7. Tag, die Nacht war sehr kurz. Als Katerfrühstück kredenzt mir die Hausherrin erst einmal eine Zitronenlimonade. Als Mitbringsel für zu Hause kaufe ich mir noch zwei Flaschen Dattelschnaps. Kurz vor 11:00 Uhr brechen wir auf. Das Ziel ist Timisoara. Die Stadt liegt im Westen Rumäniens und soll der Ausgangspunkt für


Land / Region:
Rumänien / Eselnita (Donau) - Timisoara und Rückfahrt nach Solingen

Charakter:
Straße

Länge:
300 + 780 + ÖBB + 400

Reisezeit:
Mai



... unsere Rückfahrt nach Wien sein. Was noch erwähnenswert ist, mein Handyguthaben und das von Stefan ist bei unserer Ankunft gestern Abend innerhalb kürzester Zeit auf Null EUR gesunken. Telefoniert haben wir nicht. Aber, wie uns versichert wird, Schuld sind die starken Sendemasten auf serbischer Seite. Fazit: Handy ausschalten oder die Parameter anpassen!

Die nächsten 100 km werden wir an der Donau entlang fahren. Der erste Halt kommt schon nach kurzer Zeit. Die Statue (der Kopf) des Decebalus ist einfach sehenswert und nicht zu übersehen. Sie steht direkt am Mraconia Ufer und kann von der Brücke aus hervorragend betrachtet werden. Parken ist vor oder hinter der Brücke möglich. Sie ist die größte Felsskulptur Europas. An der Unterseite der Skulptur befindet sich folgende Inschrift: "DECEBALUS REX  -  DRAGAN FECIT" (König Decebalus - von Dragan, der letzte König von Dakien). Die Felsskulptur ist eine ständige Erinnerung an den dakischen König und an die Geschichte Rumäniens. Von diesem Bereich aus sind auch Schiffsfahrten zum „Eisernen Tor“ möglich. Hierbei handelt es sich um einen der imposantesten Taldurchbrüche Europas. Nachdem wir ein paar Bilder geschossen haben fahren wir am Kloster Mraconia vorbei. Dieses liegt an der engsten Stelle der Donau auf rumänischer Seite. Auf beiden Seiten der Donau wurden Schutzgebiete eingerichtet. Kurze Zeit hinter Mraconia weitet sich die Donau bis zur Breite eines Sees. Über gut 100 km fahren wir an der Donau lang. Auf der rechten Seite fahren wir an steilen Felswänden vorbei, auf der linken Seite die Donau. Wir müssen aufpassen, dass wir durch den Blick auf die grünen Wälder, welche von weitem betrachtet fast nahtlos ins Wasser übergehen, nicht zu sehr abgelenkt zu werden. Als wir die Festung Golubac auf der serbischen Seite sehen, die zu den schönsten mittelalterlichen Festungen an der Donau zählt, ist es nicht mehr weit bis Pojejena. Hier biegen wir ab Richtung Timisoara. Die ersten 20 km sind kurvenreich und wir machen einen kurzen Halt am Grenzübergang Naidâs nach Serbien. Vor dem Übergang stehen in Mengen ausrangierte Dacia. Zur Abholung? Hätten wir jetzt einen Tag mehr Zeit zur Verfügung würde sich die Strecke Richtung Ausgangsort Orsova/ Eselnita durch Serbien anbieten. Das wäre ein wirklich schöner Tagestrip.

Vor ein paar Jahren habe ich mit meiner Ehefrau eine Radtour entlang der Donau gemacht. Wir sind mit dem Motorrad nach Passau und von hier aus tagsüber mit dem Rad pro Tag ca. 70 km gefahren und in der Nacht mit dem Schiff zum nächsten Ort. Endziel war Wien und dann die gleiche Strecke Retour. Bei der Ankunft in Passau waren Beine und Po durchtrainiert und wir haben anschließend mit dem Mopped unsere Kroatientour genossen. Auf jeden Fall hat mir die Donautour damals gut gefallen und nach dem heutigen Tag an der Donau lang kann ich mir vorstellen, die Donau von ihrem Ursprung im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer entlang zu fahren.

Kurz vor 18 Uhr erreichen wir Timisoara. Mit über 300.000 Einwohnern gehört Timisoara zu den großen Städten in Rumänien. Bekannt wurde Timisoara 1989. Ein Aufstand der Bürger gegen das kommunistische Regime führte letztendlich dazu, dass Timisoara die erste befreite Stadt Rumäniens wurde und sich von hier aus die Revolution durch Rumänien zog.

Stefan hat auch schon eine Unterkunft gefunden. Wir checken im Boutique Hotel Casa del Sole ein. Das Hotel liegt sehr zentral und das Historische Centrum ist zu Fuß gut zu erreichen. Nach einem Bier machen wir uns auf in Richtung Altstadt. Je näher wir dem Piata Victorei kommen umso lauter wird es. Hier findet gerade ein großes Volksfest statt. Wir sind überrascht wie gepflegt dieser Platz ist. Hier wurde auf jeden Fall viel in die Renovierung investiert. Wir lassen uns treiben und stehen irgendwann auf dem Piata Unirii. Was für ein Platz! Dieser Platz ist der älteste Timisoaras. Er wird von Kirchen und Palästen aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert umsäumt. Wir müssen einige Zeit suchen um noch einen freien Platz im Außenbereich eines Restaurants zu finden. Die Pracht, die diese Gebäude ausstrahlen, das geschäftige Treiben und die stark besuchten Restaurants stehen im krassen Gegensatz zu den kleinen Dörfern und Gemeinden, die wir in den letzten Tagen durchfahren haben. Es ist sicherlich kein Wunder, dass Timisoara Europäische Kulturhauptstadt 2021 ist. Aus unserer Sicht ist sie auf jeden Fall eine Reise wert.

Mit Timisoara haben wir unseren letzten Aufenthaltsort in Rumänien erreicht. Das vielbemühte Wort „Zeitreise“ in vielen Berichten über Rumänien können wir nur bestätigen. Die Dörfer in den Maramures oder die Verkaufsbuden in der Bicaz Klamm, die Pferdefuhrwerke und die mühsame Feldarbeit stehen im krassen Widerspruch zu den Städten Sibiu und Timisoara, in denen das Leben so ganz anders, so modern ist.

Morgen (8. Tag) wollen wir uns auf den schnellsten Weg Richtung Wien aufmachen. Der schnellste Weg wird es nicht, wir machen doch noch einen kleinen Umweg über Bratislava (Gesamtstrecke 780km). Stefan und ich wollen unsere Koffer noch mit einem zusätzlichen Aufkleber tapezieren. Am späten Nachmittag kommen wir in Wien an, tanken noch einmal den preiswerten Sprit und am Abend geht es mit dem ÖBB Autoreisezug nach Hamburg. Am 9. Tag unserer Reise geht es nach der Ankunft mit dem Autoreisezug erst einmal nach Sankt Pauli. Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir noch knapp 400 Kilometer von Hamburg zurück in unseren Heimatort Solingen.

Rumänien wir kommen wieder.

 

 


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