Auf nach Rumänien. Viel zu lange habe ich gewartet um Rumänien zu besuchen. Nach Lektüre und schauen von Reiseberichten im TV steht für mich fest, dass vom Donaudelta im Süd - Osten des Landes bis nach Temesvar und den tollen Passstraßen (Transalpina / Transfágárásan) in den Karpaten, Rumänien auf jeden Fall viel zu


Land / Region:
Rumänien / Ungarn / Österreich / Wien / Ungarn / Maramures

Charakter:
Straße

Länge:
Solingen - Hamburg 480km, Wien Satu Mare 590km, ÖBB (Nightjet) HH - Wien Streckenlänge unbekannt

Reisezeit:
Mai



... bieten hat. Mir hat es besonders die Transfágárásan angetan, einst ein Prestigeprojekt des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu.

Nachdem ich meine Pläne im Freundeskreis dargelegt habe beschließt Stefan spontan mitzufahren. Das heißt neben meiner Dicken fährt eine frisch gekaufte AT mit. Schnell haben wir unsere Vorstellungen zusammengeworfen und hoffen darauf, dass die bekannten Pässe im Mai schon befahrbar sind. Um nicht stundenlang Autobahn bolzen zu müssen wählen wir die Anreise via Hamburg nach Wien mit dem ÖBB Autoreisezug. Bis Hamburg werden wir viel Landstraße fahren. Dafür haben wir uns von dem Artikel „In 48 Stunden um die Welt“ von Dennis Ciminski-Tees (Text & Fotos) und Markus Möller (Fotos) inspirieren lassen. Wir wollen keine Norddeutsche Weltreise machen, sondern als Kurven- und Bergverwöhnte Bergische mal schauen ob es im flachen Land auch so viele schöne kurvenreiche Sträßchen gibt. Wir kommen aus der Klingenstadt Solingen (NRW), aber auf dem Weg nach Hamburg sollten sicherlich viele kleine Sträßchen, nette Gemeinden und anderes Lohnenswertes am Wegesrand zu erkunden sein. In Hamburg findet auch das Hafenfest statt. Dort wollen wir uns noch ein bisschen umschauen, um am Abend dann mit dem ÖBB Autoreisezug nach Wien zu fahren. So im groben wollen wir es angehen. Im Vorfeld war uns auch klar, dass wir auf die Zeltausrüstung verzichten und uns lieber nette Übernachtungsmöglichkeiten in Pensionen oder Hotels suchen.

Bevor es losgeht schau ich immer auf die Website vom Auswärtigen Amt. Das wird uns also erwarten:

Allgemeine Reiseinformationen (Auszug) - Gelesen am 11.04.2019 (Quelle: Auswärtiges Amt)

Straßenverkehr

Das Verkehrsaufkommen (überwiegend LKW im Transitverkehr) auf den Fernstraßen ist hoch. Zahlreiche Autobahnabschnitte sind weiterhin unvollendet. Einige der in Betrieb genommenen Strecken haben zudem noch keine Ausfahrten, Raststätten oder Tankstellen. Auf den übrigen Überlandstrecken muss mit sehr unterschiedlicher Fahrbahnqualität und häufigen Bauarbeiten gerechnet werden. Vorsicht vor Schlaglöchern, Asphaltverwerfungen und Unterspülungen am Fahrbahnrand; Gefahrenstellen sind oftmals schlecht ausgeschildert. Auf die gelegentlich rücksichtslose Fahrweise vor allem von Motorradfahrern, Bussen und LKWs wird hingewiesen. Fahrten nach Einbruch der Dunkelheit sollten vermieden werden, da mangelhaft gesicherte Baustellen, Fußgänger, Radfahrer und langsame Fuhrwerke, die zudem schlecht oder gar nicht beleuchtet sein können, eine zusätzliche Gefährdung darstellen. In Rumänien gilt im Straßenverkehr die 0,0 Promillegrenze.

Polizeikontrollen, Korruptionsrisiko

Bei Begleichen von Geldstrafen wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung ist darauf zu achten, dass die Verkehrspolizei eine Quittung ausstellt. Wird die Strafe vor Ort oder innerhalb von zwei Arbeitstagen bei den zuständigen Stellen beglichen, wird lediglich die Hälfte der Mindeststrafe fällig. Auch kleinere Verkehrsverstöße können schnell zu einem Führerscheinentzug und zur Verhängung eines nur für Rumänien geltenden Fahrverbotes führen.

1. Tag, es geht los. Die Bikes sind reisefertig. Nur das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wetterbedingt fahren wir von Solingen bis Porta Westfalica Autobahn, gut ausgestattet mit Regenkombi. Kurz vor Porta Westfalica wird das Wetter besser und wir fahren jetzt über kleine Sträßchen Richtung Hamburg. Als willkommenes Wegesrandobjekt ist uns die Sprengeler Mühle in Neuenkirchen-Sprengel unter die Räder gekommen. Hier kann man Mühlentechnik hautnah erleben. Wer also mal in der Nähe ist, kann hier sicherlich eine interessante Pausenzeit verbringen. Aber jetzt ab nach Hamburg, welches wir bei bestem Wetter erreichen. Das Hafenfest begeistert uns, besonders das alkoholfreie „Fahrbier“. Der Werbespruch von AIDA im Hafen „Ab Hamburg die Welt entdecken“ passt zu unserem Vorhaben.

Hamburg Altona ist der Bahnhof, von dem wir mit dem ÖBB Nachtzug abfahren werden. Als wir im Verladebereich ankommen, stehen schon einige Bikes im Inneren des Bahnhofs. Ungewohnt, aber für die anderen Reisegäste sicherlich interessant. Ein Teil des Bahnsteigs ist nämlich abgesperrt, damit wir die Bikes sicher auf den Reisezug fahren können.

Die reservierten Plätze in der Bahn nutzen wir nicht, sondern nehmen uns ein leerstehendes Abteil. Hier können wir unsere Klamotten besser ausbreiten. Was für eine entspannte Anreise. Nach ein paar Bierchen und viel Vorfreude auf Rumänien fallen wir in einen ruhigen Schlaf und es lässt sich autobahnfrei träumen. Es geht nichts über eine entspannte Ankunft im Zielort Wien.

2. Tag, da wir mit An- und Abreise nur 9 Tage zur Verfügung haben, werden wir die knapp 600 km bis Satu Mare so schnell wie möglich runterspulen. Einzige Ausnahme ist der Abstecher nach Budapest, was uns bei bestem Wetter sehr gut gefallen hat. Unser Ziel Satu Mare ist die Kreishauptstadt des gleichnamigen Kreises im Norden von Rumänien und soll unser Startpunkt für unsere kleine Rumänientour sein. Als Startpunkt haben wir den Norden Rumäniens auch aufgrund seiner Ursprünglichkeit mit seinen vielen Holzkirchen und orthodoxen Klöstern gewählt. Besonders die Holzkirchen sind ein prägendes Merkmal für den Bezirk Maramures und ganz nebenbei soll es laut Reiseführern hier auch noch viel ursprünglicher zugehen als im doch schon stark touristisch erschlossenem Siebenbürgen. Übernachtet haben wir in Satu Mare im Hotel Poesis.

Schon auf der Fahrt nach Satu Mare, der großen Kreisstadt im Norden, merken wir, dass die Uhren hier noch anders ticken. Neben vielen Dacia und auch PS protzigen PKW fahren hier auch immer wieder Pferdefuhrwerke ganz selbstverständlich auf der Straße. Für uns sicherlich ein ungewohntes Bild. Besonders, da diese nicht zum Flanieren unterwegs sind, sondern hier noch als Arbeitsgerät und als wichtiges Transportmittel eingesetzt werden.

3. Tag, heute wollen wir uns in Richtung Praid orientieren. Nach einer knappen Stunde Fahrt biegen wir ab auf einen Markt. Die örtliche „Trinkerszene“ bietet uns einen Schnaps an, den wir dankend ablehnen. Aber die Kommunikation klappt aufgrund seines guten Englisch sehr gut. Nachdem er mein T-Shirt (Che) gesehen hatte wird aus diesem kleinen Abstecher auf den Markt ein großer Trikottausch. Der einzige Nachteil nach dem Tausch ist für die nächsten Stunden Fahrzeit der Schnapsgeruch und das ungewohnte Kratzen des synthetischen Stoffes im neu erworbenen T-Shirt. Der heutige Tag sollte ein langsamer Reisetag werden. Nur kurze Zeit später sehen wir auf einem größeren Grundstück zwei kräftige Männer, welche mit Pferden und einem Pflug den Boden umgraben. Ich weiß nicht, wann ich das das letzte Mal gesehen haben. Also wird angehalten und wir wollen uns das mal anschauen. Es gibt eine herzliche Begrüßung, bei der ich aber nicht weiß wo meine Hand abgeblieben ist. Feldarbeit macht nicht nur starke Arme, anscheinend auch große Hände (Pranken). Die beiden zeigen uns sehr ausführlich das Pflügen und auch das Aussäen wird uns anschließend sehr detailliert gezeigt. Nach geraumer Zeit geht es weiter. Aber schon nach kurzer Fahrtstrecke biegen wir rechts einen Weg hinauf zu einer orthodoxen Kirche. Wir sind noch nicht ganz abgestiegen und schon kommt ein freundlicher älterer Mann auf uns zu. Zuerst denke ich, da scheint eine Baustelle zu sein und er möchte uns von dem Besuch abhalten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wir dürfen in die Kirche und er zeigt uns die Kirche und die einzelnen Restaurationsschritte. Ob das bei uns zu Hause auch so geklappt hätte? Er nimmt sich alle Zeit der Welt und nachdem wir die orthodoxe Kirche verlassen haben, führt er uns zu einer kleinen Nebenkirche. Er schließt die Tür auf, was aufgrund der Schlosskonstruktion etwas länger dauert, und beschreibt uns gestenreich dieses kleine Einod. Da ich das Baujahr nicht verstehe, nimmt er kurzerhand einen Stift und notiert das Erbauungsjahr auf das Mauerwerk. Schade das die Sprachbarrieren eine bessere Kommunikation nicht zulassen. Aber hier kann ich schon festhalten, wir werden nicht nur am heutigen Tag, sondern die nächsten Tage ganz viele freundliche und auch neugierig interessierte Menschen treffen. Allein dafür hat sich diese kurze Reise schon gelohnt. Wir bedanken uns für die tolle und ausführliche Führung und sehen beim Verlassen der Kirche im Eingangsbereich ein ehemaliges Fahrzeug der freiwilligen Feuerwehr Wiesfleck stehen. Heute ist das gepflegte Fahrzeug für die Feuerwehr Remeti im Einsatz. Jetzt geht es weiter Richtung Sâpânta.

Im Reiseführer wird hier besonders der Fröhliche Friedhof (Cimitirul Vesel) und das Peri Kloster als Pflichtbesuch angepriesen. Den Friedhof kann man nicht verfehlen. Der Ort ist nicht besonders groß und sobald man von der Hauptstraße abgebogen ist führen praktisch zwei Sträßchen zum Fröhlichen Friedhof und auch zwei sehr schöne Kirchen, mit dem für diese Region typischen Spitzdach, zeigen einem den Weg dorthin. Ganz nebenbei: Wann sieht man schon mal einen Friedhof, bei dem auf der Zuwegung viele Souvenirshops und Imbissbuden den Weg bis zum Eingang säumen. Was ist hier denn nun so einzigartig? Die Grabsteine sind aus Holz, bunt bemalt und mit persönlichen Texten über den jeweiligen Verstorbenen versehen. Der Künstler Stan Ioan Pâtra begann in den 1930er Jahren damit, diese wirklich kunstvollen Grabsteine zu schaffen. Aufgrund der Bemalung läßt sich auch ohne große Sprachkenntnisse der Beruf des Verstorbenen erahnen. Viel Spaß beim Berufe raten im Bild. Die Tradition der Gestaltung dieser kunstvollen Grabsteine wird noch heute fortgesetzt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang über den Friedhof machen wir uns auf den Weg zu der weiteren Attraktion des Ortes, dem Peri Kloster. Nach diesem kurzen Abstecher geht es auf zum Grenzübergang in die Ukraine. Wir wollen nur mal schauen, ob es Sinn macht, einen Streckenteil durch die Ukraine zu fahren oder ob das Grenzprocedere uns doch zu viel von unserer Zeit stiehlt.

Gefahrene Strecke: Solingen – Hamburg  (Hamburg – Wien mit ÖBB)  Wien – Budapest - Satu Mare – Livada – Remeti - Sâpânta

Hinweis: Die Strecke von Solingen nach Hamburg und von Wien nach Satu Mare  sind wir mit dem Bike gefahren. Die Strecke von HH nach Wien wurde mit dem ÖBB Autoreisezug gefahren. Streckenführung der ÖBB ist mir nicht bekannt (Darstellung der Strecke auf der Karte ist nur fiktiv). Die Streckenführung Satu Mare nach Praid ist in Teil 2 hinterlegt.

Der weitere Verlauf des 3. Tages wird in Teil 2 beschrieben

 

 

 


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