Strahlend blauer Himmel, das Wetter zeigt sich mal wieder von ihrer besten italienischen Seite und schmeißt zusätzlich den Föhn auf Stufe 2 an: also ideales Wetter zum Wäschewaschen. So schnell wie unsere Textilien trocken werden, können wir die gar nicht auf die zwischen zwei Bäumen gespannte Leine hängen. Keine Chance. Konsequenz: der


Land / Region:
Norwegen / Fjordane

Charakter:
Asphaltstraße

Länge:
205

Reisezeit:
Mai - September



... Nachmittag ist plötzlich ungeplant frei.

Nachdem das Programm in Rekordzeit geschafft ist, werfen wir am frühen Nachmittag doch nochmal die GSen an. Die Heimat der Bergriesen lockt bei diesem Wetter geradezu verführerisch in die Sättel: Jotunheimen, die alpine Sensation Norwegens mit den höchsten Bergen ganz Skandinaviens - die muss man einfach mal gesehen und gefahren sein. Nirgendwo sonst erschließt sich die Größe und Majestät der norwegischen Gebirgswelt eindruckvoller wie in dieser gipfelstarrenden Gletscherweltlandschaft, die wildeste und größte Gebirgsregion Nordeuropas mit mehr als 250 Gipfeln über 1900 m Höhe, die steil und aprupt aus den schimmernden Fluten des Sognefjords aufsteigt. Ein einmaliges Naturerlebnis, das wir auf dem Sognefjellvegen bis zur Sognefjellshytta in 1440 m Höhe (bei der noch Langläufer unterwegs sind) teilweise atemlos in aller Ruhe und mit vielen Stops und versunkener Hingerissenheit in uns aufsaugen und in der tiefstehenden Sonne wehmütig wieder verlassen.

Am zweiten Tag hatten wir uns fest vorgenommen, das noch gute Wetter für eine Wanderung zum Niggardsbreen, einer Gletscherzunge des Jostedalsbreen, zu nutzen. Für den übernächsten Tag kündigte der norwegische Wetterdienst so unverschämt wie bestimmt heftigsten Dauerregen an, den die Einheimischen allerdings sehnsüchtig herbeisehnten, denn es hatte am Lustafjord - was wir kaum glauben konnten - sage und schreibe sieben Wochen lang nicht mehr geregnet. Im wasserstrotzenden Norwegen!

In Gaupne decken wir uns bei einem Zwischenstopp mit Bargeld und ein wenig Picknick-Proviant ein und folgen der ca. 40 km langen Nebenstraße durch das Jostedal, welches mit seinem reißenden Fluss Jostedalselv und den vielen Wasserfällen schon für sich genommen einen Höhepunkt markiert. Das letzte Wegstück führt mitten hinein in eine Moränenlandschaft, bietet herrliche Bilder auf den mit elegantem Hüftschwung zu Tal fließenden Eiskoloss und endet schließlich an einem Parkplatz am Gletschersee, von dem aus eine Bootsfahrt weiterführt welche nochmals völlig andere eindrucksvolle Motive präsentiert. Also, hilft ja nix - kurz umziehen, die Möppel-Klotten in die Koffer verstaut, ab hier sind Wanderschuhe gefragt.

Der Jostedalsbreen, aus dem zwei Dutzend Gletscherzungen aus bis zu 2023 m Höhe talwärts fließen, ist mit einer Fläche von fast 500 qkm der größte Plateaugletscher des europäischen Festlandes. Seit 1991 steht das gesamte Gebiet einschließlich zahlreicher weiterer Gletscher auf über 1000 qkm unter Naturschutz und gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Norwegens.

Das letzte Stück bis zur leicht zugänglichen Gletscherzunge des Niggardsbreen muss mensch von der Anlegestelle in ca. 40 Minuten zu Fuß zurücklegen, gerne auch länger (yep, machen wir), zu beeindruckend sind die sich bietenden Ausblicke und (Foto-)Motive. Aber Vorsicht am Eis! Jederzeit können herabstürzende Eisbrocken den zu mutigen Wanderer überraschen und gar erschlagen, deshalb unbedingt die Absperrungen beachten (*pfeif*).

Wohl dem, der eine kuschlige Hütte hat: wie angekündigt "beglückt" uns der folgende Tag mit heftigem Dauerregen und verordnet uns eine relaxte Pause in unserer Hütte. Zeit für Grüße in die Heimat, die eine oder andere Buchseite oder überhaupt auch wieder einmal ein paar Musestunden, um die bisher gesammelten Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Ist ja schließlich Urlaub ...

Nachtrag: Gletscherwanderungen, die am oben erwähnten Parkplatz beginnen, können im Jostedalen-Breheimsenteret, welches im Jostedal am Abzweig zum Gletschersee liegt, gebucht werden. Darüber hinaus bekommt der Interessierte auch Informationen über die Natur- und Kulturgeschichte der Region. Sehr empfehlenswert.


Trackviewer und Höhendiagramm werden Ihnen präsentiert von www.GpsWandern.de.

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