Früh am Morgen machen wir beim Packen zunächst die unfreundliche Bekanntschaft mit den Midges, jenen penetranten unvermittelt in Wolken auftauchenden blutgierigen "Monster"-Mücken, die einen den letzten Nerv rauben können. Nix wie weg!

Wir nehmen wieder die kurze Fähre auf die halbinsel Morvern und setzen in Ardgour mit einer noch


Land / Region:
Schottland / Westcoast

Charakter:
Straße

Länge:
570

Reisezeit:
Mai - Oktober



... kürzeren Fährfahrt nach Corran zur A82 über, die uns erneut nach Fort William führt. Von dort aus geht es in nordwestlicher Richtung gen Loch Ness weiter. In Invergarry biegen wir auf eine beeindrückende Fahrt durch das Glen Garry zum beeindruckenden Glen Garry Viewpoint, einem beliebten Fotostopp, ab. Kurz vor dem Abzweig nach Shiel Bridge in Richtung der Isle of Sky, bieten sich noch einmal fantastische Ausblicke auf Loch Cluonie.

Wir haben unseren ursprünglichen Plan wieder einmal geändert und lassen die Insel links liegen. Die grausigen Wetteraussichten lassen es nicht ratsam erscheinen überheupt einen Gedanken an Camping zu verschwenden und die wenigen noch freien Unterkünfte erwarten ein halbes Vermögen für eine trockene Schlafstätte. Neues Ziel sind nun die Küsten gen Norden über Applecross und Ullapool. Doch zunächst statten wir dem Uruquhart Castle einen Besuch ab.

Einst eines der größten Castles in Schottland, wurde es mehrfach zerstört und wieder aufgebaut und ist heute eine Ruine, die jedoch ihr Eintrittsgeld wert ist. Im Schlendergang lassen sich nicht nur Türme ersteigen sowie die eigene Bildung ausbauen, sondern auch sehr schöne Ausblicke über Loch Ness genießen. Und - nein, wir haben SIE nicht gesehen.

Am nächsten Morgen starten wir von unserem Quartier in Garve zunächst in südwestlicher Richtung nach Lochcarron, wo unser Küstenabenteuer starten soll. Nördlich des Loch Carron liegt mit der Region Western Ross, eine der spektakulärsten Landschaften Europas. Dramatische Bergmassive, fjordähnliche Lochs, wunderschöne Strände und abgeschiedene Küstenorte geben sich die Klinke in die Hand.

Es gibt viele Straßen in Schottland, die als die "schönste" beschrieben werden könnte, die durch eine gebirgige Mondlandschaft führende Strecke über den höchsten Pass Schottlands Bealach-Na-Ba (626 m) mit seinen halsbrecherischen Serpentinen mit fantastischen Ausblicken zur Isle of Sky und das schroffe Gebirge gehört definitiv dazu. Gleich ein ganzes Rudel von Aussichtspunkten der Extraklasse lassen einen begeistert unter dem Helm mitheulen, insbesondere deshalb, weil wir im Trockenen fahren dürfen, während auf der Isle of Sky die Wetterbären toben! Aber aufgepasst: die Straße wird trotz Verbots auch von an Sturheit nicht zu überbietenden Campern befahren.

Applecross ist ein kleiner ruhiger Ort und hat so gar nix mit Äpfeln zu tun, vielmehr leitet sich der Name von Apor Crossan - Quelle des Crossan - ab. Wir folgen der Scenic Route weiter gen Norden und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Einziges Handicap sind Schafe, die unaufgefordert auf der Strße lümmeln und diese auch mal unvermittelt vor den Reifen queren. Die Strecke von Shieldai nach Torridon hat steile Anstiege und tolle Ausblicke auf Loch Torridon und die von Gletschern abgefrästen Bergrücken des Beinn na h-Eaglaise. Riesige rosafarbene Steinwürfel sind als Farbtupfer verstreut in die Landschaft gekegelt, ein prächtiges Farbenspiel von Rhododendren, Ginster und Spiersträuchern säumt die Straßenränder.

Unbedingt anfahren: das Applecross Smokehouse! Zwischen Kenmore und Ardheslaig gelegen, bekommt man dort den besten Räucherfisch Schottlands (mehrfach ausgezeichnet).

Die um 1000 m hohen Berge von Torridon bieten die eindrucksvollsten Panoramen von Schottland. Doch am heutigen Tag verstecken sie sich im dichten Wolkengeflecht und als wir das Städtchen erreichen, setzt der Regen ein. Wir verkriechen uns in das völlig überfüllte Torridon Stores & Cafe, bekommen aber nach kurzer Wartezeit vom überaus freundlichen Personal ein Plätzchen am Fenster zugewiesen, vor dem nun die Elemente wütend toben und wir und die Bedienung haben auch unseren Spaß.

Bis Kinlochewe verläuft die Straße nun relativ flach, wir halten uns dort links und erreichen bald Loch Maree. Steil ragen die Gebirgszüge auf beiden Seiten des mit kleinen Inselchen durchsetzten Binnensees auf, die Hänge sind dicht bewaldet, Flusstäler haben sich tiefe Furchen gegraben - Sicherlich einer der schönsten Binnenseen Schottlands!

Tipps am Rande:

a) bei Slattadale beginnt ein beschildeter Weg zu den Victoria Falls - von dort ein traumhafter Ausblick auf Loch Maree und die verstreuten Inseln

b) in Shieldaig nach Redpoint abzweigen: auf einer Single Track Road hinaus in die karge Wildnis!

Gairloch, unser Übernachtungsort, hat außer einem Fischerhafen nicht viel zu bieten. Auf unserem Abendbummel entdecken wir außer einigen netten Ausblicken nicht viel, so dass wir am anderen Morgen zügig zur Weiterfahrt auf der Küstenstraße aufbrechen. Wir passieren bald das wunderschön am Ende des Loch Ewe gelegene Örtchen Poolewe. Dort sollte man auch den Inverewe Gardens einen Besuch abstatten, denn die Anlage zählt zu den herausragenden Gärten Großbritanniens. Besonders im Mai und Juni blühen die Rhododendronbüsche in allen Farben.

Bis Laide legt sich wieder eine landschaftlich überaus reizvolle Strecke mit tollen Ausblicken auf Loch Ewe vor die Reifen. Auch die weiten Kurven von Laide nach Mungasdale mit schönen Ausblicken auf die Gruinard Bay und das vorgelagerte Gruinard Island (die allerdings eine Horror-Geschichte vorweisen kann), garniert mit einem satten Anstieg, sind nicht zu verachten.

Wir erreichen schließlich Ullapool, Fischereihafen und der größte Ort in Western Ross. An der Seeseite reihen sich Fischerhäuser malerisch aneinander; heute beherbergen sie Lokale und Geschäfte.

Bei unserer Ankunft liegt "draußen" im Loch Broom ein Kreuzfahrtschiff, welches im Viertelstundentakt seine Passagiere am Kai ausspuckt, die mit kleinen Booten an die Hafenmole verbracht werden. Als hätte jemand Münzen eingeworfen, startet damit jedesmal der "Automat" mit Dudelsack-Geplärre und Hupfdohlen plätteln sich die Füße wund und was das Zeug hält. Wir ziehen uns zurück und verbringen unsere Pause nach einem Spaziergang in einem Lokal im Ort.

Nördlich von Ullapool beginnt eine der ältesten Landschaften Europas und eine "andere" Welt, eine beinahe unwirkliche Gegend mit Moorland, steil aufragenden Bergen und Lochs. Wir fahren weiter auf der West Sutherland Coastal Road, die sich landschaftlich einmalig weiter an der Küste entlang schlängelt. Die schmale Straße führt unmittelbar am Meer entlang und ist überwältigend schön, sollte aber mit Vorsicht befahren werden. In Lochinver haben wir dann unser Ziel erreicht. Für die nächsten drei Nächte haben wir uns hier einquartiert.


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