Ausgeschlafen möchte ich zeitig aufbrechen. Wie mir scheint zu früh. Ich muss jemanden suchen, um das Übernachtungsgeld loszuwerden. Der erste Stop soll in Shkoder sein. Ich benötige etwas Geld und möchte hier eine Wechselstube aufsuchen.

Vor Koplik wird der Verkehr dichter, und einige PKW, Lkw und Busse sind sicherlich nicht in


Land / Region:
Albanien / Berat

Charakter:
Straße

Länge:
240

Reisezeit:
Oktober



... dem Zustand wie der deutsche TÜV es gerne hätte. Auffallend viele Mercedes Fahrzeuge befinden sich auf der Straße. Man könnte auch behaupten: Mercedes Land Albanien oder umgekehrt.

Da ich vorher schon in Montenegro war, fällt mir nicht mehr auf, dass hier so gefahren wird, als gäbe es keine anderen Verkehrsteilnehmer. Wobei man sich wirklich daran gewöhnen muss, dass Rollstuhlfahrer, tollkühne Fahrradfahrer, Kühe an der Leine und Eselskarren immer wieder unmittelbar vor dem Vorderrad auftauchen. Letztendlich geht es aber immer wieder gut aus, weil doch irgendwie immer einer mit aufpasst. Kreisverkehre sind auch immer wieder für eine Überraschung gut. Eine Vielzahl an Händlern haben sich hier mit ihren Verkaufsständen niedergelassen und bieten hier alles an, was man für den Alltag benötigt. Das Rein- und Rausfahren in den Kreisverkehr wird mir immer in Erinnerung bleiben. Hier gab es einige interessante Erfahrungen. Meistens ging es kreuz und quer. Gibt es überhaupt Regeln fragt sich der Deutsche.

Oft hört man einen richtig guten Auspuffsound. Wenn man dann hinschaut steht kein Motorrad hinter einem, sondern ein Roller oder Mofa ähnliches Gefährt. Es gibt anscheinend keine festgelegte Personenzahl für die Mitnahme von Personen auf Zweirädern. Es ist nicht selten, dass hier 2 bis 3 Personen draufsitzen oder die Zweiräder komplett zugepackt sind mit Waren aller Art. Von einer Helmpflicht hat hier auch noch niemand gehört. Große Motorräder sind selten in Albanien und bei jedem Halt wird man oft mit "Mercedes gut" angesprochen. Daraus entwickelt sich dann ein munteres "Gespräch", meistens mit wenigen Brocken Deutsch und viel wilder Gestik.

Was auffällt ist, dass die Menschen hier kein Müllproblem haben, Dafür das Land umso mehr. Die Müllentsorgung findet überall statt. Das gilt aber nicht nur für Albanien. In Montenegro oder in Kroatien konnte man das auch zu Genüge sehen.

In Shkoder erlebe ich die erste größere albanische Stadt. Langweilig kann es einem hier nicht werden. Ich parke die Dicke und schon kommt er. Ein Security Mann. Ich zeige auf die Bank und deute an, was ich vorhabe. Jetzt darf ich hier parken. Der Geldtausch dauert etwas länger. Nicht, dass es voll ist. Aber was hier für ein Papierkram ausgefüllt werden muss. Und ich dachte, die Deutschen seien die Helden der Bürokratie. Es werden die Daten vom Ausweis übertragen und auch Fragen gestellt, wie z.B., wie heißt Ihr Vater mit Vornamen? Na ja, mein Vater lebt in NRW und ist nicht in Albanien. Was hat er mit dem Geldumtausch zu tun und wie wollen die das überprüfen?

Auf der Fahrt von Shkoder Richtung Tirana werde ich lange Zeit von heftigen Böen geplagt. Vor Tirana nehme ich Kurs Richtung Durres (das war der Tipp von vielen Albanern, wenn ich kein Nachtleben erleben möchte, dann umfahre Tirana). In Durres mache ich kurz halt und dann geht es über Lushnje nach Berat.

Ich freue mich auf Berat , die Stadt der tausend Fenster (wikipedia ist voll mit Infos).

Berat ist eine der drei Unesco Welterbestätten in Albanien. Hierzu gehören auch Gjirokasta und Butrint. Laut Reiseführer zählt Berat mit zu den schönsten und beliebtesten Städten Albaniens. Beliebteste glaube ich sofort. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, ein Hotel mit einem freien Zimmer zu finden. Ich sehe einen Touristenbus nach dem anderen und die Stadt ist voll mit Touristen. An das Verkehrsgewusel in Albanien hat man sich schnell gewöhnt. Aber hier in Berat fällt mir die Polizeipräsenz auf. Da mein Netzbetreiber mir kein Netz fürs Handy anbietet, nutze ich diese Präsenz und frage bei der nächsten Polizeistreife wegen eines Hotels nach. Erst muss dafür der zuständige Polizist geholt werden. Dieser empfiehlt mir ein Hotel, welches direkt neben der Wache steht und gibt mir die Daten für das Navi. Aber bei Nachfrage im Hotel ist hier leider auch alles over booked. Das werde ich jetzt noch öfter hören. Also fahre ich wieder raus aus Berat und kehre dann ganz langsam zurück. Da steht doch tatsächlich ein Hotel, vor dem keine Fahrzeuge parken. Auf Nachfrage im Hotel Artur erfahre ich, dass alle Zimmer frei sind. Eins reicht mir. Es ist kein Luxushotel, aber wenn man auf Camping eingestellt ist kann ich mit der Qualität der Unterkunft ganz gut leben. Nach dem Einchecken winke ich nach einem Taxi. Anhalten und mich mitnehmen wird Jonny. Ein begeisterter Mercedes Fan. Mercedes gut. Diese Aussage kenne ich mittlerweile. Er fragt mich sofort, ob ich der Motorradfahrer aus Deutschland bin. Das hätten wir dann auch geklärt. Auf dem Weg ins Zentrum von Berat, zeigt Jonny mir noch wo er wohnt und wir vereinbaren den Ort für die Rückfahrt und eine Abholzeit. Er fährt einen W 124 mit knapp 600.000 km auf der Uhr und tätschelt während der Fahrt immer wieder das Armaturenbrett und gibt mir zu verstehen, dass das ein ganz tolles Fahrzeug ist. So leisten die in Europa ausrangierten Dieselfahrzeuge doch noch etwas Gutes. Sie sichern den Menschen hier Ihr Einkommen. Aus dem Auspuff kommt sicherlich mehr Grobstaub als Feinstaub. Den Grobstaub kann ich abends immer aus meinem Halstuch waschen. Da frage ich mich, kann man das bei Feinstaub auch?

In Berat kann man sich die Altstadt mit ihren vielen Fensterfronten und den engen Gassen ganz gut erlaufen. Die Gassen sind schmal und steil. Ein bisschen aufpassen, wenn man über die teilweise doch sehr glatten Pflastersteine geht, schadet nicht. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die verschiedenen Stadtteile, einem kleinen Imbiss (gegrillter Mais) und Kauf eines "Designer Rucksacks" für die beste Ehefrau der Welt mache ich mich auf den Rückweg zum Hotel.  Woher der Beiname "Stadt der tausend Fenster" kommt war jedenfalls klar zu erkennen.  Aber das nachzählen der Fenster habe ich mir geschenkt. Im Hotel gab es am Abend noch eine Diskussion zum Thema Marketing. Alle Hotels, die ich angefahren hatte, waren over booked. Nur hier war ich ziemlich allein. Portale wie Booking.com und andere waren dem Inhaber? überhaupt kein Begriff. Ich habe Ihm die Funktionen einiger Portale gezeigt (WLAN war vorhanden) und er hat noch eine Kontaktperson für Marketing angerufen. Was daraus geworden ist werde ich später noch erfahren.

 

 

 

 

 

 


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