Tour in den Balkan - Teil 9 - Von Berat nach Sarande (Saranda) Albanien

Da ich bei der Ankunft im Hotel direkt bezahlt habe und auf Anraten des Personals das Motorrad in den mit einem Schiebetor gesicherten Innenhof gestellt habe, war ich mir sicher, am nächsten Morgen zügig abreisen zu können. Was für eine


Land / Region:
Albanien / Ionisches Meer

Charakter:
Straße

Länge:
240

Reisezeit:
Oktober



... Überraschung in der Früh, ich stand vor einem verschlossenen Tor. Da ich der einzige Gast im Hotel war, musste ich einige Zeit auf den Mitarbeiter mit der Schlüsselgewalt warten.

Mein Ziel soll Sarande sein. Zu der Qualität der Straßen kann man für den heutigen Tag feststellen, es gibt viele Straßen im einigermaßen guten Zustand. Aber wer wie ich meint, fahr doch einfach die alte und nicht die gut ausgebaute neue Straße, wird dann feststellen, dass Material und Mensch so einiges einstecken müssen. „Schlechte Straße“ – diese Zustandsbeschreibung der Einheimischen sollte man wirklich ernst nehmen und bei der Planung berücksichtigen. Gewarnt hatte man mich ja. Erschwerend kommt bei der Planung hinzu, dass man sich nicht immer auf die Strichdicke bzw. Farbgestaltung auf der Straßenkarte verlassen kann. Denn daraus lässt sich nicht immer auf Straßentyp und Zustand schließen. Aber das kann man bei uns ja auch schon lange nicht mehr. Flickenteppich, Löcher und extreme Bodenwellen sind wir ja mittlerweile gewohnt.

Nach der Ankunft in Sarande ist das Navi beschädigt und die Dicke vorne wie hinten immer wieder durchgeschlagen, so dass ich mir über den Zustand des Bikes ernsthaft Gedanken mache. Immer wenn ein Kleinwagen fressendes Loch in der Straße vor einem auftaucht fällt man beim Ausweichmanöver unweigerlich in das nächst liegende hinein. Das Fahrwerk ist an seine Grenzen gekommen und mein Rücken auch. Meine Planung war zuerst von Berat Richtung Polican und dann nach Gjirokasta zu fahren. Mir wurde aber davon abgeraten diese Nebenstrecken zu fahren. Vielleicht mache ich das ja zu einem anderen Zeitpunkt mit einem wesentlich leichteren Motorrad. Auf dem Motorradmarkt gibt es mittlerweile einige interessante Modelle, wie die Himalayan oder auch die neuen „Kleinen“ von KTM, Yamaha und andere.

Die Gegensätze in Albanien sind teilweise extrem. Da fährt man durch kleine Dörfer und sieht in welchen Unterkünften die Menschen wohnen und wundert sich an anderer Stelle welche Feudalbauten an den Straßen stehen. Gegensätzlicher kann es wirklich nicht sein. Bei den Fahrzeugen sieht es genauso aus. Einerseits wird in den Dörfern der Karren, voll bepackt, vom Esel gezogen und im nächsten Moment donnern schwere Luxuskarossen an einem vorbei. Mir ist das besonders in den frühen Morgenstunden bzw. am Spätnachmittag aufgefallen. Um diese Zeit sind viele auf dem Weg zur Arbeit oder in Richtung Schule unterwegs. Nicht wie bei uns per Mama Taxi sondern zu Fuß oder auf dem Rad. Woran ich mich nicht mehr gewöhnen musste, das hatte ich in Montenegro und Kroatien schon zu Genüge gesehen, war das Thema Müllentsorgung. Abgewrackte Fahrzeuge, Haushaltsgeräte und sonstiger Müll stehen bzw. liegen überall herum. Aber auch hier setzt, wie mir in Gesprächen erläutert wurde, langsam ein Umdenken ein.

Von Berat aus bin ich erst Richtung Fier und dann weiter nach Vlore gefahren. Vlore ist die drittgrößte Stadt Albaniens und liegt an der engsten Stelle der Adria. Sie gilt neben Sarande als einer der großen Touristenorte Südalbaniens. Die Strandpromenade muss sich nicht hinter den uns bekannten Promenaden anderer Urlaubsregionen verstecken. Auffallend viele Hotelneubauten sind vorhanden. Von hier geht es über die SH8 weiter Richtung Sarande. Da ich in den letzten Jahren schon einige Küstenstraßen abgefahren habe, bin ich gespannt wie mir die Strecke gefallen wird. Bis kurz vor der Halbinsel Karaburun fährt man fast immer in Wassernähe. Die SH 8 macht dann jedoch einen Linksknick und es geht Richtung Orikum. Hinter Dukat steigt die Straße stetig an und wird zu einer Passstraße und bald bin ich mitten im Pinienwald. Das Meer ist nicht mehr zu sehen. Dass diese Straße auf knapp 1000m Höhe steigen wird und über den Llogara Pass führt, war mir nicht bewusst. Küstenstraße und dann so hoch? Einfach super. Man fährt einige Zeit durch den NP Parku Llogarase. Wenn man dann die Passhöhe erreicht hat und über den letzten Buckel drüber weg ist, wird der Blick auf das Ionische Meer frei und die Landschaft ändert sich wie von Zauberhand. Der dichte Wald liegt hinter mir und die Landschaft direkt vor mir ist felsiger und sichtbar steiler.

Jetzt wird mir wieder einmal bewusst, warum ich Küstenstraßen so gerne fahre. Diese hier ist wirklich klasse. Jetzt hat man Blick auf die hellen Sandstrände, das türkisfarbene Meer und wenn Petrus es zulässt Blick auf Korfu. Sehr schön ist die noch zu fahrende kurvenreiche Strecke zu erkennen und von hier oben, knapp 1000m über Meereshöhe, ist die Küste fast greifbar nah. Nachdem ich Korfu noch so gerade erkennen konnte, war Petrus wohl der Auffassung, mir ab einer bestimmten Höhe immer eine Dusche geben zu müssen. Bis Saranda waren es noch einige Kilometer zu fahren und auf jeder Anhöhe goss es kräftig und sobald man in Wassernähe war wie in Himare oder bei Qeparo konnte man sich in der Sonne wieder trocknen. Das war aber alles egal. Dieses rechts/links und auf/ab macht einfach Spaß, besonders wenn man so ziemlich alleine auf der Straße unterwegs ist. Die Strecke und die Aussicht waren einfach zu schön, um sich das von dem bisschen Regen vermiesen zu lassen. Die Straße ist gegenüber vielen anderen Strecken in einem guten Zustand, in den Dörfern ist das nicht immer so. Hier sind immer wieder Unebenheiten vorhanden. Aber man sollte sowieso immer aufmerksam sein, denn Ziegen oder auch Gänse queren häufig die Straße und was nicht über die Straße läuft, schläft einfach auf ihr.

Meine Unterkunft für Sarande habe ich schon in Berat vorgebucht. Hier sage ich nur, Glücksgriff. Warum wollte ich nach Sarande? Die Stadt gehört zu den wichtigen Urlaubszielen dieser Region und von hier ist es nicht weit bis Griechenland. Nach Griechenland muss ich, weil ich mir kurzfristig ein Fährticket von Igoumenitsa nach Venedig besorgt habe. Die Fährfahrt dauert knapp 24 Stunden und die Kosten sind mit knapp 90 EUR für Biker mit Motorrad wirklich überschaubar. Die Grenznähe ist der eine Grund und im Vorfeld habe ich mir überlegt von hier aus Korfu, eventuell doch Gjirokasta und den Bereich um Butrint mit dem Bike zu erkunden. Korfu ist mit der Fähre schnell zu erreichen und Butrint liegt um die Ecke.

Früher waren es vor allem albanische Touristen die in Sarande Ihren Urlaub verbracht haben. Aber in den letzten Jahren scheint ein regelrechter internationaler Tourismus Boom entstanden sein. Am Strand und in den Lokalen konnte man außer Deutsch, Englisch, Italienisch auch noch anderes Sprachgewirr vernehmen.

Adresse meiner Unterkunft: Relax Apartements Saranda, Familie Besnik (Niko) Bode, Rruga Idriz Alidhima, Al 9702 Sarande

 

 

 

 

 

 

 


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