lecker herausgeputzt. Hier oben bieten sich dem Wanderer viele schöne und vielseitige Tourmöglichkeiten, also lassen wir die Gashand arbeiten und cruisen zügig in noch luftigere Höhen. Motorradwandern eben. Bis wir oben auf fast 1200 m angekommen sind, haben wir auch noch Glück, nicht erneut geduscht zu werden. Entweder ist der Duscher schon durch oder er macht hinter uns die Straße nass. Soo gehört sich das.

Der Lachs- und Forellenfluss Aurdalselv ist dabei übrigens unser ständiger Begleiter auf der Fahrt durch das karge Hochfjell. Wer da also noch Platz auf seinem zweirädrigen Lastesel noch Platz hat, der wäre hier genau richtig.

Wohl dem, der einen Tunnel hat -  Nesbøtunnelen (2500 m), Berdaltunnelen (6500 m) und Stondaltunnelen (2500 m) - auf nur 20 km reihen sie sich auf der Abfahrt im Aurlandsdalen mit einer Länge von insgesamt 12 km wie Perlen an der Schnur aneinander. Teilweise sehr eng, auf jeden Fall aber alles andere als ausreichend beleuchtet, schon fast ein Abenteuer und diesmal ohne Alternativen zur Umfahrung. Vorsicht ist sowieso in den Röhren geboten. Bevor der zweite Tunnel beginnt, sollte man allerdings anhalten und die großartige Aussicht in das Aurlandsdal, den "Grand Canyon Norwegens", genießen.

Nach dem dritten und letzten Tunnel wird es geradezu dramatisch, ein zweiter Stopp ist hier ein unbedingtes Muss. Die Straße windet sich in abenteuerlichen Schleifen einen Steilhang hinunter, immer wieder verschwindet sie zum Wechseln der Richtung im Berg, weil eben kein Platz für Serpentinen oder Kurven vorhanden ist. Die Ausblicke jedoch sind trotz dichter Bewölkung und trüber Sicht grandios, umfassen nicht nur das Tal, sondern auch das dramatisch schöne Aurlandsdal und den Aurlandsjord.

Wir erreichen via Vassbygda das Örtchen Aurland, genauer gesagt eine Tankstelle, in die wir im Schweinsgalopp vor dem einsetzenden Regen flüchten und völlig spontan und ungewollt einen Kaffee genießen, während draußen die Elemente zum Gefecht blasen und sich austoben. Wir befragen die norwegische Wetterseite (Tipp! www.yr.no) und beschließen: keinen Meter weiter, außer dem zu einem Nachtquartier, denn was da aufzieht ist die konsequente Fortsetzung des Tobsuchtsanfalls der Wetterkinder.

Nur noch schnell in einer kurzen Regenpause eine Hütte auf dem Campingplatz in der Nähe suchen und unterschlüpfen, auch wenn der Tag damit viel zu früh endet, aber besser is das und wird das auch anderntags.

 

 


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