Nein, Tunnelfans sind wir wirklich nicht, erst rechnt nicht, bei so einem Wetter. Aber heute gibt es davon reichlich. Nicht dass wir versucht hätten, einige davon zu umfahren. Aber bereits beim ersten Versuch, nach wenigen Kilometern einen Tunnel-Bypass zu nutzen, wurden wir am Ulevavatnet von einem Schneebrett bzw. einer Straßensperre


Land / Region:
Norwegen / Hordaland

Charakter:
Straße

Länge:
200

Reisezeit:
Mai - September



... ausgebremst. Es wäre so schön gewesen ... Also rein in den fast 6 km langen Haukelitunnel. Auch der nächste Versuch, den nur ca. 1000 m langen Svandalsflonatunnel zu umfahren scheitert an einer Schneeverwehung, welche auch die Leitplanke in Mitleidenschaft gezogen hat. Und da die Spikes zu Hause in der Schublade liegen ...

Schließlich erreichen wir - glücklicherweise ohne Tunnelblick - Røldal und beschließen dort nach ca. 30 km spontan, einen Blick auf die dortige im Jahr 1250 erbaute Stabkirche zu werfen, womit wir damit auch gleich mal eine kleine Pause einlegen. Dem aus den Bergen kommenden Reisenden fällt sie früh auf und vermag durch ihre Lage in dem kleinen Ort, viele Besucher anzulocken, wir sind also nicht allein.

Bypass-Versuch Nummer 3 & 4 am Røldalstunnel und Seljestadtunnel (beide ca. 4600 m). Doch auch hier ist die alte Alternativ-Straße, welche oberhalb des Tunnels entlang führt(e), für uns nicht nutzbar, da gesperrt und nur noch zu Fuß erleb- und somit erwanderbar. Zumindest diesmal hat der Schnee also keine Schuld.

Das erste Tageshighlight erreichen wir bereits nach insgesamt 55 km. Ein Halt am direkt an der Straße liegenden Latefossen, einem eindrucksvollen Zwillingswasserfall mit einer Gesamtfallhöhe von 165 m, den man imitten seiner Gischt passiert, ist ein Muss. Wir haben zudem unverschämtes Glück und können auf dem winzigen zugedrängelten Parkplatz auch eine Lücke für unsere Motorräder ergattern. Nicht auszudenken, was hier in der Hauptferienzeit an Blechgewimmel los ist. Wir verweilen eine gefühlte halbe Ewigkeit, schießen unzählige Fotos während um uns herum die Gischt tobt.

Trockenfahren ist angesagt und damit schwingen wir uns wieder in die Sättel und fahren weiter nach Odda ans Ende des Sørfjords, einem Seitenarm des Hardangerfjords. Wir nutzen zur Weiterfahrt die Straße auf der Ostseite des Fjordes, da sich von hier aus immer wieder herrliche Blicke auf den gegenüberliegenden Folgefonn-Gletscher bieten. Bei Ullensvang legen wir erneut einen kurzen Stopp ein, genießen herrliche Blicke über den Fjord und setzten schließlich unseren Weg gen Norden fort.

Bei Bjotveit dann ein weiteres Highlight, diesmal ein technisches, von Menschenhand erschaffenes: die Hardangerbrücke, eine der längsten Hängebrücken der Welt. Über den Eidfjord gespannt führt sie an ihren beiden Enden direkt in den Berg, wo auf den Fahrer jeweils ein blau beleuchteter Kreisel als straßenbauliche Extravaganz wartet. Inmitten herrlicher Landschaften ein Erlebnis für sich und so wohl nur in Norwegen zu erfahren.

Ein gutes Stück vor Eidfjord (600 Ew) ist die im dortigen Hafen liegende Aida (2000 Ew?) bereits erkennbar. Im Ort angekommen, scheint das riesige Schiff den kleinen Ort schier zu erdrücken. Schätzungsweise doppelt so viele Passagiere wie Einwohner tummeln sich zwischen den Häusern und fallen wie die Heuschrecken zirpend über alle verfügbaren Läden her, bevor sich die Massen in unzählige Busse drängelt. Währenddessen genießen wir ein italienisches (!) Eis im Zentrum, beobachten entspannt und innerlich kopfschüttelnd das unglaubliche Gewimmel ...

Moment mal - Busse? Kreuzfahrt-Touristen? Oh oh, die wollen doch nicht etwa ... dooch DIE wollen. Also superfluchs die Mopeds gesattelt und vor der schon blöckenden Busherde zum Vøringsfossen gefahren. Schließlich wartet eine grandiose Karussellfahrt auf uns, denn hinter Eidfjord öffnet sich das spektakuläre Måbødal, welches schon immer ein Hindernis auf dem Weg auf die Hochfläche der Hardangervidda darstellte. Das Tal ist sehr schmal, umrahmt von extrem steil aufragenden Felswänden und bis zum Vøringsfossen, der sich im oberen Teil des Tales 145 m in die Tiefe stürzt und angeblich Norwegens schönster Wasserfall ist, gilt es eine Höhendifferenz von 700 m zu überwinden. So windet sich die Straße schnürsenkelartig verschlungen durch etliche Tunnel in die Höhe und das hinter gefühlt 25 Bussen zu bewältigen ist wahrlich kein Zuckerschlecken.

Oben angekommen lassen wir die Besichtigung des Vøringsfossen erstmal kurz entschlossen aus - der Busconvoy folgt ja noch und speit seine Kreuzfahrer ins Gelände - vielmehr suchen wir in der Nähe lieber erstmal in aller Ruhe und Gemütlichkeit ein Quartier und holen das mit dem Wasserfall-Besuch später nach. Genau die richtige Entscheidung, denn wir sind zu später Stunde fast alleine auf dem ganzen Gelände und können so alles richtig und ausgiebig und vor allem mit entsprechender Stille - naja, alles ist relativ, wenn so ein Wasserfall in die Tiefe donnert. Aber das Tosen der Wasser ziehe ich dem Geschnatter von hunderten Aida-Kreuzfahrern eindeutig vor -  ausgiebig genießen. Würde ich jedem dringend empfehlen, das ebenso zu machen, vor allem, da es ja lange hell bleibt.


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