Da hatten wir am Tag Eins kaum die schaukelige Fähre in Newcastle mit eben gerade noch gesunder Gesichtsfarbe verlassen und hingen bereits mitten drin im Lieblingshobby der Engländer: dem Anstehen. Passkontrolle. Wie jetzt? EÜ? Eben, aber nix Schengen, der Vertrag ist unterwegs in der Nordsee feucht geworden und das war es dann mit


Land / Region:
Schottland / Rhins of Galloway

Charakter:
Asphalt

Länge:
280

Reisezeit:
April - September



... grenzenlosem Verkehr. Naja, dann nutzen wir mal die Zeit des unnützen Rumstehens, denn erstens kommt es anders. In der Vergangenheit gab es auf unseren vielen Reisen immer Momente, in denen Flexibilität nicht die schlechteste Lösung war. England und Süd-Schottland machten da nun so gar keine Ausnahme.

Wir planen also spontan neu. Vorgesehen war ja, sich zügig nach Gretna Green zu verdünnisieren, um während den ersten zwei Tagen den Südwesten Schottlands auf kleinen Sträßen entlang der Süd-Küste ausgiebig kennenzulernen. Da macht uns jedoch der Wetterfrosch, kläglich in den Tiefen seines Glases quakend, einen gehörig breiten Strich durch die Rechnung. Kühl, windig und nass sollte es in den ersten paar Tagen werden. Da bot sich doch an, sich sofort auf dem schnellsten Weg in den äußersten Westen, den Rhins of Galloway zu wagen. "Die Halbinsel ist mit ihren hügeligen Weiden und Wiesen landschaftlich äußerst reizvoll und bietet sich für einige ruhige Tage an." hatte ich irgendwo gelesen. Ankommen und Akklimatisieren in Dumfries und Galloway. Passt!

In Torrs Warren Country House ein Zimmer für die nächsten vier Nächte gebucht und ab die Post. Doch halt - erstmal gucken wie das mit Linksverkehr so läuft bzw. fährt. Die erste Überraschung: Null Problemo. Geht doch. Die zweite Überraschung: die schnuckelige Unterkunft, ausgestattet mit einem Restaurant, welches durchaus schmackhafte Gerichte anzubieten wusste und in dem man mitten in der Hausbibliothek sein Dinner einnimmt. Nur die fehlenden Quadratmeter unseres Zimmers suchen wir auch heute noch.

Vom Wetter lassen wir uns erstmal nicht abschrecken und starten anderntags nach einem ausgiebigen Frühstück nach Portpatrick, einem kleinen Küstenort im Westen. Die nur 30 km entfernte irische Küste lässt sich allerdings nicht blicken, duckt sich wohl in den böigen Winden weg. Dafür erblicken wir in der See einen gelegentlich auftauchenden Delphin auf seiner Reise Richtung Norden. Am Ende des längeren Küstenbummels fallen wir in einem der örtlichen Restaurants ein, eine heiße Suppe kommt gerade recht.

Auf dem Weg zum südlichsten Punkt Schottlands, dem Mull of Galloway, schließen wir erste Bekanntschaften mit einigen Single-Track-Roads, welche durch die hügelige Landschaft gen Süden führen. Die schmale Halbinselspitze ist Schutzgebiet und Heimat von Tausenden von Seevögeln. Ääh - Vögel? Häh? So sehr wir uns auch bemühen, außer robusten Möwen und wenigen Kormoranen sehen wir von Vögeln so viel, wie von der irischen Küste - nämlich nix. Denen ist doch wohl nicht etwa zu stürmisch? Weicheier, kein Wunder, dass Seevögel kein Moped fahren.

Immerhin ist das kleine Infozentrum nahe des Leuchtturms ein Gewinn. Wir unterhalten uns dort lange mit zwei jungen Biologen über die Seevögel und finden gemeinsam heraus, um welchen Delphin es sich am Vormittag gehandelt hat. Sehr empfehlenswert, das alles.

Da wir aber schon mal dabei sind uns an Leuchttürmen zu erfreuen, besuchen wir anderntags das ganz im Norden der Rhins liegendende Corsewall Lighthouse, welches ein sehr schnuckeliges Hotel beherbergt. "Tea for Two" an der Stelle ein Muss des Tages, nicht nur wegen des Aufwärmens, sondern um die Inneneinrichtung ausgiebig bestaunen zu können.

Zweiter Anlaufpunkt des schon dritten Tages in Schottland ist ein herrlicher Landschaftsgarten, angelegt zwischen zwei Lochs, wenige Kilometer - Verzeihung, Meilen - nordöstlich unseres Quartiers gelegen: die Castle Kennedy Gardens, welche vor allem für ihre Rhododendren berühmt sind. Was für eine Farbenpracht der vielen Büsche - ach, was: wahre Bäume, vor denen wir da staunend stehen. Wunderherrlich angelegt, bestaunen und erschlendern wir dieses weiträumige Arrangement ausgiebig, holen uns einen Farben- und Duftrausch. Mehr als nur ruhigen Gewissen empfehlen wir dieses Erlebnis auch jedem Schottlandreisenden.

Genügend Zeit haben wir ja, da lohnt sich doch nach einem ausgiebigen Schottischen Frühstück am vierten Tag unserer Reise eine Rundfahrt über die Halbinsel The Machars mit hügeligen Wiesen- und Weidenlandschaften. Am südlichen Ende liegt zudem der kleine malerische Hafenort Isle of Whithorn und das kleine Örtchen Wigtown kann sich mit dem Titel "Scotland's National Book Town" schmücken. Kultur und Geschichte gibt es jedenfalls zuhauf und mit Whithorn lässt sich sogar die Wiege des Christentums in Schottland besichtigen.

Auf dem Rückweg von Wigtown findet sich auf der B733 der Torhouse Stone Circle. Dieser alte Kreis hat einen Durchmesser von 20 Metern und besteht aus 19 Felsblöcken, die zusammen einen der am besten erhaltenen Steinkreise in Schottland darstellen. Archäologen schätzen, dass der Kreis aus der Bronzezeit stammt - vor 4.000 Jahren - und auf die Wintersonnenwende ausgerichtet ist. Das Wissen um den ursprünglichen Zweck des Kreises ging allerdings  verloren.


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